Bern

Berner Läden leiden unter schwachem Euro

Von Simon Jäggi. Aktualisiert am 17.08.2011 1 Kommentar

Bern ist kein Grenzkanton – aber den starken Franken spürt der Detailhandel auch hier. Geschäfte klagen über sinkende Umsätze, weil die Kunden vermehrt im Netz oder im Ausland einkaufen.

Die Umsatzzahlen tauchen: Daniel Schmid, Geschäftsführer von Tauchsport Käser, hat daher die «Euro-Woche» ausgerufen.

Die Umsatzzahlen tauchen: Daniel Schmid, Geschäftsführer von Tauchsport Käser, hat daher die «Euro-Woche» ausgerufen.
Bild: Valérie Chételat

«Wir haben reagieren müssen», sagt Daniel Schmid, Geschäftsführer von Käser Tauchsport, der sich neben den Vidmarhallen im Liebefeld befindet. Am Montagmittag ist darum im geräumigen Neubau, den der Tauchladen erst im letzten Jahr bezogen hat, die «Euro-Woche» ausgerufen worden. Bis zum Wochenende gibt es im Laden und im Onlineshop einen Pauschalrabatt von 13 Prozent auf das gesamte Sortiment.

Der älteste Tauchladen der Schweiz hat geschäftlich bisher einen Sommer erlebt, der dem Wetter ähnelt: durchzogen. «Im Vergleich zum Vorjahr haben wir bestimmt weniger Umsatz gemacht», sagt Geschäftsführer Schmid, ohne Zahlen nennen zu wollen.

Deutsche Onlineshops als starke Konkurrenz

Dass dies aber alleine am nassen Juli liegt, glaubt er nicht, sondern viel eher am tauchenden Eurokurs. Bestimmt sei dadurch der eine oder andere Kunde ins Internet abgewandert. Schon so seien etwa deutsche Onlineshops eine starke Konkurrenz. Dass Unterwasserfreunde zu Tauchläden ins nahe Ausland fahren, glaubt Schmid eher weniger – bei einzelnem Zubehör lohne sich das kaum. Dass die Kunden im Netz gekauft haben, bekommt Schmid mit, wenn diese für Hilfe oder Reparaturen ins Geschäft kommen. Es kommt zuweilen auch vor, dass sich Interessenten in seinem Laden ausführlich beraten lassen – um die Ware dann im Web zu bestellen.

Jammern wolle er nicht, betont Schmid. Aber der Druck zu handeln ist offenbar nicht unerheblich: Der Aufwand, alle Preise herunterzuschreiben und den Onlineshop anzupassen, sei gross, räumt er ein. Möglich seien die Preissenkungen auch geworden, weil einige der Importeure ihrerseits soeben die Preise gesenkt hätten. «Wir wollen die tieferen Einkaufspreise an die Kunden weitergeben.» Bei anderen Artikeln, bei denen die Importeure die Währungsgewinne einstreichen, wird dafür die Marge des Geschäfts kleiner. Aber anders als die Grossverteiler mag Schmid die Zwischenhändler nicht anprangern: «Sie haben gemerkt, dass sie den Schweizer Markt jetzt schützen müssen.»

Weniger los ist auch bei Bächli Bergsport im Breitenrainquartier: «In letzter Zeit ist es schon sehr ruhig geworden», gibt Regina von Grünigen zu, die stellvertretende Geschäftsleiterin. Der Juli ist neben dem Dezember gewöhnlich der umsatzstärkste Monat im Fachgeschäft für Bergsteiger, Skitouren-Fahrer und andere Outdoor-Begeisterte. In den letzten zwei Monaten seien die Zahlen schlechter gewesen als in früheren Jahren – das Wetter könne aber ebenfalls einen Einfluss gehabt haben, glaubt von Grünigen. Auch in der Outdoor-Branche reagieren die Hersteller: So werden etwa Artikel von Mammut ab dieser Woche billiger. Wo die Kunden sonst ihre Ware beziehen, sei schwierig abzuschätzen. «Onlineshops sind bestimmt die schärfsten Konkurrenten.»

Verständnis für die Importeure

Wer sich ein Elektrobike anschaffen will, für den lohnt sich derzeit auch die Reise ins Ausland. Ein Flyer der Huttwiler Firma Biketec ist bei einem deutschen Velohändler über tausend Franken günstiger, wie das Schweizer Fernsehen kürzlich ausrechnete. Das spüren zurzeit nicht nur die Geschäfte in grenznahen Gebieten, sondern auch in Bern: etwa der Elektrobike-Spezialist Kocher Bike in Bümpliz. «Letztes Jahr lief es besser», sagt René Kocher – und dies, obwohl der Markt boomt. Hauptverlierer der Flyer-Kunden-Flucht sind aber nicht nur die Schweizer Händler, sondern auch der Hersteller selber, dessen Marge in Deutschland im Sommer zusammengeschmolzen ist. Ab Oktober beginnt in der Velobranche das neue Geschäftsjahr – und mit den neuen Modellen soll auch eine Beruhigung der Situation kommen: Im Ausland werden die Preise um mehrere Hundert Euro steigen, wie Biketec-CEO Kurt Schär kürzlich ankündete. Und der Berner Velohändler Kocher kann auch Velos von ausländischen Herstellern günstiger verkaufen, da die Importeure die Preise senken wollen. Dass sie dies bisher nicht getan haben, verübelt Kocher den Zwischenhändlern nicht: «Sie haben die Velos im letzten Herbst zum damaligen Eurokurs eingekauft.» Steige der Kurs, würden die Preise übers Jahr ja auch nicht erhöht.

Es gibt auch die Zufriedenen

Hört man sich unter Berner Detailhändlern um, gibt es auch solche, die mit dem starken Franken gut leben können. Zum Beispiel der Laden Studio Sounds, der sich am Berner Waisenhausplatz befindet und Equipment für Musikaufnahmen verkauft. «Wir spüren nur, dass die Lieferanten die Preise reduzieren», sagt Patrick Balsiger. Den Kunden könnten daher günstigere Preise angeboten werden. Der Musikproduktionsmarkt sei ohnehin seit Jahren stark umkämpft wegen der Onlineshops. «Wer zu uns kommt, tut das wegen der Beratung und des Services – daran ändert der Eurokurs nichts.»

Ähnlich klingt es bei Letec an der Kramgasse, einer Filiale des nationalen Apple-Shops – obwohl Apple die Währungsgewinne bislang nicht an die Schweizer Geschäfte weitergibt. «Wir haben viele Stammkunden – die fahren nicht wegen zweihundert Franken nach Lörrach», sagt Markus Zimmermann. Das Eurokurs-Thema kommt aber auch in seinem Laden in letzter Zeit häufig auf. Zimmermann erinnert dabei stets auch an das höhere Lohnniveau in der Schweiz. «Wären die Leute, die wegen ein paar Fränkli im Ausland einkaufen gehen, auch bereit, zu einem Eurolohn zu arbeiten?», fragt Zimmermann rhetorisch. Und Tauchladen-Geschäftsführer Schmid bemerkt: «Die Leute müssen sich bewusst sein, was das für Konsequenzen hat.» (Der Bund)

Erstellt: 17.08.2011, 06:50 Uhr

1

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

1 Kommentar

Christian Herzog

28.10.2011, 09:13 Uhr
Melden

Immer die gleiche Abzockermasche des Detailhandels: Wieviel Lohn in Schweizerfranken wird bitte schön den Arbeitern in China, die das IPhone's bauen, bezahlt? Antworten




Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.