Bern
Die Räblus wird verscherbelt
Von Martin Zimmermann. Aktualisiert am 28.04.2012
Zweiter und letzter Inventarverkauf:
Samstag ab 9 Uhr im Restaurant Räblus und Pery-Bar am Schmiedenplatz in Bern.
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Am Schmiedenplatz neben dem Kornhaus in Bern herrscht diesen Freitagmorgen emsiges Treiben: Immer wieder betreten und verlassen Leute die Pery-Bar und das darüberliegende Restaurant Räblus. Nanu, denkt sich der ahnungslose Passant, wurden die beiden Lokale nicht kürzlich geschlossen? Ein grosses Plakat vor dem Eingang schafft Klarheit: «Inventarverkauf Restaurant Räblus und Pery-Bar» steht darauf geschrieben.
In der Tat verlassen die Kunden das Etablissement nicht mit vollen Mägen, sondern mit gut gefüllten Tragetaschen und Kisten. Darunter ist eine Dreiergruppe Anfang zwanzig. Die jungen Leute haben soeben 25 Räblus-Schürzen ersteigert. Als «freie Serviceangestellte und Köche» könnten sie diese immer gut gebrauchen, sagen sie. Die Hoffnung auf ein Schnäppchen hat auch zwei Mitarbeiter des Restaurants Sous le Pont in der Reithalle zur Räblus gelockt. Teelicht-Gläser und Seifenspender erhielten sie hier günstiger als im Laden, so die beiden. Nicht alle Käufer sind Beizer: Ein älteres Ehepaar etwa hat sich mit einer ganzen Sammlung «interessanter Trinkgläser» für den Privathaushalt eingedeckt, wie die Ehefrau sagt.
Einer der verheerendsten Brände in der Altstadt
Im Innern der Pery-Bar zwängen sich rund ein Dutzend Leute an den mit Waren vollgestellten Tischen und Bänken vorbei – das Interesse an der Aktion ist gross. Vom Porzellanbecher (ab 1 Fr.) über mit Bären-Reliefs versehene Teller (10 Fr.) bis hin zum Geschirrspüler (2730 Fr.) ist hier alles erhältlich, was in einen Restaurationsbetrieb passt.Einige der Gegenstände, wie eine eindrückliche Frauenskulptur (500 Fr.), weisen Brandspuren auf.
Das überrascht nicht: Vor zwei Jahren brannte der Dachstock der denkmalgeschützten Liegenschaft ab. Es war einer der verheerendsten Brände in der Berner Altstadt, seit es 1997 in der Junkerngasse gebrannt hatte. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Die Ermittlungen laufen noch.Das Restaurant Räblus im ersten Stock wurde vom Feuer ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Weil sich die anschliessende Renovation in die Länge zog, beschloss Räblus- und Pery-Bar-Wirt Vincent von Wattenwyl vor zwei Monaten, den Betrieb nach 13 Jahren einzustellen. «Es war nicht tragbar, ständig eine Baustelle zu haben», sagte er damals auf Anfrage.
Kein Nachfolgebetrieb in Sicht
Mittlerweile ist von Wattenwyl Betriebsleiter der beiden Schwellenmätteli-Restaurants Terrasse und Casa an der Aare. Den Inventarverkauf diesen Freitag und Samstag leitet er jedoch persönlich. Der Beizer grüsst Branchenkollegen und feilscht mit potenziellen Kunden («Ok, du kriegst das Kabel für 20 Fränkli!»).
Für den «Bund» kann er nur einige Minuten erübrigen. «Traurig» sei es, dass nun schon wieder ein Berner Lokal habe schliessen müssen, sagt er. Den Wert des feilgebotenen Inventars möchte von Wattenwyl nicht beziffern. Auch was mit dem Gewinn des Verkaufs geschehen soll, will er nicht sagen: «Es ist halt mein Erlös», meint er bloss dazu.
Was nach der Verkaufsaktion mit den Räumlichkeiten des Lokals geschieht, ist noch unklar. Es wird spekuliert, dass im Erdgeschoss wieder ein Gastrobetrieb einziehen soll. (Der Bund)
Erstellt: 28.04.2012, 08:41 Uhr
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