Der Beizensommer hat begonnen

Von Hanna Jordi. Aktualisiert am 23.03.2012

Einen Kaffee trinken und in die Sonne blinzeln: Berner Beizen eröffnen reihum ihre Aussensitzplätze. Meist nicht, ohne ihr Personal beträchtlich aufzustocken.

1/8 Die Front ist die Sonnenterasse Berns: Hier wird der Beizensommer mit Pauken und Trompeten begangen.
Bild: Hanna Jordi

   

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«A pleasant city to just sit outside and smoke a cigarette» – spätestens seit Oscar-Preisträger Jeremy Irons bei seinem Besuch vergangene Woche Bern mit diesen Worten gerühmt hat, wissen es alle: Bern ist ein Freiluft-Spa, das dazu einlädt, sich irgendwo an die Sonne zu pflanzen und es sich gutgehen zu lassen, Zigarette hin oder her.

Und deshalb spriessen mit den steigenden Temperaturen nicht nur die Krokusse aus dem Boden, sondern auch die Aussensitzplätze der Berner Restaurants und Cafés. «Mir hei ume use gstuehlet», verkündete das Team das Restaurants des Pyrenées jüngst auf seiner Homepage. Und liegt damit im Trend: Wer den Sommerbetrieb nicht bereits aufgenommen hat, tut es mit Sicherheit in diesen Tagen, wie ein kleiner Streifzug durch Berns Gastrolandschaft zeigt.

Startschuss für die Schönwetterbetriebe

Schönwetterbetriebe, die die Wintermonate über geschlossen bleiben, um dann im Frühling wieder auf dem Markt mitzumischen, erwachen langsam aber sicher aus dem Winterschlaf. Bereits wieder geöffnet sind das Restaurant Rosengarten oder die Oase am Stadtrand, das Zehendermätteli. Das Restaurant Kleine Schanze ist ab 1. April wieder in Betrieb und das Café auf der Münsterplattform wird seine Tore im Laufe der nächsten Woche öffnen – «wenn das Wetter mitspielt», wie Sabine Halbig vom Betreiberrestaurant Ratskeller zur Auskunft gibt. Dem dürfte nichts im Weg stehen: Die Wetterprognosen fürs Wochenende sind ausserordentlich erfreulich.

Der Betrieb rund um das schmucke Pavillon auf der Münsterplattform liess die ersten warmen Frühlingstage nicht ganz freiwillig ungenutzt verstreichen. Der kalte Winter hatte seinen Tribut gefordert und zu einem Wasserrohrbruch geführt, der zuerst behoben werden musste.

Im Restaurant Dählhölzli kann sich der Gast das ganze Jahr über an die frische Luft setzen. Allerdings nur im Selbstbedienungsrestaurant. Bei schönem Wetter ist der spielplatzseitige Teil der Sitzplätze schon ab Sonntag wieder in Betrieb. «Und sonst bestimmt ab Ostern», so Wirt Ruedi Haller. «Unter 18 bis 20 Grad ist es den Leuten meist noch zu frisch.» Fast vis-à-vis des Tiergartens, im Restaurant Dampfzentrale, setzt man indes auf die Mündigkeit der Gäste: «Wer unbedingt draussen sitzen will, wird bei uns auch im Winter im Garten bedient», so Olivier Jaggi von der Dampfzentrale.

«Die Menschen sind sonnenhungrig»

Auch an der Front am Bärenplatz liess man sich von kalendarischen Tatsachen nicht verwirren und folgte ganz dem Kundenwunsch: Bereits im Februar hatte es das Restaurant Gfeller seinen Nachbarn und Konkurrenten gleichgetan und einige Tische an die Sonne gestellt. «Wenn nach einer längeren Schlechtwetterfront das Klima freundlicher wird, sind die Menschen sonnenhungrig», so Annerös Dölcü, Co-Chefin des Betriebs. «Da spielt es keine Rolle, ob es noch winterlich kühl ist oder nicht».

Sommer bis im Oktober

Für die Restaurants beginnt jetzt also die Zeit des «Wetterschmöckens»: «Das Wetter zu beobachten, gehört zu den täglichen Aufgaben. Sobald wir wissen, es wird ein schöner Tag, gilt es, die Tische und Stühle aufzustellen», so Dölcü. Nicht selten wächst ein Betrieb so um das Dreifache an. Und entsprechend steigt die Arbeitsbelastung aufs Team. Um diese Herausforderung abzufedern, setzen die meisten Betriebe auf Aushilfskräfte: Im Dählhölzli wächst die Belegschaft von 25 auf 50 Vollzeitstellen, in der Dampfzentrale steigert sich das Team von 6 auf 15. So lange, bis die Sommersaison zu Ende geht.

Glücklicherweise dauert der gastronomische Sommer länger als der strenge astronomische. Statt bereits am 23. September lassen die Betriebe die Sommersaison meist erst Ende Oktober ausklingen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.03.2012, 10:39 Uhr

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