Bern
«Der Treppenlift nützt niemandem»
Von Katrin Schregenberger. Aktualisiert am 13.01.2012 5 Kommentare
Die Bärenparktreppe. (Bild: Adrian Moser)
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Herbert Bichsel sitzt im Rollstuhl auf der Nydeggbrücke und blickt in Richtung Klösterlistutz. «Es ist unmöglich, hier mit einem Hand- oder Elektrorollstuhl hinauf- – oder noch schlimmer – hinunterzufahren», sagt der Geschäftsleiter der Behindertenkonferenz Stadt und Region (BRB) und zeigt auf den Hang zum Klösterliareal, der über 10 Prozent Steigung aufweist.
Mit einem Rundgang für Vertreter des Gemeinderats, der Verwaltung und der Medien wollte die BRB aufzeigen, dass der Bau eines Treppenliftes entlang der Treppe unter der Brücke von Klösterliareal zum Uferweg nicht sinnvoll wäre. Diese Variante haben die Stabe im Dezember angekündigt, nachdem die Idee eines Hangliftes entlang der grossen Hangtreppe verworfen worden war.
Nicht behindertengerecht
«Wer will, kann den Hang gerne in einem Selbstversuch hinunterfahren», bietet Bichsel den Anwesenden an. Keiner traut sich; der Hang wird einstimmig als zu steil beurteilt. Das heisst: Nur für Gehbehinderte, die Auto fahren können, könnte der Treppenlift, der nur vom Parkplatz aus zugänglich wäre, eine Lösung sein.
Der Parkplatz aber weist nur zwei Behindertenparkplätze auf. Weitere einzurichten, sei wegen der unebenen Fläche unmöglich, erklärte Bichsel. «Ausserdem kann ein Rollstuhlfahrer den Bärenpark von oben so nicht sehen, da er hierfür den Stutz hinauffahren müsste», sagt Bichsel. Weiter würde ein Rollstuhlfahrer mit einem solchen Lift sechs Minuten brauchen, um den Uferweg zu erreichen. «Was, wenn ein Behindertenheim den Park besuchen will?», fragt Bichsel. «Bis alle unten sind, ist schon eine WC-Pause fällig.»
«Wir werden Einspruch erheben»
Der Treppenlift ist jedoch der einzige Vorschlag der Stabe, der derzeit in Erwägung gezogen wird, nachdem im Dezember der Bau eines Hangliftes verworfen worden ist. Damals bezeichneten die Stabe einen Hanglift als «technisch sehr anspruchsvoll und kostenintensiv». Zudem würde ein Schräglift einen erheblichen Eingriff in das Landschaftsbild darstellen und sei deshalb «kaum bewilligungsfähig». Ob etwas bewilligungsfähig sei oder nicht, sei Sache der Justiz, sagt der ebenfalls anwesende Stadtpräsident Alexander Tschäppät. «Da stochern wir alle im Dunkeln, wir wissen es nicht.»
«Wenn die Stabe ein Baugesuch für einen Treppenlift beim Regierungsstadthalter einreichen, werden wir Einspruch erheben», sagt Herbert Bichsel. Denn eine solche Lösung entspreche dem Gleichstellungsgesetz für Behinderte nicht. «Für uns kommt nur ein ‹richtiger› Lift infrage, sei es am Hang oder an der Brücke», sagt er.
Auch die von der Regierung noch zu prüfende Lösung – der Bau eines neuen Wegs vom Restaurant altes Tramdepot hinunter –, sei nicht realistisch. Denn zum einen sei es nicht zumutbar, 21 Meter Höhenunterschied aus eigener Kraft zu überwinden. Zum anderen dürfte der Weg nicht mehr als 6 Prozent Steigung aufweisen und müsste pro eineinhalb Meter Höhenunterschied eine Plattform zum Ausruhen bieten. Der Weg würde so über 400 Meter lang. Zudem würde er durch die Aareschutzzone führen, was wohl ebenfalls nicht bewilligungsfähig sei. Eine neue Strasse vom Schwellenmätteli her sei ebenfalls zu weit.
Möglich sei hingegen, so Bichsel, eine Aufteilung der Höhenmeter auf zwei Lifte. Der erste Aufzug würde vom alten Zollgebäude bis zur Plattform bei der kleinen Treppe führen. Über einen kleinen Steg käme man zu einem zweiten Lift, der entlang der Brücke und parallel zur Treppe bis zum Uferweg fahren würde.
Stabe hält an Treppenlift fest
«Natürlich könnte man einen Schräglift bauen, man kann alles bauen», sagt Finanzdirektorin Barbara Hayoz, «es wird aber enorm viel kosten.» Schon beim Bärenpark seien die Bauarbeiten mit grossen Schwierigkeiten verbunden gewesen. «Kosten sind kein Kriterium», sagt Herbert Bichsel hierzu.
Es gebe keine Kostengrenze, sagt Matthias Haag, CEO der Stabe, es müsse jedoch auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis geachtet werden. «Ein Treppenlift ist für uns im Moment die einzig realisierbare Lösung, auch wenn wir wissen, dass so nicht alle Probleme behoben sind», so Haag. Es werde aber langfristig eine bessere Variante angestrebt. Welche und wann diese realisiert werde, konnte er nicht sagen. Einen Hanglift aber halte er nicht für realistisch: «Diese Idee ist für mich persönlich gestorben.» (Der Bund)
Erstellt: 12.01.2012, 16:57 Uhr
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5 Kommentare
doch etwas gar egoistisch des Herrn Bichsel. Er erwartet die Ausgaben von mehreren Steuermillionen für einen Schräghanglift, der wohl durchschnittlich 3-5 mal pro Woche verwendet werden würde, nur damit er ein paar Mal im Jahr die Bären auch vom Aareufer anschauen kann. Gilt denn Verhältnismässigkeit in diesem Falle nicht? Antworten
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