Berner stehen für Rekord-Jackpot Schlange

Berner Kiosk-Angestellte werden förmlich von Lottospielern überrannt – und müssen Neulingen oft erst einmal die Spielregeln erklären.

Der Rekord-Jackpot lockt auch unerfahrene Spieler an den Kiosk.

Der Rekord-Jackpot lockt auch unerfahrene Spieler an den Kiosk. Bild: Adrian Moser

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Vor dem Kiosk am Waisenhausplatz stehen sechs Leute Schlange. Eine junge Frau legt ihren Lottoschein auf den Tresen. Die Verkäuferin mustert die Kreuzchen auf dem Zettel. «Sie haben hier eine Zahl zu viel markiert», sagt sie und deutet mit dem Kugelschreiber auf die Zeile des Papiers, die nicht korrekt ausgefüllt ist. «Das müssen wir wieder wegstreichen.» Die Frau nickt. Ein Mann in der Schlange verschränkt ungeduldig die Arme.

Als sich der Andrang wieder etwas gelegt hat, seufzt die Kiosk-Mitarbeiterin. Jeder zweite Kunde kaufe in diesen Tagen einen Lottoschein, sagt sie. Ein Grossteil wisse nicht einmal, wie man ihn richtig ausfüllt. «Viele, die sonst nie spielen, versuchen jetzt ihr Glück», sagt die Verkäuferin. Zahlreiche Kunden setzten zudem mehr Geld als gewöhnlich ein. Ein Kollege habe ihr erzählt, dass ein Berner Kunde kürzlich Lottoscheine für sechstausend Franken gekauft hätte.

Der erhöhte Ansturm führe bei ihr und allen Mitarbeitern zu mehr Stress. Man hoffe deshalb, dass der Jackpot am Mittwoch endlich geknackt wird: «Wenn der Gewinn derart hoch ist, ist es für das Personal hier nicht mehr so lustig», sagt sie. Jedem zweiten Kunden die Lotto-Spielregeln zu erklären und nebenbei noch den normalen Verkaufsbetrieb zu stemmen, sei sehr viel verlangt. Dann begrüsst sie freundlich den nächsten Kunden und steckt einen weiteren Lottoschein in den Scanner. Der Einsatz: zwanzig Franken.

Ungewöhnlich lange Pechsträhne

Auch bei Swisslos würde man sich freuen, wenn es am Mittwoch einen glücklichen Gewinner gäbe, sagt Mediensprecher Willy Mesmer auf Anfrage Der Jackpot von 64,3 Millionen Franken sei der höchste Hauptgewinn in der Geschichte von Swiss Lotto. Seit Juli 2016 habe kein Spieler mehr einen Haupttreffer landen können. So eine lange Pechsträhne ist laut Mesmer sehr ungewöhnlich.

Bei der letzten Ziehung am Samstag seien 1,4 Millionen Scheine bei Swisslos eingegangen. Dies entspreche der achtfachen Menge eines normalen Spieltags. Über den starken Zuwachs an Glücksspielern wundert sich Mesmer nicht: «Je höher der Gewinn desto mehr Menschen versuchen ihr Glück.»

«Die Hoffnung stirbt zuletzt»

«Einisch?», fragt die Verkäuferin des Kiosks am Waisenhausplatz. «150 Franken», sagt der Mann im schwarzen Parka. Der Einsatz für eine Ziehung kostet fünf Franken. Er spiele seit dreissig Jahren Lotto, erzählt der Mann. Kleinere Beträge zwischen 10 und 15'000 Franken habe er schon einige Male gewonnen. Wie jeder andere Glücksspieler spekuliere er jedoch auch auf den Hauptgewinn.

«Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Nur wenn du spielst, hast du die Chance zu gewinnen», sagt er. Lotto-Spielen gebe ihm einen «Kick». Ideen, wofür er die 64 Millionen Franken brauchen würde habe er viele. «Wenn du so viel Geld hast, kannst du vielen lieben Menschen etwas Gutes tun. Dafür lohnt sich das Risiko.»

