Bern
Ein Bett im Klee
Von Matthias Ryffel. Aktualisiert am 22.03.2012 3 Kommentare
Tag der offenen Tür
Am Samstag, 24. März, ist im Bed & Breakfast Im Klee ab 13 Uhr Tag der offenen Tür.
Infos: www.imklee.ch
Das Video zum Bed & Breakfast
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Cécile Rüegg und Manuel Gnos gönnen sich eine Pause auf dem sonnigen Balkon, wo schon bald Musiker, Künstler und andere Gäste ihren Morgenkaffee schlürfen sollen. Grün ist es hier draussen im Schosshaldenquartier, in unmittelbarer Nähe des Zentrum Paul Klee. Vom Balkon aus fällt der Blick auf eine weitläufige Wiese, scheinbar unmittelbar dahinter erheben sich die weissen Riesen des Oberlands. Wäre da nicht die Skyline mit den Wittigkofener Wohnblöcken, man könnte leicht vergessen, dass man sich in der Stadt befindet.
Etwas weniger harmonisch schaut es derweil im Innern des künftigen Bed & Breakfast aus. Im Eingangsbereich im ersten Stock herrscht noch ein wildes Durcheinander aus Nachttischen, Lampen und Stühlen. An den Türen der Gästezimmer kleben gelbe Notizzettel – «Schrank montieren», oder einfach «Tischlampe» steht dort geschrieben.
Auch am Haupteingang unter der Klingel klebt ein solcher Zettel mit dem Namen der Herberge: «B+B im Klee». Bis zur Eröffnung am 1. April ist es noch ein weiter Weg.
Kein Anspruch auf Vollständigkeit
Die beiden Beherberger – Noemi Grossen, die Dritte im Bund, weilt derzeit in Kairo – machen trotz der Baustelle einen entspannten Eindruck. «Anspruch auf Vollständigkeit werden wir nie haben», sagt Rüegg. Dann lächelt sie verschmitzt: «Sonst könnten wir ja gar keine Brocki-Touren mehr machen.»
Man erkennt auf den ersten Blick, dass das Inventar des Bed & Breakfast Im Klee nicht aus dem Kaufhaus stammt. Kein Gegenstand im Haus gleicht dem andern. «Das haben wir aus Norditalien», sagt Gnos und zeigt auf ein nicht mehr ganz junges Bettgestell aus dunklem Holz. «Das Tischlein hier hatte die Urgrossmutter einer Kollegin im Keller.»
So geht es immer weiter: die Kommode stammt aus einem Hotel, dessen neue Besitzer keine Verwendung mehr für sie hatten, die Stühle aus einem Bergrestaurant, an die Gnos noch Kindheitserinnerungen hat. Einige der Einrichtungsgegenstände verdankt das Trio Spenden aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, für einiges werden sie sich erst nach der Eröffnung auf die Suche nach Gönnern machen können. Im einzigen fertig eingerichteten Zimmer passt dann aber alles zusammen – mit einem deutlichen Hauch der Fünfzigerjahre.
Virtuosen erwünscht
«Dieses Projekt fügt alles zusammen, was mir Spass macht», sagt Cécile Rüegg: «Zimmer einrichten, Kuchen backen, basteln». Den Traum einer eigenen Herberge hegt die Bernerin schon lange. Obwohl gelernte Restaurateurin, hat sie viel Zeit in Restaurantküchen zugebracht.
Gnos wiederum organisiert im Café Kairo Konzerte – das verschafft ihm Kontakt zu vielen Künstlern. «Man kann schon damit rechnen, dass hier ab und zu einer in der Küche sitzen und Gitarre spielen wird», sagt er. «Naja, vielleicht nicht unbedingt spät nachts nach einem Konzert», wirft Rüegg ein.
Die Zwei wohnen inzwischen selber im Haushalt – das ist Bedingung, um ein Bed & Breakfast betreiben zu können. Für eine richtige Herberge gälten strengere Auflagen. Dafür könnte man dann mehr als zehn Betten vermieten und auch warme Küche anbieten. Mit einer Pension hätten sie schon auch geliebäugelt, sagt Gnos. «Einstweilen steht dies aber nicht im Vordergrund.»
«Da mas no chli öpis liide»
In der Stadt Bern sei das Angebot an günstigen, geschmackvoll eingerichteten Unterkünften bescheiden, findet Cécile Rüegg: «Da mas no chli öpis liide.» Mit ihrem B&B richtet sich das Trio an eine jüngere Generation. Natürlich sei aber jedermann willkommen, betont Gnos. Auch von der Nähe zum Zentrum Paul Klee versprechen sich die frisch gebackenen Herbergsleute viel. Eine Unterkunft zu finden, die näher am Museum liegt, und in derselben Preisklasse rangiert, dürfte Kunstfreunden tatsächlich schwer fallen.
Die hellen Räumlichkeiten stehen wahlweise als Einzel- oder Doppelzimmer zur Verfügung, auch Zusatzbetten sind möglich. Zu zweit soll die Nacht mit Frühstück zwischen 120 und 130 Franken kosten. Einzeln sind sie ab 75 Franken zu haben. Duschen gibt es in den Zimmern keine, jedoch fünf Stück davon auf der Etage. Und der Swimmingpool auf dem Gelände der Herberge gehört zum Angebot dazu.
Die ersten Gäste haben übrigens bereits gebucht. Der Ostschweizer Liedermacher Manuel Stahlberger und seine Band werden die aktuelle Tournee mit einer Übernachtung Im Klee ausklingen lassen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.03.2012, 15:20 Uhr
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