BEA Bern Expo steigert Umsatz trotz Bauarbeiten für neue Halle

Der Berner Messeplatz legt für einmal rote Zahlen vor – nur scheinbar, sagen die Chefs des Unternehmens.

Nicolas Warkwalder, Verwaltungsratpräsident der BEA Expo Bern. (Valérie Chételat/ Archiv Bund)

Nicolas Warkwalder, Verwaltungsratpräsident der BEA Expo Bern. (Valérie Chételat/ Archiv Bund)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer doppelte Buchhaltung nicht versteht, hat auch Mühe, dies zu begreifen: Eine Firma macht einen «konsolidierten Verlust» von 6,7 Millionen Franken, ist aber erfreut über das Resultat. Doch der Berner Messeplatz hat guten Grund, mit dem Ergebnis zufrieden zu sein, denn eigentlich kann sich die BEA Bern Expo AG über einen Gewinn von 5,6 Millionen Franken freuen – vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, englisch Ebitda genannt. Der Verlust rührt daher, dass die BEA einige Messen – darunter die Ferienmesse – gekauft und dafür einige Millionen hingeblättert hat. Anstatt den Wertzuwachs in der Buchhaltung zu lassen, hat sie den Posten in einem Jahr auf null abgeschrieben. Das ist etwa so, wie wenn eine Firma einen neuen Lieferwagen anschafft und in der Buchhaltung so tut, als sei er bereits nach einem Jahr keinen Franken mehr wert – was natürlich nicht zutrifft. «Das kann sich nicht jede Unternehmung leisten», sagte Verwaltungsratspräsident Nicolas Markwalder gestern vor den Medien nicht ohne Stolz. Tatsächlich kann sich die BEA diesen Abschreiber nur leisten, weil sie während Jahren Eigenkapital aufgebaut hat. Vor einigen Jahren verfügte sie noch über eine sehr dünne Eigenkapitaldecke.

Gerade Jahre rentieren weniger

Kommt hinzu, dass die geraden Jahre stets schwächer ausfallen als die ungeraden. Das ist eine Eigenheit der Messebranche, die sich gerne «Live-Kommunikationsbranche» nennt. Da manche Anlässe nur alle zwei Jahre stattfinden, ergibt sich ein Ungleichgewicht. Während der Berner Messeplatz in ungeraden Jahren fast aus den Nähten platzt, hat es in den geraden freie Kapazitäten. Die Verantwortlichen wollen aber diese «Regel» nicht als ehernes Gesetz hinnehmen, sondern entwickeln neue Ausstellungen, die natürlich in einem geraden Jahr Premiere feiern. So wird es 2012 die Messe Sindex geben, die sich mit Automation, Roboter und dergleichen befasst. Im Jahr 2010 hatte der Messeplatz die Grossbaustelle für die Halle Naha 2-plus zu verkraften, welche 50 Millionen Franken kostet und 10'000 Quadratmeter mehr Ausstellungsfläche bringt.

Teure Halle wird vor BEA fertig

Nach der letzten Frühjahrsausstellung ging das Bauen los, am 15. April, zwei Wochen vor der nächsten BEA, ist die Halle in Betrieb. Lärm, Dreck und Staub behinderten Aussteller und Besucher, die gleichwohl stattfanden, was einen erhöhten Reinigungsbedarf und eine erschwerte Anlieferung zur Folge hatte.

Vergleicht man den Umsatz im Jahr 2010 mit dem geraden Vergleichsjahr 2008, legte die Messe mit einem Umsatz von 37,7 Millionen Franken gar um 14,6 Prozent zu. Die Aussichten für 2011 sind laut den BEA-Verantwortlichen gut. Der Trend über die letzten Jahre zeigt ohnehin stets in eine Richtung – nach oben.

Die Berner Messe, die im Gegensatz zu vielen anderen Messeplätzen keine Subventionen erhält, verstärkt ihr Engagement im Bereich Event Operations. Zu Deutsch: Sie gestaltet etwa den Auftritt des Kantons Bern an der St. Galler Landwirtschaftsmesse Olma, das Ostschweizer Pendant zur BEA/Pferd. Auch ist sie in Zusammenarbeit mit Bern Tourismus verstärkt im Kongressgeschäft tätig. Messen, Kongresse und Events verschmelzen laut dem BEA-CEO Roland Brand immer stärker, sodass ein Anbieter in allen Bereichen kompetent sein müsse.

Die BEA/Pferd selbst, die Frühjahrsausstellung vom 29. April bis zum 8. Mai, wird unter dem Motto «Die BEA kehrt heim» noch konsequenter im Bereich Region, Authentizität, Tradition und Volkstümlichkeit positioniert. So wird es ein erstes «Bärner Volksfest» in der Festhalle geben. Ferne Gastländer wie Peru oder Südafrika gibt es an der BEA nicht mehr: Gast ist diesmal das Emmental.

Eine Sonderschau an der BEA ist von ebenso ungeahnter wie ungewollter Aktualität: «Energie im Wandel», verantwortet von der BKW. Da seien wegen der AKW-Dramen in Japan noch Überarbeitungen im Gange, sagten die Messeverantwortlichen gestern. (Der Bund)

(Erstellt: 16.03.2011, 07:29 Uhr)

Stichworte

Marktplatz

Immobilien

Die Welt in Bildern

Festgesunken: Holländische Retter bringen einen Mann im Hafen von Harlingen in Sicherheit. Das Boot sank in Folge des ersten Sturmes der Saison (22. Oktober 2014).
(Bild: Catrinus van der Veen) Mehr...