Bern
Bernische Pensionskasse befürchtet Austrittswelle
Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 22.06.2011
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Vor einem Jahr hat das Inselspital die Bernische Pensionskasse (BPK) mit ihrer Austrittsdrohung aufgeschreckt. Im Gegensatz zur Kantonsverwaltung kann das Spital die Vorsorgeeinrichtung für sein Personal frei wählen. Würde die Insel mit ihren 6400 Versicherten aus der öffentlich-rechtlichen Kasse austreten, ginge dieser rund ein Fünftel ihres Kapitals verloren. Mühe bereitet dem Inselspital vor allem das «starre und teure» Vorsorgesystem der BPK, die nach dem Leistungsprimat geführt wird. Die Renten werden hier im Verhältnis zum versicherten Lohn berechnet.
Unterdessen haben weitere der 150 angeschlossenen Betriebe mit Austritt gedroht. Grund genug für die BPK, ihre gestrige Delegiertenversammlung ganz diesem Problem zu widmen. «Die Kasse hat alles Interesse, die angeschlossenen Betriebe zu halten», sagte Pensionskassenexperte Martin Schnider. Neben dem Kantonspersonal sind 13'000 Mitarbeiter verwaltungsnaher Betriebe wie der Insel bei der BPK versichert, was 40 Prozent des Bestands entspricht. Je mehr austreten, desto stärker würde die Risikofähigkeit der Kasse leiden.
«Wir werden alles unternehmen, um die angeschlossenen Betriebe von einem Austritt abzuhalten», sagte Bernhard Pulver, der im Regierungsrat das Dossier betreut, gestern an der Versammlung. Um dies zu unterstützen, verabschiedeten die Delegierten eine Resolution, worin sie von der Regierung Massnahmen fordern, um Austritte abzuwenden. Bereits eingereicht hat die BPK zudem einen Antrag um vorzeitige Umstellung der angeschlossenen Betriebe auf das Beitragsprimat. Dabei wäre nicht mehr der versicherte Lohn, sondern die einbezahlten Beiträge für die Renten massgeblich. Ob die beiden öffentlich-rechtlichen Kassen (BPK und Lehrerversicherungskasse) in den nächsten Jahren ganz auf das Beitragsprimat umstellen, wird im Projekt «Futura» derzeit geprüft.
Dem Inselspital eilt es nicht mehr
Der Insel eilt es mit dem Austritt aber unterdessen gar nicht mehr so, wie Gerold Bolinger, Direktor Dienste, gegenüber dem «Bund» bestätigt. Dies, obschon er «zahlreiche lukrative Angebote» anderer Kassen erhalten habe. Das Inselspital tut sicher gut daran, nicht überstürzt zu handeln. Würde es jetzt austreten, könnte es aufgrund der Unterdeckung der BPK nur 88 Prozent des nötigen Kapitals mitnehmen. Dies kann eigentlich nur besser werden. Entscheidet sich der Kanton für einen Primatwechsel, so wird er die heutigen Ansprüche der Versicherten zumindest teilweise finanziell ausgleichen müssen. Bleibt er beim Leistungsprimat, so muss er die Kasse entweder sanieren oder eine Staatsgarantie einführen. In jedem Fall wäre dann ein Kassenwechsel für die angeschlossenen Betriebe vorteilhafter. «Wir sehen der Entwicklung relativ gelassen entgegen», sagt Bolinger. Weniger gelassen sieht die BPK in die Zukunft. Die Austrittswelle dürfte sich zwar verzögern, droht aber weiterhin. (Der Bund)
Erstellt: 22.06.2011, 08:20 Uhr
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