Bei etwa 1 zu 31 Millionen liegt laut Willy Mesmer von Swisslos die Wahrscheinlichkeit, morgen auf die richtige Zahlenkombination zu setzen. Tipps zum Erhöhen der Chance könne er keine geben. Es gebe jedoch Strategien, von denen er dringend abrate: «Ich empfehle den Leuten, keine Muster zu tippen und nicht die Zahlen ihres Geburtstags anzukreuzen.» Man müsse damit rechnen, dass andere Menschen sich dieselbe Überlegung machten. Dann müsse man sich seinen Gewinn im Glücksfall mit anderen Menschen teilen, so Mesmer.

Gewinn rasch wieder verspielt

Auch der Besitzer des Rabia-Kiosks im Spitalacker muss dieser Tage des Öfteren als Lotterie-Experte auftreten, wie er erzählt. Vom Teenager bis zum Rentner kauften zurzeit alle die rosaroten Glücksspiel-Lose. Ahnung hätten die wenigsten. Mit einem Fünf-Rappen-Stück kratzt ein Mann gerade ein Kleeblatt auf einem Rubbellos frei.

Lotto spiele er auch, seit nun mehr dreissig Jahren, erzählt der 60-Jährige. Vor einigen Jahren habe er einmal sechs Richtige gehabt und 232'000 Franken gewonnen. Einen Teil des Geldes habe er seiner Familie gegeben. Den Rest habe er jedoch schnell wieder verspielt. Mit seinem diesjährigen Gewinn von 120'000 Franken sei es ihm genauso gegangen. «Das macht süchtiger, als ins Casino zu gehen», sagt der Mehrfachgewinner. (Der Bund)

Erstellt: 13.12.2016, 06:58 Uhr

Der Jackpot würde Millionen in die Stadtkasse spülen

Nicht nur die Lottospieler, sondern auch die Berner Finanzbehörden schauen gespannt auf die Ziehung der Lottozahlen vom Mittwoch. Knackt eine in der Stadt Bern wohnhafte Person den übervollen Jackpot, hat auch die Steuerverwaltung allen Grund zum Jubeln. Denn zehn Prozent des Rekordbetrages von 64,3 Millionen Franken würden direkt in die Gemeindekasse fliessen. Weitere zehn Prozent gingen an den Kanton, weitere Beiträge an Bund und Kirchen. «Die sechs Millionen Franken würden wir natürlich gerne verbuchen. Wir hoffen, dass ein Berner gewinnt», sagt Moritz Jäggi, Leiter der Steuerverwaltung der Stadt Bern.

Ob mit dem Gewinn die Steuern gesenkt oder ein marodes Schulhaus saniert würde, kann Jäggi nicht sagen: «Das ist Sache der Politik.» In den vergangen Jahren sei es mehrmals vorgekommen, dass Berner im Lotto grössere Beträge gewonnen hätten. «Das spülte nicht Millionen, aber immerhin einige Zehntausend Franken in die Stadtkasse», sagt Jäggi.

Über 20 Millionen Steuern

So oder so: Wer den Jackpot am Mittwoch knackt, muss maximal 35 Prozent seines Gewinnes den Steuerbehörden abliefern. Bei einem Gewinnbetrag von 64 Millionen Franken könnte der Glückliche also über 40 Millionen für sich behalten – und müsste maximal 22,5 Millionen Franken an den Fiskus abliefern. Dies ist in den Kantonen übrigens recht unterschiedlich geregelt. Im Kanton Bern werden Lotteriegewinne mit einer Sondersteuer erfasst.

Die meisten anderen Kantone zählen Lottogelder einfach zum steuerbaren Vermögen. Zu beachten ist weiter: Geldgewinne im Betrag von über 1000 Franken aus Lotterien, die im Inland durchgeführt werden, unterliegen der Verrechnungssteuer von 35 Prozent. Den Lotterien gleichgestellt sind gewerbsmässige Wetten und lotterieähnliche Veranstaltungen wie etwa Gewinne aus Zahlen-Lotto, Sport-Toto, Toto-X oder Wetten. Auch Pferderennen gehören dazu.

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