Bern
Autisten mit Spezialbegabungen ersetzen indische Informatiker
Von Hans Galli. Aktualisiert am 21.10.2011
Der Däne Thorkil Sonne hat seine Firma Specialisterne 2004 gegründet. (Bild: zvg)
1 Prozent Betroffene
Die Specialisterne Schweiz AG ist der Stiftung Autismuslink angegliedert. Diese ist 2008 aus Selbsthilfeorganisationen betroffener Eltern hervorgegangen. Sie setzt sich für die Verbesserung der Lebensqualität und die Erleichterung des Alltags für Menschen mit Autismus ein. Rund ein Prozent aller Menschen weisen autistische Symptome auf. Autismuslink unterstützt diese Menschen in ihrer Persönlichkeitsbildung, zum Beispiel mit Kunsttherapie, und hilft ihnen bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Sie trainiert sie so weit, dass sie in einem angepassten beruflichen Umfeld arbeitsfähig sind. Weil geeignete Stellen schwer zu finden sind, schafft sie Specialisterne nun selber. Derzeit werden die Mitarbeiter eingeschult; operativ tätig ist die Firma ab 1. Januar 2012.
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Für Eltern ist es ein Schlag, wenn ihr Kind unter Autismus leidet. Autisten haben aufgrund einer Entwicklungsstörung Mühe, mit anderen Menschen zu kommunizieren und sich in eine Gruppe zu integrieren. Einige sind zusätzlich geistig behindert, andere sind normal begabt, und einige haben Spezialbegabungen: Sie haben ein überdurchschnittliches Gedächtnis für Zahlen und arbeiten sehr genau, denn jede Ungenauigkeit ist ihnen zuwider. Das sind gute Voraussetzungen für Tätigkeiten in der Informatik oder in der Buchhaltung.
Die Anfang Oktober gegründete Specialisterne Schweiz AG bietet in Zollikofen vorerst 8 Informatikarbeitsplätze für Autisten an. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, bis in vier Jahren 80 autistischen Menschen Arbeit und eine Tagesstruktur anbieten zu können. Längerfristig hofft sie auf ein Anwachsen auf 200 bis 300 Stellen, wie Geschäftsführer Thomas van der Stad erklärt.
Noch sucht er Aufträge aus der Wirtschaft. Der erste Kunde ist eine Freiburger Softwarefirma. Längerfristig hoffe er, dass Specialisterne Softwarecodes für Banken und Versicherungen schreiben und testen könne, sagt Van der Stad. Statt in Indien könnten diese Aufgaben künftig in der Schweiz ausgeführt werden. Neben Aufträgen benötigt das junge Unternehmen Startkapital. Für die ersten vier Jahre rechne er mit einem Gesamtverlust von 850'000 Franken. Er hoffe, dieses Geld dank Stiftungen und Beiträgen der Sozialversicherungen aufbringen zu können. Später soll das Unternehmen selbsttragend sein.
Specialisterne ist eine Tochter eines dänischen Unternehmens. Bei Specialisterne Denmark arbeiten 35 autistische Personen als Informatiker; Geschäftsführer ist Thorkil Sonne. Ihm schwebt ein weltweites Netz von Firmen vor, das dereinst eine Million Menschen mit Autismus beschäftigen könnte. Die Gründung der Niederlassung in Zollikofen sei ein wichtiger Schritt, sagt er.
Verwaltungsratspräsident von Specialisterne Schweiz ist René Germann: Er engagiert sich, weil er selber einen autistischen Sohn hat. Auch Thorkil Sonne ist Vater eines autistischen Sohns. Um diesem ein erfülltes Leben zu sichern, gründete er 2004 Specialisterne. Der dänische Name bedeute Spezialist und weist auf die Sonderbegabungen der autistischen Menschen hin. (Der Bund)
Erstellt: 21.10.2011, 09:29 Uhr
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