Durch Bern brettern

Ein neuer Film zeigt Bern aus Skateboarder-Sicht. Das Werk setzt auf Ästhetik und Einfachheit.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer Skateboard fährt, hat eine spezielle Perspektive auf die architektonischen Beschaffenheiten seiner Stadt. Wie diese auf Bern bezogen aussieht, zeigt Nick Heuberger in seinem Film «Bearings – a film about skateboarding in Bern».

In Skate-Filmen stellen die Fahrer normalerweise ihre härtesten Tricks zur Schau. In Nick Heubergers Streifen wird darauf grösstenteils verzichtet. Darin stehen nicht möglichst waghalsige Manöver, sondern etwas anderes im Mittelpunkt: die Stadt Bern. «Der Film soll auf ästhetische Weise zeigen, wie Skateboarder den öffentlichen Raum Berns zu nutzen wissen», sagt Heuberger.

Dazu wurden sämtliche Quartiere nach speziellen «Spots», also Orten, an denen sich gut skaten lässt, durchforstet. Zu sehen sind: Treppen, Mauervorsprünge, Strassenviadukte von Bümpliz bis vors Bundeshaus. Damit die Spots nicht durch allzu spektakuläre Tricks in den Schatten gestellt wurden, musste Heuberger bei seinen Kollegen, die im Film zu sehen sind, Überzeugungsarbeit leisten. «Nicht alle waren von Anfang an begeistert, nicht ihr bestes Können zu zeigen.» Doch schliesslich zeige das Video dadurch, was die Berner Skaterszene ausmacht: «Lockerheit, Spass und Spontanität».

Aha-Erlebnis für Nicht-Skater

Nick Heuberger spricht mit Nicht-Skatern nur über sein Hobby, wenn er konkret danach gefragt wird. «Viele finden es komisch, dass ich in meinem Alter noch skate», sagt der 28-Jährige, der schon seit fünfzehn Jahre durch die Strassen rollt. Genauso viele wüssten aber nicht, was ein Skater überhaupt so macht.

Als er vor ein paar Jahren anfing, kurze Skate-Videos aus Bern auf Youtube hochzuladen, waren einige Nicht-Skater-Kollegen überrascht. «Viele merkten dann, dass es direkt vor ihrer Haustür gute Spots gibt, an denen wir fahren», sagt Heuberger. Durch solche Aha-Erlebnisse sei der Film eben auch für Nicht-Skater sehenswert.

Die Polizei und der Diktator

Und dann ist da noch die Sache mit dem Image. «Die Öffentlichkeit hat ein komisches Bild von uns», sagt Heuberger. Vor allem älteren Menschen scheinen Skateboarder ein Dorn im Auge zu sein. «Diese meinen, wir machen absichtlich Krach und wollen nur provozieren.» Dabei gehe es um etwas ganz anderes: «Skaten ist eine Kunstform. Es geht um die kreative Nutzung des öffentlichen Raums.» Aber Heuberger will mit seinem Film nicht missionieren, sondern der Öffentlichkeit einfach einen Einblick in die Szene bieten.

Dennoch kann es vorkommen, dass eine Skate-Session durch die Polizei beendet wird. Das passiere in Bern aber eher selten. «In Bern kriegt man als Skater kaum Ärger, wenn man den gesunden Menschenverstand gebraucht», sagt Heuberger. Konfrontationen mit Passanten oder Hausmeistern gebe es dennoch ab und zu. Das setzte die Skater beim Filmen zum Teil unter Zeitdruck. «Bei gewissen Spots wussten wir, dass wir höchstens fünf Minuten Zeit haben, bevor wir weggeschickt werden.»

Skaterfilme sind oft Gemeinschaftsprojekte. Bei «Bearings – a film about skateboarding in Bern» hatte nur Heuberger die Fäden in der Hand. «Ich hatte ganz klare Vorstellungen darüber, wie der Film auszusehen hat. Dadurch wurde ich zu einem richtigen Kontrollfreak und Diktator.» Er hat bis auf wenige Sequenzen alles selber gefilmt und selbst am Soundtrack war er beteiligt. «Die Musik im Film stammt von meiner Band.»

Überschaubare Szene

«Bern ist keine Skater-Stadt», sagt Heuberger. Dementsprechend klein ist auch die Szene, die Heuberger auf rund 60 Personen im Alter zwischen 15 und 35 schätzt. Mit seinem Film will er nicht nur ausserhalb der Szene um Aufmerksamkeit buhlen, sondern Bern auch auf die Schweizer Skate-Karte setzen. «Skater aus anderen Städten sollen sehen, dass wir hier einige interessante Spots haben.»

Doch wieso ist Bern als Skate-Stadt bisher kaum in Erscheinung getreten? «In Bern gibt es keine Skateshops- oder Labels, welche die Szene pushen», erklärt Heuberger. So würden kaum Skate-Videos gedreht und Bern bleibe über die Stadtgrenze hinaus unbekannt. Daran gibt es aber auch gute Aspekte: «Die Szene ist überschaubar, man kennt sich. Die Stimmung ist hier viel weniger verbissen als zum Beispiel in Zürich.» (DerBund.ch/Newsnet)

(Erstellt: 16.05.2013, 11:09 Uhr)

Bearings - a film about skateboarding in Bern - Teaser

Filmpremiere

«Bearings - a film about skateboarding in Bern» feiert am 21. Juni im Kino in der Reitschule Premiere. Danach ist der Film auf DVD erhältlich oder kann auf Youtube angesehen werden.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Werbung

Volltreffer! Die Fussballkolumne.

Grädel schreibt über Fussball und die Welt. Wenn einer in Bern und Umgebung echten Fussballsachverstand hat, dann er.

Die Welt in Bildern

Trauer: Donnapha Kladbupha weint während der Zeremonie zum Gedenken an den Geburtstag des verstorbenen thailändischen Königs Bhumibol Adulyadej (5. Dezember 2016).
(Bild: Rungroj Yongrit) Mehr...