Die Uni Bern sucht einen Erdzwilling

Bald werden im Weltall zwei Satelliten unterwegs sein, die Bauteile von Forschern der Uni Bern enthalten. Das Teleskop soll nächstes Jahr um die Erde kreisen.

Willy Benz neben einem verkleinerten Modell des Cheops-Teleskops.

Willy Benz neben einem verkleinerten Modell des Cheops-Teleskops. Bild: F. Rothenbühler

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Der Satellit Plato soll im Weltall erdähnliche Planeten finden, auf denen Leben existieren könnte. Nun hat die Europäische Weltraumagentur ESA das Startsignal zum Bau gegeben. 26 Teleskope mit je einem Durchmesser von 12 Zentimetern werden auf dem Satelliten befestigt und suchen nach Erdzwillingen. Die mechanische Struktur für die Halterung dieser Teleskope hat das «Center for Space and Habitability» (CSH) an der Universität Bern entworfen. Damit ist die Uni Bern – nach dem Cheops-Projekt – erneut an der Konstruktion eines Teleskop-Satelliten beteiligt.

«Ohne Landung mit einer Sonde auf einem Planeten, bleibt uns nur die Atmosphäre, um nach Bedingungen für Leben zu suchen», erklärt Willy Benz, Direktor des Nationalen Forschungsschwerpunkt PlanetS, die Notwendigkeit von Plato. Die Teleskope auf dem Satelliten sollen während vier bis sechs Jahren das Licht von über hunderttausend Sternen einfangen. Wenn nun ein Planet vor einem der Sterne vorbeizieht, verdeckt er diesen. «Aus dieser Lichtveränderung gewinnen wir Informationen über die Temperatur und die Struktur der Atmosphäre, die Grösse und die Masse der Planeten», sagt Benz.

Kosten von 600 Millionen Euro

Bis der Plato-Satellit startet, müssen sich die Forscher an der Uni Bern aber noch gedulden. Erst im Jahr 2026 soll es soweit sein. Denn nach dem nun erfolgten positiven Entscheid der ESA wird die Europäische Weltraumagentur in den nächsten Monaten Angebote aus den beteiligten Ländern für den Bau des Satelliten einholen. Schweizer Unternehmen werden die Berner Pläne für die Befestigung der optischen Teile der Teleskope umsetzen.

Anschliessend wird die Schweiz die Strukturen der 26 Teleskope nach Italien schicken, wo dann die Linsen eingebaut werden. Kosten von 600 Millionen Euro werden für die Plato-Mission veranschlagt, bei der das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Leitung innehat.

Weiter fortgeschritten und deutlich billiger ist der Satellit Cheops. Bestückt mit einem einzigen Teleskop soll er Ende 2018 oder Anfang 2019 an Bord einer Sojus-Rakete ins Weltall fliegen. Cheops wird anders als Plato nicht für die breitgestreute Suche nach neuen Exoplaneten eingesetzt, sondern er wird seinen Blick gezielt auf bereits bekannte Sterne und Planeten richten und neue Daten für die Forscher auf der Erde liefern. Bern leitet Weltraumprojekt

Der Cheops-Satellit hat für die Schweiz eine ganz besondere Bedeutung. Zum ersten Mal in der Geschichte ist die Schweiz nicht nur für einen Teil eines ESA-Projektes verantwortlich, sondern koordiniert eine ganze Weltraummission, in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumagentur. Die Uni Bern und die Uni Genf haben sich in der Ausschreibung durchsetzen können, weil sie auf Sparsamkeit geachtet haben, so die Einschätzung von Benz. Denn die ESA wollte maximal 50 Millionen Euro für Cheops ausgeben – einen Bruchteil des Plato-Satelliten. Benz schmunzelt: «Weil Weltraummissionen für explodierende Kosten bekannt sind, haben wir in unserem Projektentwurf die Einhaltung des Kostenrahmens hervorgehoben.»

Nun koordiniert das CSH nicht nur die europäischen Partner der Cheops-Mission, sondern baut in einem Kellerraum im Berner Länggassquartier aus den Einzelteilen der Partnergruppen das Teleskop, führt Tests durch und eicht die Messinstrumente. Der isolierte und abgeschirmte Raum verfügt über Luftfilter und einen Überdruck. Zudem darf er nur mit Spezialkleidung betreten werden. «Bereits kleinste Staubpartikel beeinträchtigen die Präzision der Lichtmessung, die wir hier testen», sagt Benz. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Tests wird das Teleskop in Madrid mit der Satellitenplattform verbunden. Dann wird das Konstrukt in der Schweiz erneut getestet.

Wo, ist noch nicht klar, sicher aber nicht an der Uni Bern: «Hier hat es keinen Raum, der gross genug für einen fertigen Satelliten ist und den wir gleichzeitig gegen Einflüsse von aussen isolieren können», sagt Benz. (Der Bund)

Erstellt: 22.06.2017, 06:53 Uhr

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