Bern
Bus-Erschliessung des Lindenhofspitals wäre teuer
Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 30.01.2012
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Wer im Lindenhofspital einen Krankenbesuch machen will, hat als ÖV-Benützer seit dem Fahrplanwechsel im Dezember eine Alternative zum Länggass-Bus Nummer 12: das Postauto. Dieses fährt durch die Länggasse, fährt vor dem Waldrand rechts in die Bremgartenstrasse und hält an der neuen Haltestelle Lindenhof. Dann fährt es via Park and Ride Neufeld in Richtung Norden.
Besser als gar nichts, könnte man sagen, denn das «Poschi» fährt viertelstündlich. Es ist aber nicht das, was sich das Lindenhofspital seit je wünscht: den Anschluss ans städtische Busnetz.
Kurze, teure Verlängerung
Die Regionalkonferenz Bern Mittelland (RKBM) hat eine Studie ausarbeiten lassen, wie diese Anbindung erfolgen könnte. Die Idee ist naheliegend: Nicht nur das Postauto, auch der Bus Nummer 12 würde in der hinteren Länggasse nach rechts abbiegen. Doch was dann? Soll er auch noch am Gymnasium Neufeld vorbeifahren und vor dem Park and Ride Neufeld wenden, wie das der 11er-Bus seit Jahren tut? Oder soll der verlängerte 12er-Bus nur bis zum Spital fahren und dort wenden? Aber wo? Am Strassenrand oder direkt auf dem Vorplatz?
Machbar ist alles, und die vom Büro B+S AG erstellte Studie listet ganze acht Varianten auf, wie diese Anbindung realisierbar wäre. Alle haben ihre Tücken. Wenn ein Bus auf dem Vorplatz steht, ist dies eine Behinderung, etwa für Ambulanzen, die zum Notfall fahren müssen, für sonstige Zulieferer und zirkulierende Personen. Bauliche Veränderungen auf dem Platz wären nötig. Zudem müssten eigentlich an einer Endhaltestelle zwei Fahrzeuge Platz haben.
Wendeschlaufe vor Spital?
Unter dem Platz vor dem Lindenhofspital befindet sich eine Einstellhalle, von der in der jetzigen Brainstorming-Phase noch nicht bekannt ist, ob sie derart schwere Fahrzeuge auf ihrer Betondecke überhaupt vertrüge. Würde man die Wendeschlaufe auf der Waldseite erstellen, ist keineswegs klar, ob es dafür eine Rodungsbewilligung gäbe. Weiterer Nachteil: Die Fahrgäste müssten die viel befahrene Strasse überqueren, um dann in einem ungemütlichen Wartehäuschen am Waldrand zu warten.
Bleibt die Variante, die Buslinie bis zum Park and Ride zu ziehen. Das Erstellen der Fahrleitung für einen Trolleybus ist teuer, was man nicht erst seit der Verlängerung der Trolleybuslinie 12 zum Zentrum Paul Klee weiss. Käme eine weitere Verlängerung in der Länggasse hinzu, müssten laut Marco Rupp, Fachbereichsleiter Verkehr der RKBM, zwei zusätzliche Fahrzeuge auf der Linie zirkulieren, was spürbar höhere Kosten verursachte. Etwa 600 Personen würden den Bus bis zum Lindenhof benützen, aber nur eine geringe Anzahl würde mit ihm von der Länggasse zum Parking Neufeld fahren. Wer vom Zentrum aus dorthin fahren will, ist mit dem 11er-Bus ohnehin schneller. Dieser wurde seinerzeit um wenige Hundert Meter bis zur P+R-Anlage verlängert.
Drei Varianten bleiben im Spiel
Die Projektverfasser regen an, drei Varianten abzuklären: eine Endhaltestelle auf dem Spitalareal bei der Notaufnahme (Variante 6), eine Endhaltestelle an der Bremgartenstrasse (Variante 5) und die Verlängerung der 12er-Linie bis zum Parking Neufeld (Variante 7). Letztere verursacht laut Studie «die höchsten Betriebskosten und weist zugleich bei geringem zusätzlichem Fahrgastpotenzial ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis auf». Es gibt noch viel zu diskutieren.
Die Kommission Verkehr der RKBM hat den Schlussbericht am 19. Januar zustimmend zur Kenntnis genommen. Nun ist die Öffentlichkeit am Zug: Sie kann bis zum 27. April 2012 in einer Mitwirkung sagen, was sie von den Vorschlägen hält. Dann wird die RKBM «in enger Mitsprache mit der Stadt Bern» dem Kanton die entsprechenden Anträge stellen. Er ist es ja, der den öffentlichen Verkehr bestellt, Linien eröffnet oder schliesst und Leistungsaufträge an Bus- oder Bahngesellschaften vergibt.
Lindenhof per Buschweg
Erfolglose Anläufe für eine Buserschliessung bestehen seit dem Lindenhof-Neubau 1966. Das Stimmvolk lehnte 1992 eine Buslinie von Niederwangen ins Neufeld ab. Wie das jetzige Projekt vorankommt, wird sich weisen. Vorerst bleiben dem Spitalbesucher zwei Varianten: mit dem Bus Nr. 12 in die Länggasse und über das schmale Weglein «hintenherum» zum Spital oder ab Postauto-Plattform bis zur Haltestelle Lindenhof. Eine Alternative steht nicht in der Studie: Jede gehbehinderte Person bekommt für die Dauer der Behandlung im Lindenhof ein vergünstigtes Taxiabonnement.
Studie auf: www.bernmittelland.ch. (Der Bund)
Erstellt: 30.01.2012, 07:25 Uhr
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