Bern
Der Botanische Garten erhält ein Sommercafé
Von Hanna Jordi. Aktualisiert am 03.05.2012
Wer den Botanischen Garten in Bern besuchte und plötzlich vom Hunger oder Durst geplagt wurde, der konnte sich bisher einzig an einem Snack-Automaten verköstigen. Diese kargen Zeiten sind nun vorüber: Am 14. Mai öffnet das Café Fleuri vor dem Sukkulentenhaus seine Pforten. Am Donnerstagvormittag hat der mobile Küchencontainer seinen Platz auf der Terrasse zwischen Treppe, Schauhaus und Schildkrötenteich bezogen.
Eva Hefti, die Urheberin des Projekts, verfolgt gebannt, wie der mächtige Kran die mobile Küche mit Ladentheke auf die Plattform hievt. Hier also sollen schon bald Salate, Suppen, Müesli und erfrischende Getränke serviert werden. Bereits vor zwei Jahren tat sich Hefti mit dem Gedanken an eine Verpflegungsmöglichkeit im Botanischen Garten um: «Es ist ein so schöner, inspierender Ort – was fehlte, war ein ebenso schönes Café.» Bis sie sich tatsächlich ein Herz fasste und ihr Projekt bei der Leitung des Botanischen Gartens vortrug, wurde es allerdings Herbst 2011. «Es braucht einigen Mut, sich an ein solches Projekt heranzuwagen», sagt Hefti.
Beim Botanischen Garten stiess sie auf grosses Interesse. Viele Gäste hätten einen Ort vermisst, um sich verpflegen zu können, bestätigt Verena Gysin, die für Kultur und Kommunikation im Botanischen Garten zuständig ist. «Leider mussten wir die Leute immer enttäuschen». Die Versuche des Bogas, ein Café zu eröffnen, waren bisher versandet, weil der Betrieb des Botanischen Gartens stets befristet war. «Der aktuelle Leistungsvertrag mit der Erziehungsdirektion des Kantons Bern dauert indes bis 2013, das ermöglicht eine langfristigere Planung», so Gysin.
Auf Spendersuche im Internet
Wie gross das Bedürfnis nach einem Café im Boga wirklich ist, erfuhr Hefti, als sie sich auf die Suche nach potenziellen Geldgebern machte. 15 Prozent der Anschaffungskosten für den Küchenwagen im Wert von rund 45'ooo Franken sammelte sie auf der Internet-Plattform 100 Days: Dort können findige Personen ihre Projekte bewerben und während einer Dauer von 100 Tagen Gönner suchen. Dafür winken den Gönnern nicht nur die unendliche Dankbarkeit der Unternehmer, sondern auch kleine Lockmittel wie Getränkegutscheine.
«Ich rechnete damit, dass sich Freunde und Familienmitglieder zu einer Spende hinreissen lassen würden», so Hefti, «doch schliesslich klinkten sich auch viele Dritte ein.» In nur 40 Tagen hatte Hefti die nötigen 6'750 Franken beisammen, gespendet hatten 73 Personen. «Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich die Summe vielleicht etwas höher angesetzt», so die gelernte Betriebswirtin lachend. Für den restlichen Betrag hat sie Darlehen aufgenommen.
Der Botanische Garten steuert seinerseits die farbigen Sitzmöbel bei. 30 Plätze werden bei schönem Wetter zur Verfügung stehen. Und wenn es regnet? «Dann gibt es eine Ausweichmöglichkeit im Sukkulentenhaus», so Hefti. Angst, dass sie ihre Investition noch bereuen könnte, hat sie nicht: «Das Wohlwollen, das mir mit meinem Projekt entgegen schlug, stimmt mich sehr zuversichtlich.»
Spargeln, Curry, Früchte-Coulis
Unterstützt wird die junge Unternehmerin von zwei gelernten Gastronominnen, Lena Werder und Andrea Jenni. Gemeinsam werden die drei von Mitte Mai bis September kochen und bewirten, und das von halb zehn Uhr morgens bis abends um halb sechs, wenn der Garten schliesst.
Noch gibt es viel zu tun. Die ersten Menus stehen aber schon fest. Serviert werden sollen sie im Weckglas, etwa der Frühlingssalat mit Spargeln und Couscous. Oder jener mit Rüebli, Curry und Radiesli. Oder auch der Joghurt mit Früchte-Coulis-Einlage. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.05.2012, 16:00 Uhr
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