Bern

«Das weiss ich auch noch nicht»

Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 25.10.2011 4 Kommentare

Die Berner FDP sackt von 15 auf 9 Prozent Wähleranteil ab und verliert zwei von vier Nationalratssitzen. Wie es mit der Partei wieder aufwärtsgehen soll, ist dem abgewählten Präsidenten Peter Flück ein Rätsel.

«Für mich als Oberländer ist es schwierig, in den Zentren zu punkten», sagt FDP-Präsident Peter Flück.

«Für mich als Oberländer ist es schwierig, in den Zentren zu punkten», sagt FDP-Präsident Peter Flück.
Bild: Adrian Moser

Peter Flück am schwarzen Wahlsonntag. (Bild: Keystone)

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Der Wahltag in Bern

Der Wahltag in Bern
Impressionen, Gewinner und Verlierer des Wahlsonntages.

Wie geht es Ihnen?
Eigentlich gut.

Im Ernst? Ihre Partei fiel am Sonntag ins Bodenlose und Sie persönlich wurden abgewählt.
Ich habe gelernt, dass man nicht immer zu den Siegern gehören kann.

Die FDP steckt seit Jahren nur Niederlagen ein.
Das zehrt schon an der Motivation. Wir waren uns aber bewusst, dass es keine leichte Übung wird.

Haben Sie erwartet, dass es so schlimm wird?
Nein, wird sind davon ausgegangen, dass wir höchstens einen Sitz verlieren.

Wann kommt die Trendwende?
Nach diesem Sonntag ist keine in Sicht.

Was haben Sie falsch gemacht?
Ich weiss nicht, was wir hätten besser machen können. In keinem anderen Kanton ist die Konkurrenz durch die BDP jedoch so gross wie in Bern. Vielleicht haben wir aber tatsächlich zu wenig Profil. Wir decken ein sehr breites Spektrum ab. Als wir noch eine grosse Partei waren, war dies weniger ein Problem. Jetzt müssen wir uns aber überlegen, ob wir uns nicht stärker auf wenige Themen fokussieren sollten.

Die Wahl von Christa Markwalder und Christian Wasserfallen zeigt jedoch, dass die Basis diese Breite schätzt. Wie gehen Sie damit um?
Das weiss ich auch noch nicht.

FDP-Ständerat Rolf Büttiker sagte am Sonntag, vielleicht entspreche der Niedergang einfach dem Laufe der Zeit. Denken Sie auch so?
Dem Laufe der Zeit entspricht auch, dass alle liberal sein wollen und dass eine gute KMU-Politik gefragt ist. Untersuchungen zeigen, dass die liberale FDP die beste KMU-Politik macht.

Trotzdem scheinen sich Wirtschaft und FDP gerade im Kanton Bern zunehmend zu entfremden.
Die Wirtschaftsverbände schiessen sich zunehmend auf einige Themen ein, und wenn man als Partei hier nicht mitmacht, wird einem die Unterstützung entzogen. Ich habe zum Beispiel gegen die Senkung der Mehrwertsteuer für das Gastgewerbe gestimmt und prompt strich mich Gastrobern von seinen Empfehlungen. Das gibt mir zu denken.

Was sagen Sie zum Resultat von Christian Wasserfallen bei den Ständeratswahlen?
Angesichts von zwei bürgerlichen Bisherigen und der fehlenden Unterstützung der Wirtschaftsverbände hat er ein akzeptables Resultat erzielt.

Er tritt nicht zum zweiten Wahlgang an. Mit Adrian Amstutz unterstützt die FDP nun einen Gegner der bilateralen Verträge.
Unsere Geschäftsleitung hat beschlossen, dass wir beide bürgerlichen Kandidaten unterstützen. Wir stehen für das bürgerliche Lager und sehen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.

Wie interpretieren Sie Ihr persönliches Wahlresultat?
Dass es nicht gereicht hat, hängt sicher mit meinem Bekanntheitsgrad zusammen. Christa Markwalder und Christian Wasserfallen konnten beide dieses Jahr einen Ständeratswahlkampf führen. Für mich als Oberländer ist es zusätzlich schwierig, in den Zentren zu punkten. Ich durfte jetzt ein Jahr im Nationalrat mitwirken. Dass dies nun vorbei ist, reut mich schon sehr.

Sie wollten sich in der Energiepolitik als Vermittler profilieren.
Offenbar traut man diese Rolle aber eher den Grünliberalen zu. Das heisst aber nicht, dass ich mich von meinem Weg abbringen lasse.

Sie haben doch eigentlich auch ein grünliberales Profil.
Das kann durchaus sein. Meine politische Heimat liegt aber in der FDP, für mich hat es nie etwas anderes gegeben.

Treten Sie jetzt als Parteipräsident zurück?
Nein, wenn es nach mir geht sicher nicht. Bereits bei meiner Wahl zum Präsidenten haben wir den Fokus auf die kantonalen Wahlen 2014 gelegt, weil wir wussten, dass es dieses Jahr nochmals schwierig wird. Jetzt ein Köpferollen zu veranstalten, bringt nichts.

Auch in der Stadt Bern hat die FDP massiv Wähler verloren.
Ja, es ist für die FDP nicht ohne, wenn es auch in den Zentren nicht mehr funktioniert. Das müssen wir jetzt sehr genau analysieren.

Die FDP ist hier unterdessen sogar schwächer als die SVP. Welche Auswirkungen hat das auf die Stadtwahlen im nächsten Jahr?
Das kann ich als Kantonalpräsident nicht sagen.

Können Sie sich eine gemeinsame Liste mit der SVP vorstellen?
Da mische ich mich nicht ein.

Der kantonalen Strategie würde dies klar widersprechen.
Ja, das ist so.

Als Gemeinderatskandidat kommt Christian Wasserfallen ins Spiel. Tritt er als Nationalrat zurück, könnten Sie wieder nachrutschen.
(Lacht.) Aus heutiger Sicht würde ich eher verzichten. Ich möchte nicht der ewige Nachrutscher sein.

Wagen Sie eine Prognose für die Bundesratswahl im Dezember?
Ich gehe davon aus, dass man sich an die Konkordanz halten wird.

Das bedeutet einen zweiten Sitz für die SVP und die Abwahl von Eveline Widmer-Schlumpf.
Ja, wir sollten bei dem System bleiben, das die Schweiz stark gemacht hat . . .

. . . und das der FDP den zweiten Sitz rettet.
Ja, wir hätten aber auch die Konsequenzen gezogen, wenn wir als drittstärkste Kraft verdrängt worden wären (Der Bund)

Erstellt: 25.10.2011, 10:37 Uhr

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4 Kommentare

Christian Kobel

25.10.2011, 11:42 Uhr
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Das ist ja schrecklich. Das Gespräch widerspiegelt 1:1 die Situation der Partei. Sie ist hoffnungslos, fantasielos, verkrustet. Sachlich mit absolut erstrebenswerten Zielen und Werthaltungen aber so unsensibel, dass sie nicht in der Lage ist, diese in Emotionen bei der potentiellen Wählerschaft um zu münzen. Antworten


Tom Beier

25.10.2011, 12:22 Uhr
Melden 2 Empfehlung 0

Für was steht die FDP? Ich kann mich nur erinnern, dass sie überall in den Verwaltungsräten dabei ist und sehr gut "vernetzt" ist. Aber eine Zukunftsvision? Keine Ahnung. Antworten



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