Berner Polizisten kritisieren Kommandanten

«Zu lax»: Berner Polizisten üben Kritik an der Haltung des Kommandos gegenüber den Gewalttätern aus der Reitschule.

Am Samstag vor einer Woche kam es zu Auseinandersetzungen vor der Reitschule.

Am Samstag vor einer Woche kam es zu Auseinandersetzungen vor der Reitschule. Bild: Keystone

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«Man hat es einmal mehr verpasst, die Reithalle zwecks Beweissicherung zu betreten. Dies wohlverstanden bei Tatbeständen wie Landfriedensbruch und Gefährdung des Lebens». Dies sagt einer der Polizisten, welche am Samstag vor einer Woche bei den Zusammenstössen vor der Reitschule im Einsatz waren in der «Sonntagszeitung».

Der anonym zitierte Polizist kritisiert seinen Vorgesetzten, den Kommandanten der Kantonspolizei Bern, Stefan Blättler. Seitens des Kommandos stelle er die Unterstützung in Frage, so der Polizist weiter. Er wirft Blättler vor, dass die Polizei an diesem Abend nicht von Anfang an mehr Leute aufgeboten habe, «obwohl man mit solchen Ausschreitungen rechnen musste».

Ein weiterer, ebenfalls anonymer, Polizist kritisiert «die laxe Haltung des Berner Kommandos». Er habe den Eindruck, man mache zugunsten eines Teilfriedens zu viele Zugeständnisse und setze so die Gesundheit der eigenen Leute aufs Spiel.

«Können Rahmenbedingungen nicht ändern»

In einer Stellungnahme gegenüber der Sonntagszeitung schreibt Blättler, die Ereignisse vom Samstag hätten sich «so nicht angekündigt». Ein grösseres Aufgebot ist für Blättler keine Lösung: Bei solchen Grossaufgeboten bleibe es verhältnissmässig ruhig und die Polizei müsse sich den Vorwurf gefallen lassen, überreagiert zu haben.

Auch die Forderung, die Polizei solle in die Reitschule eindrigen dürfen, hält Blättler für falsch: «In diesem Fall hätte es vermutlich massive Ausschreitungen und weitere Verletzte bei Polizisten und den Besuchern gegeben».

Die Schuld für die Situation sieht der Polizeikommandat bei der Politik: «Ich persönlich habe mehrere Male darauf hingewiesen, dass die Situation unhaltbar ist. Wir können die Rahmenbedingungen aber nicht ändern.»

Am vergangenen Wochenende kam es in der Nähe der Reitschule zweimal zu Krawallen zwischen Linksautonomen und Polizeikräften. Nachdem das Aufeinandertreffen von Polizei und Vermummten in der Nacht auf Samstag einigermassen folgenlos verlaufen war, war die Auseinandersetzung in der Nacht auf Sonntag heftig: Elf Einsatzkräfte wurden verletzt. Diese stehen mittlerweile wieder im Dienst.

(zec)

(Erstellt: 13.03.2016, 11:00 Uhr)

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