Ein Jahrhundert «Nüünitram»

Als die Titanic unterging, rollte das Tram Nummer 9 bereits durch Berns Strassen.

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Wir schreiben den Oktober 1912, als in Bern die Tramstrecke durch das Monbijouquartier direkt nach Wabern eingeweiht wird. Dank der neuen Linie erübrigt sich der bisherige Umweg über den Eigerplatz und das Weissenbühlquartier.

Die neuen Trams wurden zu spät geliefert

Während eine Expedition um Robert F. Scott den Südpol zu erreichen versucht, wird in Bern ebenfalls Terra nova befahren. Ab Hirschengraben verkehrt folglich seit 100 Jahren das später von Mani Matter besungene Tram direkt durch die Monbijoustrasse. In Matters Lied bricht das Tram bei Nacht aus den Schienen aus und verwandelt sich in die wunderlichsten Dinge und Tiere.

Schienen, auf denen ein Tram fehlte, gab es übrigens schon bei der Streckeneröffnung 1912, erzählt Tramfan Rolf Hürlimann. Denn als die neue Strecke eingeweiht werden sollte, fehlte das Rollmaterial: Die neuen Trams wurden zu spät geliefert – die Jungfernfahrt musste verschoben werden. Der Apotheker Hürlimann ist Mitglied des Verbands öffentlicher Verkehr (VÖV) und beschäftigt sich in seiner Freizeit mit den öffentlichen Verkehrsrouten und -fahrzeugen der Stadt Bern. Seit den späteren Sechzigerjahren fotografiert er Trams und Busse.

Herbstliche Jungfernfahrt

Zwei Monate bevor die Jungfernfahrt der Titanic im Nordatlantik ein jähes Ende nehmen wird, kann in Bern endlich die Monbijoustrecke problemlos in Betrieb genommen werden. Seit hundert Jahren verbindet nun das «Nüünitram» den Gurtenfuss direkt mit der Innenstadt – in den späten 40er-Jahren ersetzte man die Zwei- durch Vierachs-Trams. Seit 1991 verkehren nur noch Niederflurmodelle.

Als einzige Tramlinie von Bern konnte das «Nüünitram» ihr Markenzeichen, die Nummer 9, ein Jahrhundert lang behalten, wie Hürlimann sagt. Stadtwärts ab dem Bahnhof wechselte die Strecke mehrfach: Bis 1923 wurde via Bollwerk das Brückfeld bedient, danach kehrte man in einer Bahnhofschlaufe. Erst seit 1947 besteht die Verbindung vom Hirschengraben direkt in den Breitenrain.

Von Anbeginn mit Strom

Zwanzig Jahre vor der Neunerlinie war in Bern die erste Tramverbindung zwischen dem Bärengraben und dem Bremgartenfriedhof entstanden. Anfänglich wurde diese mit einem Druckluftsystem betrieben, später mit Dampf. Schon ab 1902 sattelte man auf den elektrischen Betrieb um. Beinahe gleichzeitig übernahm die Städtische Strassenbahn Bern (SBB) den bislang privat betriebenen öffentlichen Verkehr.

Das «Nüünitram» fuhr somit von Anbeginn mit Strom. Inzwischen werden wieder neue Änderungen ins Auge gefasst: Das Projekt Tram Region Bern sieht eine Streckenerweiterung von Wabern nach Kleinwabern vor. (Der Bund)

(Erstellt: 03.10.2012, 11:27 Uhr)

Das zweiachsige «Nünitram» auf der Monbijoustrasse. (Bild: Rolf Hürlimann)

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