«Die Welt der Bücher ist die gewaltigste»

Die Warterei hat eine Ende: Heute eröffnet der Wartsaal, das neue Lokal an der Lorrainestrasse 15 mit einem grossen Fest seine Türen.

Heute Samstag feiert der Wartsaal und seine neue Crew Eröffnung (von links): Martin Allemann, Tobias Roder und Tobias Eggel.

Heute Samstag feiert der Wartsaal und seine neue Crew Eröffnung (von links): Martin Allemann, Tobias Roder und Tobias Eggel. Bild: Valérie Chételat

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Die Fensterfront ist noch zugeklebt, an der Lampe über dem Tresen klemmen Schraubzwingen, der Elektriker macht sich an den Lichtquellenanschlüssen zu schaff en, ein Folienspezialist glättet die soeben angebrachten schwarzen Lettern an der äusseren Scheibenfront, und eine Handvoll weiterer Handwerker setzt zu letzten Handgriff en an. Inmitten des Chaos lächeln drei junge Herren den Spezialgästen freundlich entgegen. Hinten im Lokal wurde ein Tischlein aufgedeckt, inklusive roten Blumenschmucks und flackernder Kerze. Trotz Endspurts vor der Eröffnung haben die Gastronomen versucht, so etwas wie eine gemütlich Stimmung für den mittäglichen Interviewtermin zu schaffen. Das ist ihnen gelungen.

Der Wartsaal befi ndet sich in den Räumlichkeiten der ehemaligen Mythos-Bar an der Lorrainestrasse 15. Heute ab 16 Uhr wird das neue Lokal mit einem Fest eingeweiht. «Wir haben Lesungen im Programm, Poetry-Slam, einen Barpianisten, Grilladen und Getränke», sagt Tobias Eggel, einer der vier Betreiber des Wartsaals. Tobias Roder, Martin Allemann und der beim Fototermin noch in den Ferien weilende Stefan Wittwer komplettieren das Team. Für das Fest wird der Aussenbereich miteinbezogen und eine Überzeitbewilligung zum Zuge kommen. Sechs Monate im Jahr dürfen die Junggastronomen auch nach dem Eröff nungsanlass die schmucke Laube neben dem Wartsaal als Aussenbereich nutzen. Und dank dem Konzept, das hinter dem Wartsaal steht, wird wohl keine Lärmklage von Anwohnerseite her zu erwarten sein.

«Unser Aushängeschild sind die Bücher – das ist einzigartig in Bern», erläutert Tobias Roder dieses Konzept. «45 an der Zahl werden jeweils bei uns im Regal stehen. Das Netzwerk der unabhängigen Buchhandlungen von Bern mit seinen neun Buchläden wird ausgewählte Exemplare bei uns präsentieren.» Die Gäste seien eingeladen, in den Büchern zu schmökern, zu stöbern oder sie auch gleich zu kaufen. Alle drei Monate wird die «Bücherkarte» gewechselt und neuer Lesestoff in die Regale gestellt. Die Idee hat Roder vor drei Jahren aus Kopenhagen importiert: «Ich war begeistert von diesem Konzept und wollte es einfach versuchen umzusetzen.»

Speise- und getränketechnisch geben die Betreiber unumwunden zu, dass sie nicht versucht hätten, das Rad neu zu erfinden. «Daran ist eigentlich nichts revolutionär anders», so Roder. «Wir wollen ein Treffpunkt mit herzlichem Service ohne Schnickschnack sein.» Mittags gibt es ein Fleisch- und ein Vegimenü, abends einfache Pastavariationen – jeweils für maximal 30 Personen, alles angeliefert von zwei anderen Restaurants. Antipasti, verschiedene Plättli, Salat, Suppen, Bauernhofglace und Kuchen runden das überschaubare Speiseangebot ab. Interessanter aber als die Karte mit der festen Nahrung ist definitiv die Auswahl an flüssigen Angeboten: ein grosszügiges Experimentierfeld für Entdecker eher unbekannter Getränke.

Caffè freddo, Iced Chai, Caffè gelato, Sirupier-Sirup, Teelädeli-Tee aus der Länggasse, Fever-Tree Ginger Beer, Now fresh Lemon, Biervariationen aus Sainte Croix oder ein glutenfreies Biobier sind nur einige Beispiele aus der Karte, die es auszuprobieren gilt. Selbstverständlich wird auch die etwas weniger experimentierfreudige Kundschaft auf ihre Kosten kommen: Espresso, Kaffee Crème, Rivella, Orangina oder eine spannende Weinkarte – alles Bekannte aus der Getränkewelt. Doch egal ob Entdecker oder Freund von Bewährtem – im Wartsaal sollte immer noch ein Buch gezückt werden. Denn bereits Heinrich Heine war sich sicher: «Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die gewaltigste.» (Der Bund)

Erstellt: 06.08.2011, 10:42 Uhr

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