Bern
Brücke vor dem Bundeshaus freigelegt
Von Simon Wälti. Aktualisiert am 25.03.2012
Die Brücke stammt aus dem 13. Jahrhundert. (Bild: Thomas Reufer)
Wenn in der Berner Altstadt der Bagger das Pflaster aufreisst, sind die Archäologen wie auf Nadeln. Denn wo immer im Unesco-Weltkulturerbe ein Loch im Boden klafft, öffnet sich ein Fenster in die Vergangenheit. Berns Fundamente stehen auf Fundamenten verschwundener Bauwerke.
Vor dem Haupteingang des Bundeshauses haben Bauarbeiter nun einen Rundbogen aus Sandsteinblöcken freigelegt. Es handelt sich um die Reste einer alten Brücke, die über den Stadtgraben führte, wie Armand Baeriswyl vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern sagte. Der Bundesplatz bedeckt diesen ehemaligen Graben, der fünfzehn bis zwanzig Meter breit war. Baeriswyl bestätigte damit eine Meldung des Berner Lokalradios Capital FM.
Brücke in gutem Zustand
«Wir haben vermutet, dass dort eine Brücke war, aber wir wussten nicht, ob sie noch erhalten ist», sagte Kantonsarchäologe Daniel Gutscher. Dass der Brückenbogen sich in einem so guten Zustand befinden würde, habe man nicht annehmen können. Nicht selten wurde Material von nicht mehr benötigten Bauwerken weiterverwendet.
Die Brücke stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert. Sie führte laut Baeriswyl zu einem von zwei Nebentoren der Berner Stadtmauer. Das andere Nebentor befand sich dort, wo heute die Zeughausgasse auf den Waisenhausplatz stösst. Das Haupttor bildete der Käfigturm. Im 13. Jahrhundert verlief die Stadtmauer vom heutigen Waisenhaus- über den Bären- zum Bundesplatz, der Mauer war ein Graben vorgelagert. Mitte des 14. Jahrhunderts erfolgte eine Stadterweiterung in Richtung Westen bis zum Christoffelturm, der später abgerissen wurde. Während Jahrhunderten wurden in einem nicht zugeschütteten Teil des Stadtgrabens beim Käfigturm Bären gehalten. Es handelte sich um den ersten Bärengraben Berns.
Kein Schaufenster geplant
Reste der früheren Stadtmauer und der Grabenmauer fand man im Jahr 2004, als der Bundesplatz umgestaltet wurde. Das Bundeshausareal ist ein äusserst geschichtsträchtiger Ort: Beim Ostflügel befand sich früher ein jüdischer Friedhof, an den eine Informationstafel erinnert. In diesem Bereich befand sich auch das frühere Inselkloster.
Vor dem Bundeshaus werden derzeit Bauarbeiten für das neue Kommunikationsnetz der Bundesverwaltung ausgeführt. Am Montag wollen laut Baeriswyl Vertreter des Bundes und Archäologen über das weitere Vorgehen sprechen. Er hält es für unwahrscheinlich, dass die Brückenreste der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Solche archäologische Vitrinen anzulegen, sei nicht leicht. (Der Bund)
Erstellt: 25.03.2012, 17:01 Uhr
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