Bärenpark: Streit um Nachtsperre
Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 06.01.2011 1 Kommentar
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Das Offenhalten des Uferwegs beim Bärenpark war dem Berner Stadtrat einst heilig. Mit 39 zu 18 Stimmen hatte er sich im März 2007 gegen eine Nachtsperre ausgesprochen – entgegen dem Willen des Gemeinderates. Knappe vier Jahre später spricht sich der Gemeinderat nun erneut für eine Nachtsperre aus und legt eine Planänderung zur Mitwirkung auf, die «eine nächtliche Schliessung des Uferwegs im Bereich Bärenpark» ermöglichen soll.
Gleichzeitig mit der Publikation dieses Vorhabens im «Anzeiger» haben gestern die Berner Stadtbauten (Stabe) mitgeteilt, dass beim Uferweg des Bärenparks Zugangstore installiert werden sollen. Die Tore sind Teil der definitiven Sicherheitsmassnahmen, die den provisorischen Zaun auf der Treppe zur Aare hin ersetzen, der nach den Beinahe-Unglücksfällen vom Sommer letzten Jahres montiert wurde. Nebst der Installation der Tore ist der Bau eines neuen Geländers am oberen Ende der Aaretreppe und die Errichtung einer Glasbrüstung auf der Natursteinmauer unterhalb der Nydeggbrücke vorgesehen. Grundlage für diese Massnahmen ist ein neues Gutachten der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU). Dieses ist aufgrund des Besucheransturms im ersten Betriebsjahr nötig geworden. Das Gutachten verlange unter anderem, dass Aareufer und Gehegebereich unterscheidbarer gemacht würden, sagt Stefan Dellenbach, Direktor ad interim der Stadtbauten.
«Tore sind grundsätzlich offen»
Die Zugangstore zum Uferweg sollen der Regulierung des Besucherstromes auf der Uferpromenade bei «ausserordentlichem Besucherandrang» dienen. Zudem können sie zur Absperrung des Uferwegs bei Hochwasser eingesetzt werden. «Die Tore sollen grundsätzlich offen bleiben», sagt Dellenbach. Die Publikation des im Dezember eingereichten Baugesuches stehe unmittelbar bevor. Falls es keine Verzögerung durch Einsprachen gebe, sollen die Massnahmen «noch vor den ersten milden Frühlingswochen» umgesetzt werden, sagt Dellenbach. Die Tore könnten auch für eine allfällige Nachtsperre genutzt werden. Laut Stabe-Mitteilung betragen die Kosten für die Sicherheitsmassnahmen 50 000 Franken.
Nachtsperre würde Kosten senken
Laut dem Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) bleiben die Zugangstore zum Uferweg auch in der Nacht «vorderhand offen». Mit der publizierten Planänderung wolle der Gemeinderat jedoch die rechtlichen Grundlagen für eine Nachtsperre schaffen, damit er im Notfall rasch handeln könne. Dieses Vorgehen sei mit der stadträtlichen Kommission für Planung, Verkehr und Stadtgrün (PVS) abgesprochen. «Ob die Nachtsperre nötig ist, wird nächsten Sommer entschieden.» Das letzte Wort in dieser Sache werde erneut der Stadtrat haben. Nause macht jedoch keinen Hehl aus seiner Ansicht, dass eine Nachtsperre vonnöten sei. «Der Bärenpark wird zurzeit rund um die Uhr von der Securitas bewacht.» Fürs vergangene Jahr werde er dem Stadtrat einen Nachkredit in der Grössenordnung von 200 000 Franken vorlegen müssen. Im Budget 2011 sind dafür 150 000 Franken eingestellt. «Mit einer Nachtsperre könnte der Bewachungsaufwand gesenkt werden», sagt Nause. Bewachung oder Nachtsperre seien nötig, weil vermehrt Flaschen und andere Gegenstände ins Gehege geworfen würden. Zudem habe er die Befürchtung, dass der Uferweg im Sommer für Partys genutzt werden könnte. «Bei nächtlichen Partys wären die Lärmimmissionen enorm», sagt Nause.
«Wir wollen keine Partymeile»
Die Nachtsperre stösst bei den Fraktionen SVP, BDP/CVP, GLP und GFL/EVP auf Verständnis. Beinahe auf der Linie des Gemeinderates argumentiert SVP-Fraktionschef Roland Jakob. «Wir wollen keine Partymeile und sind daher für die nächtliche Schliessung des Uferwegs». Auch BDP/CVP-Co-Fraktionschef Kurt Hirsbrunner begrüsst die Planungsänderung für die Nachtsperre, «aber nur als Vorkehrung für ein rasches Handeln bei Bedarf». Er weist zudem darauf hin, dass es im letzten Sommer kaum zu Nachtruhestörungen auf dem Uferweg gekommen sei. Michael Köpfli (GLP) ist aus Argumenten des Tierschutzes für eine Diskussion über die Nachtsperre offen. GFL/EVP-Fraktionschef Peter Künzler wiederum hat von den nächtlichen Zwischenfällen beim Bärenpark Kenntnis genommen. Vor dem Einführen einer Nachtsperre gelte es aber, zwischen den «praktischen Problemen» und dem freien Zugang zum öffentlichen Raum abzuwägen.
«Freier Zugang war Versprechen»
«Der Gemeinderat hat dem Stadtrat einst einen freien Zugang zum Bärenpark versprochen», hält demgegenüber FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher fest. Die Sicherheit beim Bärenpark müsse mittelfristig durch die Polizei gewährleistet werden. Auch die SP ist laut Fraktionschefin Annette Lehmann nach wie vor gegen die dauerhafte Sperre eines öffentliches Weges in der Nacht. Hasim Sancar, Co-Chef der Fraktion GB/JA, spricht von einem Vorprellen des Gemeinderates. «Da die rechtliche Grundlage geschaffen wird, ist die Gefahr gross, dass die Nachtschliessung ohne grosse Diskussionen entschieden werden könnte», sagt Sancar. (Der Bund)
Erstellt: 06.01.2011, 06:56 Uhr
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1 Kommentar
Macht doch oberhalb nur noch einen Aussichtspunkt auf den Bärenpark. Wenn man für alle Eventualitäten die Sicherheit erhöhen muss, fragt man sich schon wo die Eigenverantwortung ist. Jedem sollte klar sein, das ein Fluss ein gewisses Risiko birgt, darum zäunt gleich alle Flüsse und Seen ein, so kann nichts mehr passieren. Antworten
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