Bern
«Bern entwickelt sich einseitig zu einer Wohnstadt»
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Kleinunternehmer würden in Bern stiefmütterlich behandelt; Gewerbler seien unzufrieden und würden zum Teil gar aus der Stadt verdrängt. Mit diesen Worten beginnt die neuste Ideenskizze des bürgerlichen Vereins Entente Bernoise. Weiter heisst es: «Bei genauerem Hinsehen merkt man schnell: Das Ganze hat System.»
Doch wo liegt der Grund für «die Verdrängung des Gewerbes aus der Stadt Bern»? Weil die Stadt «radikal» das Ziel verfolge, den Wohnungsbau anzukurbeln, so die Entente Bernoise.Den Bau neuer Wohnungen fördert die Stadt unter anderem, um mehr Steuereinnahmen zu erzielen. Bei dieser Wachstumsstrategie gingen die Gewerbler und Kleinunternehmer vergessen, sagte Herbert Mössinger von der Entente Bernoise an der gestrigen Pressekonferenz, an der das Papier vorgestellt wurde. Dieses wurde explizit als Ideenskizze apostrophiert.
Störender Kaffeegeruch
Zwischen 2002 und 2010 sei die Industrie- und Gewerbezone in der Stadt Bern um 300'000 Quadratmeter verkleinert worden, sagte Mössinger an der Pressekonferenz weiter. Immer mehr Land werde in Gebiete umgezont, wo auch gewohnt werden dürfe. Und sobald Wohnen in Industrie- und Gewerbezonen zugelassen sei, kämen rasch die ersten Klagen von Anwohnern und ihren Anwälten. Kaffeeröstereien etwa sorgten für unerwünschten Kaffeegeruch im Quartier; oder dann gebe es Event-Agenturen, die vor allem nachts tätig seien und halt Lärm verursachten. Lärm und Gerüche respektive Gestank passe den meisten Anwohnern verständlicherweise nicht. Sie schrieben dann einen Brief, zwei Briefe, hundert Briefe; irgendwann habe der Kleinunternehmer genug und verlege sein Geschäft: von der Stadt in die Agglomeration: «Bern entwickelt sich so einseitig zu einer Wohnstadt.»
Viele leere Büros
Der Ideenskizze der Entente Bernoise entgegnet Regula Buchmüller, Leiterin der Abteilung Stadtentwicklung: Bern habe als einzige Stadt in der Schweiz deutlich mehr Arbeitsplätze als Einwohner. Grosse Firmen wie die SBB oder die Postfinance zentralisierten ihre Büros rund um das Wankdorf: Das heisst, die Firmen lösen ihre kleineren Niederlassungen – etwa in der Innenstadt – auf und ziehen alle Büros an einem Ort zusammen. Das bringe eine klare Aufwertung Berns mit sich: So entstehe neuer Raum für Wohnungen und das Kleingewerbe. Eine soeben veröffentlichte Studie der Immobilienfirma Colliers International zeigt in der Tat, dass in der Stadt 58 000 Quadratmeter Büroraum leer steht – Tendenz steigend. Das Problem der Kleinunternehmer seien daher höchstens die hohen Preise für Gewerberäume, sagt Buchmüller; und dagegen könne die Stadt leider nicht viel tun.
(Der Bund)
Erstellt: 08.02.2012, 13:16 Uhr
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