Bern

«Aufgetischt»: Kurzer Abstecher nach Italien

Von Rahel Bucher. Aktualisiert am 08.04.2012 1 Kommentar

Wer über den Mittag kurz einen Abstecher nach Italien machen will und dies mit allen Sinnen, ist in der Missione Cattolica in Bern richtig.

Bild: zvg

Die Rechnung, bitte

Karte: Einfach und übersichtlich. Alles italienische Speisen, von denen man schon mal gehört hat. Im Internet kann man sich über die aktuellen Menüs informieren.
Preise: Unteres Preissegment, äusserst preiswert. Von 13.90 Franken für das Tagesmenü bis 20 Franken für das Menu mit Fleisch.
Kundschaft: Sehr gemischt. Viele Geschäftsleute und auch viele Italiener. Öffnungszeiten: Immer am Mittag und sonst sehr unterschiedlich. Es gibt oft spezielle Anlässe, für die man sich per Reservation anmelden kann.
Adresse: Ristorante Missione Cattolica Italiana, Bovetstrasse 1, 3007 Bern. Telefon: 031 370 06 80. Infos:www.missione-berna.ch.

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Eigentlich passt hier nichts so richtig zusammen - und doch hat man ein gutes und rundes Gefühl, wenn man diesen Ort wieder verlässt. Aber nun von Anfang an. Die Reise nach Italien beginnt bei der Eingangstür. Dort wird man von einer goldenen Garderobe empfangen, an der nichts hängt. Umso erstaunlicher ist die imposante Geräuschkulisse, die den riesigen Saal erfüllt. Dies anstelle der Einrichtung. Die ist gar spärlich, auf das Notwendigste beschränkt. Tische, Stühle, ein paar Bilder, blaue Servietten auf pastellfarbenen Tischsets auf zu stark gemusterten Tischtüchern. Die Bartheke, ein Bretterkasten in senfgelb-rostrot getüncht, sticht am meisten ins Auge. So findet man nach dem Essen auch garantiert die Kasse. Die befindet sich nämlich bei der Theke, an der sich keiner verstohlen vorbeischleichen kann. Dies obwohl sie nicht im grellen Licht der Neonleuchten steht. Doch das Personal ist flink und aufmerksam - nicht nur bei der Bezahlung, auch bei der Bestellung und dem Servieren.

Ansonsten ein grosser Saal mit unzähligen Tischen, beliebig aneinandergereiht. Eine Tischreihe zieht sich vom Eingang bis zur gegenüberliegenden Wand - sie endet unter Jesus am Kreuz.

Diese Verbindung von Irdischem und Himmlischem ist das einzige, was darauf hinweist, wo sich das Restaurant befindet - in der Missione Cattolica Italiana in Bern, der römisch-katholischen Kirche. An der langen Tischreihe unter dem Kreuz sitzt eine Gruppe von Geschäftsleuten. Die voll besetzte Tafel erinnert an das Bild vom Abendmahl des italienischen Malers Leonardo da Vinci. Leidenschaftlich gestikulierende Menschen, die sich ohne jegliche Hast den aufgetragenen Speisen annehmen.

Das Palaver und Lachen der zahlreichen Gäste ist ohrenbetäubend. Man muss noch lauter sein - auch bei der Bestellung. Gast: «Ravioli agli spugnoli.» Kellner: «Pizza tricolore?» Gast: «Nein. Ravioli agli spugnoli.» Hausgemachte Ravioli gefüllt mit Morcheln, Ricotta und Parmesan (18 Franken). Der Teller ist gut gefüllt, die Ravioli etwas zu bleich geraten. Umso kräftiger ist dafür der Geschmack der Morcheln und des Parmesans. Er entführt die Gedanken an die felsigen Küsten Italiens, dort wo Berge und Meer aufeinandertreffen.

Insgesamt ist die Menükarte schlicht und übersichtlich. Das Tagesmenü kann man im Internet und auf einer Schiefertafel lesen - in grossen Lettern und auf Italiensich wohlverstanden. «Oggi, spaghetti al pesto e pomodoro con brasato di manzo» (13.90 Franken). Das Fleisch wird in den Spaghetti - perfekt al dente - eingewickelt serviert und ist von der Pesto-Tomaten-Sauce durchtränkt. Eine ungewöhnliche, aber leckere Idee. Neben dem Tagesmenü gibt es einen gelben Zettel mit den Spezialitäten der Woche. So etwa Pizza tricolore (15 Franken). Eine Fusion aus Tomatensauce, Mozzarella, Spinat und Ricotta. Keine Frage, wer über den Mittag kurz einen Abstecher nach Italien machen will und dies mit allen Sinnen, wird sich in der Missione wie im Urlaub fühlen.

(Der Bund)

Erstellt: 08.04.2012, 09:34 Uhr

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1 Kommentar

Yvo Perret

21.08.2012, 12:32 Uhr
Melden 2 Empfehlung 0

Ich habe aber gehört, dass dort fast keine Italiener das Essen einnehmen, es sind mehrfach Bundesangestellte. Dieses Restaurant gehört nicht der Kirche. Antworten



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