Aufgetischt

Aufgetischt: Trinkgeld schon einberechnet – zu Recht

Ein Besuch im Wartsaal im Lorrainequartier, wo nicht nur der Kaffee wie in Italien gehandhabt wird.

Volles Haus beim Pub-Quiz im Wartsaal. Auch ein Besuch am Mittag lohnt sich.

Volles Haus beim Pub-Quiz im Wartsaal. Auch ein Besuch am Mittag lohnt sich.

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Nach dem Mittagsmahl schritten wir nach drinnen. Denn wie in Italien bezahlt der Kunde auch im Berner Restaurant Wartsaal an der Kasse – und nur dort. «Das macht 83.50», sagt die junge Frau vom Service. Einer von uns dreien zückt die Kreditkarte, die kommt rasch retour – inklusive Rechnung. Auf dieser steht «85.50». «Du hast das Trinkgeld schon einberechnet.» – «Ehhm . .?!» – «Schon gut, hier hast du noch mal was.» Die Kellnerin erhält noch ein bisschen Bares – sie hat es sich verdient. Und mit ihr der Wartsaal.

Mit ein Grund dafür ist der hausgemachte Eistee. Das macht ja mittlerweile jeder Beizer. Doch der Wartsaal spielt hier in einer höheren Liga. Da wird heisser Schwarztee auf einen Schuss Holundersirup, frische Orange und Zitrone, Minze und viel Eis aufgegossen (Fr. 6.50 für 0,5 dl). Das sei ein Kolonialrezept, klärt uns Geschäftsführer Martin Allemann auf. Die Engländer hätten das damals in Indien so getrunken. – Bitte zu Hause nachahmen!

Twitter informiert über das Menü

Der Wartsaal liegt im Berner Lorrainequartier, wo es eigentlich schon an jeder Ecke eine Beiz gibt. Doch wohl keine mit einem Twitter-Account (@wartsaalkaffee), wo jeweils das Menü verraten wird. Darum wissen wir schon vor Ankunft auf dem heimeligen Vorplatz, was uns heute Mittag erwartet: Oliven-Feta-Ravioli an einer Gemüse-Tomatensauce (Fr. 17.–) oder an Bolognese (Fr. 18.–), oder aber ein Sommersalat mit Rauchlachs (Fr. 16.–). Wir nehmen alles, jeder etwas anderes.

Die Ravioli sind hübsch drapiert. Und schmecken auch tatsächlich so gut, wie sie aussehen. Die Bolognese ist chüstig und wurde mit Sicherheit mehr als bloss ein paar Minuten eingekocht. Der knackige Sommersalat kommt an einem leichten Balsamico-Dressing daher; Lachs sehen wir genug und das dazu gereichte Brot kam erst vor kurzem aus dem Steinofen.

Kaffee wie in Italien

«Falls du noch was Kritisches schreiben willst», beginnt das Gegenüber. «Es sind jetzt nicht die riesigen Portionen.» Derselbe ist jedoch zwei Meter gross und isst gut und gerne zwei Kebab an einem Mittag. Aber womöglich können wir ja beim Kaffee (Fr. 3.50) etwas aussetzen. Doch beim Kaffee ist es wie beim Zahlen an der Kasse: Er ist wie in Italien.

Wir kommen bald wieder. Spätestens aber am kommenden Samstag, den 4. August. Dann nämlich feiert die Wartsaal-Bar bereits ihren ersten Geburtstag. Um vier Uhr am Nachmittag gehts los – mit Gelati, Crêpes und Livekonzert. (Der Bund)

Erstellt: 29.07.2012, 09:09 Uhr

Die Rechnung, bitte

Karte: Fünf Tage die Woche jeden Mittag ein anderes Menü – nicht ohne Anspruch.
Preise: Für das Gebotene eher günstig: Ein Mittagsmenü kostet rund 17 Franken.
Kundschaft: Quartierbewohnerinnen, junge Städter und der erweiterte Freundeskreis der vier Betreiber.
Öffnungszeiten: Mo bis Do von 9 bis 23 Uhr, Fr & Sa, 9 bis 0.30 Uhr, und So, 12 bis 18 Uhr.
Adresse: Lorrainestrasse 15 in Bern, Tel. 031 331 02 28, www.wartsaal-kaffee.ch.

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