Bern

«Das Tempo ist wirklich ehrgeizig»

Von Lisa Stalder. Aktualisiert am 02.05.2012 2 Kommentare

Wieso die Tramachsen-Variante «Altstadt-Nord» obsiegte und wo die grössten Herausforderungen liegen: Verkehrsdirektorin Regula Rytz nimmt Stellung.

Die zweite Tramachse in der nördlichen Altstadt.

Die zweite Tramachse in der nördlichen Altstadt.
Bild: Bund-Grafik, kmh, san

«Auch auf dem Bahnhofplatz muss der Verkehr reduziert werden»: Regula Rytz.

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Zur Person

Regula Rytz (GB) sitzt im Berner Gemeinderat. Sie ist Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün. Im vergangenen Herbst wurde sie zudem in den Nationalrat gewählt.

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Frau Rytz, dass bei der Beurteilung die Variante «Altstadt-Nord» obsiegte, ist doch eher überraschend.
Das stimmt. Es wurde stets davon aus­gegangen, dass die zweite Tramachse beim Bundesplatz durchgeführt würde. Im Laufe der Zweckmässigkeitsstudie hat sich aber gezeigt, dass bei dieser Varian­te der Nutzen gar nicht so gross ist wie angenommen. Wenn wir die zwei starken Linien aus dem Norden direkt nach der Kornhausbrücke zum Bollwerk und zum Bahnhof lenken, können wir die Innenstadt viel besser entlasten.

Wo sehen Sie die grössten Vorteile?
Mit dieser Linienführung ist die Netz­redundanz am grössten. So ist es auch bei einem Störungsfall in den Hauptgassen möglich, Linien aus dem Süden durch die Innenstadt zu führen. Ein weiterer Vorteil ist die Entlastung des Kornhausplatzes. Weil während des Normalbetriebs keine Trams mehr über den Platz fahren würden, wäre unbeschwertes Flanieren möglich.

Es gibt auch Nachteile. Einer ist die Verkehrsreduktion beim Bollwerk. Rechnen Sie mit Widerstand?
Der Bereich Bollwerk-Speichergasse ist eine wichtige Erschliessungsachse und wird stark für Anlieferungen genutzt. Zudem verläuft die Zufahrt zum Metro-Parking über diese Gassen. Es ist eine grosse Herausforderung, dass die heutigen Bedürfnisse auch mit der zweiten Tramachse erfüllt werden können. Aus diesem Grund werden wir in Kürze eine verkehrsplanerische Studie starten, mit der Lösungen für genau diese Probleme gefunden werden sollen. Auch auf dem Bahnhofplatz muss der Verkehr reduziert werden.

Die zweite Tramachse dient vor allem der Entlastung und der Netzredundanz. Die Kapazität wird aber nicht gesteigert. Könnte das zum Problem werden, wenn es um die Verteilung der Bundesgelder geht?
Wir gehen davon aus, dass der Bund ein Interesse an der neuen Tramachse haben wird. Dies, weil der Verkehr in der Innenstadt sonst zu instabil würde. Das kann man heute bereits sehen, wenn ein Grossanlass stattfindet oder es zu einer Störung kommt. In solchen Fällen müssen wir jeweils viel Geld in Umleitungen investieren. Das könnte künftig verbessert werden. Ein grosser Vorteil ist zudem, dass mit der neuen Tramachse das Nadelöhr Hirschengraben entlastet werden könnte. Dadurch, dass die zweite Tramachse nicht nur durch die Innenstadt, sondern auch durch die Laupen­strasse direkt zum Kocherpark führt, kann die Kapazität ebenfalls gesteigert ­werden.

Auch die Bevölkerung wird sich zur zweiten Tramachse äussern können. Hat diese nach dem Tram Bern-West und dem Tram Region Bern nicht langsam genug von Trams?
Das Tempo ist wirklich ehrgeizig. Es wäre sicher von Vorteil gewesen, wenn wir zwei, drei Jahre lang einfach das Tram Bern-West hätten geniessen können. Allerdings gibt es zwei Drucksituationen, die uns dazu zwingen, ohne Pause weiterzuplanen. Das eine ist der enorme Verkehrszuwachs, der insbesondere auf der Linie 10 zwischen Köniz und Ostermundigen stark spürbar ist. ­Jener Linie also, welche über die zweite Tramachse geführt wird. Weiter ist ein grosser finanzieller Druck da. Um Bundesgelder zu erhalten, muss das Projekt zweite Tramachse noch in diesem Sommer eingereicht werden. Sonst wird das immer knapper werdende Bundesgeld in die ganze Schweiz verteilt – und wir gehen leer aus. (Der Bund)

Erstellt: 02.05.2012, 07:11 Uhr

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2 Kommentare

Ueli Bieri

02.05.2012, 17:50 Uhr
Melden 1 Empfehlung 0

Warum nicht auch ein ECHTES Projekt erarbeiten das die Trams zwischen Zytglogge und Bahnhof als U-Bahn und die Busse durch die Seitengassen führt. Wirklich zu teuer? Die Oberstadt wäre so für Fussgänger in Zukunft eine echte und attraktive Flanier- und Shoppingmeile. Mit dem vorgeschlagenen Konzept wird der Privatverkehr noch mehr abgewürgt und Nicht-öV-Kunden in die Center ausserhalb verbannt. Antworten


Lukas Hasler

02.05.2012, 10:31 Uhr
Melden

Warum die Trams überhaupt noch durch die Altstadt führen? Stattdessen könnte man auch einfach Wendeschlaufen bauen. Man wird bei der neuen Linienführung nämlich schneller sein, wenn man den Weg vom Kocherpark zum Kornhausplatz zu Fuss zurücklegt!
Der ÖV-Wahnsinn in Bern ist ohnehin sonderbar. Wozu gibt es Fahrräder?
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