«Aufgetischt»: Zu Gast bei den Weisskitteln

Medizin muss nicht immer teuer sein: Im Sonnenhofspital lässt sich über die Kost nicht meckern.

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Manche meiden den Zahnarzt aus Angst, er könnte ein Loch finden. Andere halten sich von Ärzten fern, weil diese sonst prompt etwas Krankes entdecken und die Patienten ins Spital schicken. Der Testesser und die Begleiterin – die beste von allen – kennen solche Bedenken nicht, sondern begeben sich ins Sonnenhofspital, das seit einiger Zeit zur Lindenhofgruppe gehört.

Beim Eingang klärt ein Plakat über richtiges Verhalten beim Niesen auf. Man kann sich hier auch die Hände mit Desinfektionsmittel besprühen, denn man ist an einem Ort, an dem Viren und Bakterien schlimme Folgen haben können. Im Café fallen die vielen weiss und blau gekleideten Angestellten auf, Ärztinnen und Ärzte sowie Krankenschwestern.

Das Lokal ist voll, das Essen muss also in Ordnung sein, denn auch wenn das Quartier nicht übermässig mit Restaurants gesegnet ist, gäbe es bestimmt Alternativen. Weil gleich hinter dem Büffet angerichtet wird, hat hört man ständig ein Scheppern.

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Die Begleiterin hat wenig Appetit, weshalb sie nur einen grossen gemischten Salat (Fr. 12.-) mit italienischer Sauce bestellt. Als Menü 2 gäbe es Quorn, einen Fleischersatz, serviert als Bolognese-Sauce, dazu frischen Oregano und Parmesankäse.

Die Begleiterin erzählt, dass sie in einem Krimi von einem Arzt gelesen habe, der aus solchen Pilzkulturen Knochenersatzstücke züchten konnte – was wohl ins Reich der Fiktion gehört. Das ist aber nicht der Grund, weshalb sie dieses Menü verschmäht: Sie ist ohnehin kein Fan dieses vegetarischen Produkts, das es in Lebensmittelläden auch als Schnitzel, Geschnetzeltes oder Hamburger zu kaufen gibt.

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Der Testesser legt sich mehr ins Zeug und nimmt zur Vorspeise die Tagessuppe (Fr. 5.50), eine Petersiliencrème. Man isst das selten, es ist aber sowohl überraschend als auch gut. Danach bekommt er das Fischgericht (Fr. 19.–): gebratene marinierte Bio-Blausee-Forellenfilets, Quark-Remouladensauce, Pak-Choi-Gemüse, mit Kikkoman parfümiert, Lauchgratin mit Schalottenstreifen und Saison-Blattsalat. Dazu probiert er den Wein des Monats, einen portugiesischen Dois Carvalhos Reserva Tejo von 2011 (Fr. 5.50/dl). Der Wein hat Wucht und Kraft. Ja, man darf auch zu Fisch Rotwein trinken, wenn man will: Anything goes.

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Die Begleiterin findet den Salat erfreulich. Er enthält fast alles, was es an Gemüsigem gibt: Randen, Kichererbsen, Cherry-Tomaten, grosse Tomaten, Basilikumblätter, Maiskörner usw. Preislich sei der Teller ebenfalls attraktiv, da bezahle man anderswo oft mehr. Merke: Medizin muss nicht immer teuer sein. Die zwei Fischfilets aus dem Oberländer Forellenparadies kommen ebenfalls ordentlich daher, wobei die bleichen Kartoffeln optisch das Klischee von der Krankenhauskost etwas bestätigen, aber das wäre im Feinschmeckerlokal auch nicht viel anders.

Der Lauch passt gut dazu, von den zahlreichen in der Menükarte beschriebenen Zutaten merkt man nicht sehr viel. Insgesamt kann man nicht meckern. Es ist ein reelles, einwandfreies Essen, das weder enttäuscht noch aus den Socken haut.

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Ganz satt sind wir noch nicht. Darum lassen wir uns von der effizienten Bedienung ein kleines Vermicelles mit Rahmhäubchen (Fr. 4.–) bringen. Die Begleiterin, wie könnte es anders sein, nascht mit. Gesund und munter, wie wir es betreten haben, verlassen wir das Spital auch wieder.

Für das neue Jahr 2017 wünscht der «Bund» allen «Aufgetischt»-Leserinnen und Lesern nicht nur, dass sie stets gut essen, sondern auch, dass sie nie ein Spital in Anspruch nehmen müssen. (Der Bund)

Erstellt: 03.01.2017, 10:11 Uhr

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