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Berner Hotelszene: Nur Grosse oder Vernetzte überleben

Von Martin Zimmermann. Aktualisiert am 20.04.2012 5 Kommentare

«Jenseits von Gut und Böse»: Nicht nur das bald schliessende Hotel Continental leidet unter hohen Mieten.

Der Mietzins ist zu hoch: Das Hotel Continental schliesst seine Tore.

Der Mietzins ist zu hoch: Das Hotel Continental schliesst seine Tore.
Bild: Valérie Chételat

Der Tourismus-Standort Bern kann mit einer prächtigen architektonischen Kulisse aufwarten. Dieser Vorteil kann sich aber für Hotellerie-Betriebe auch als Nachteil erweisen: Viele Altbauten, in denen die Gasthäuser untergebracht sind, sind sanierungsbedürftig – Renovationen sind jedoch teuer und sorgen oft für Mietzinsaufschläge. Für das Hotel Continental an der Zeughausgasse war dieser Aufschlag zu hoch: Es schliesst im Herbst seine Tore, wie Besitzer Dominic Zuber ankündigte.

Angesichts der hohen Kosten sei es für Einzelunternehmen generell zunehmend schwierig, in der Bundesstadt einen Hotelbetrieb zu führen, monierte Zuber. Man müsse schon Teil eines grösseren Unternehmens sein, um überhaupt noch bestehen zu können.

«Jenseits von Gut und Böse»

Einer, der diese Ansicht teilt, ist Alexander Zwingli. Der neue Geschäftsführer des Hotel Belle Epoque an der Gerechtigkeitsgasse benutzt gegenüber dem «Bund» deutliche Worte: «Die Mietzinsen in dieser Stadt sind jenseits von Gut und Böse», sagt er. «Die Behörden unterstützen die Gastro- und Hotellerie-Betriebe überhaupt nicht.» Stattdessen würde die Stadt die Situation mit immer neuen Auflagen und Abgaben zusätzlich verschärfen. Die Konsequenz davon, so Zwingli: Entweder man arbeite als Gastwirt bis zu 18 Stunden am Tag – oder der Betrieb gehe ein.

Oder er wird verkauft: Das Belle Epoque – bis November letzten Jahres noch im Besitz des Berner Zahnarzts Philippe Ledermann und seiner Frau Marina Puigventós – gehört heute der BE Hotel Management AG. Die Aktiengesellschaft wurde von den Luzerner Unternehmern Eva und Oliver Happel Ebstein gegründet. Das Ehepaar ist gemäss der Firmen-Plattform Moneyhouse primär in der Finanz- und Beratungsbranche tätig. Das Engagement im Viersternhotel scheint der Ausflug in die Hotellerie der beiden Luzerner zu sein.

Für den 9. Juni ist die Neueröffnung des Belle Epoque geplant. Grosse Veränderungen sind trotz des Besitzerwechsels nicht zu erwarten: Man setzte weiterhin auf den Charme des Jugendstil-Gebäudes, wie Geschäftsführer Zwingli erläutert. Ein «junger Starkoch» aus Deutschland soll zudem kulinarisch interessierte Gäste anlocken.

Tourismusdirektor schweigt

Ein weiteres, prominentes Beispiel untermauert die These, unabhängige Gasthäuser hätten es in Bern immer schwieriger: das Hotel Schweizerhof. Seit 2008 befindet es sich in der Hand der Barwa Company aus dem Golfstaat Katar. Stimmt also der Eindruck? Werden Berns Hotels entweder von finanzkräftigen Investoren aufgekauft, oder müssen sie andernfalls zumachen?

Markus Lergier, Direktor der Stadtberner Tourismus-Organisation Bern Tourismus, möchte sich auf Anfrage nicht dazu äussern. Andernorts ist man auskunftsfreudiger – und mag nicht den Teufel an die Wand malen: «Man kann in der Stadt Bern sehr wohl ein eigenständiges Hotel führen», sagt Beatrice Imboden, Direktorin des Hotels Bären & Bristol an der Schauplatzgasse und Präsidentin des Verbands Hotellerie Bern und Mittelland.

Zentral sei dafür aber eine international gute Vernetzung via Online-Buchungsportale. Der Bären & Bristol selbst ist Mitglied der Best-Western-Gruppe, der weltweit 4000 Hotels angehören. Die Kunden müssten wissen, dass man überhaupt existiere, so Imboden. Ein Internetauftritt alleine reiche dazu nicht mehr aus: «Kaum jemand sucht heute noch nach einzelnen Hotels im Internet.»

Ohne Internet-Portal gehts nicht

Jost Troxler, Betreiber des Goldenen Schlüssels in der Rathausgasse – das Hotel wurde 2008 total saniert –, schätzt die Situation ähnlich ein: «Nach dem Abschluss der Arbeiten stiegen die Mietzinsen massiv an», sagt Troxler dem «Bund». «Aber andererseits konnten wir den Leuten ein brandneues Hotel anbieten.» Diese Anstrengungen hätten die Gäste enorm geschätzt; so sei ein treuer Kundenstamm herangewachsen. Um überhaupt mal Bekanntheit zu erlangen, sei man allerdings auf die grossen Internet-Portale angewiesen, fügt Troxler hinzu: «70 Prozent der Buchungen erfolgen bereits über die Portale und unsere Website. Ohne diese Mittel wären wir weg vom Fenster.» (Der Bund)

Erstellt: 20.04.2012, 09:35 Uhr

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5 Kommentare

samuel scherrer

20.04.2012, 10:53 Uhr
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Wie kann es sein, dass sich Bern Tourismus dazu nicht äussern will? Wofür sind diese Leute denn da? Es geht hier um Schlüsselfragen der touristischen Infrastruktur - wer dazu keine Meinung hat, ist als Tourismusdirektor im falschen Job. Antworten


Szabolcs Mihalyi

20.04.2012, 11:28 Uhr
Melden 5 Empfehlung 0

Als unsere Eltern vor Jahrzenhten aus Ungarn in die Schweiz flüchteten, wohnten wir die ersten Tage in diesem Hotel. Ich erinnere mich, wie meine Schwester und ich (4 und 6 Jahre alt) beim Frühstück fasziniert die Fähnchen auf dem Würfelzucker verglichen (es waren insgesamt 26). Antworten



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