Auf der Theke lauert der Bär
Von Martin Zimmermann. Aktualisiert am 04.05.2012
Es wird langsam Abend an der BEA: Die Gäste strömen in Scharen aus den Eingängen zum Messegelände, das Riesenrad macht seine letzte Drehung, und an den Ständen wird die Ware abgeräumt - eigentlich ein guter Moment zum Gehen. Doch in den verschiedenen Festzelten und Beizen beginnt der Tag erst jetzt so richtig. Von überall her hört man Livemusik aus den Lautsprechern dröhnen. Für ein deftiges Abendessen mit musikalischer Begleitung war noch immer genügend Zeit, also auf ins Getümmel!
Im Simmentaler Hof, einem riesigen Festzelt mitten im Gelände, ist leider kein Platz mehr. Das Konzert der Schlagergruppe Calimeros anlässlich ihres 35-Jahr-Jubiläums erweist sich vor allem bei älteren Messebesuchern als veritabler Hit.
Ein nicht ganz authentischer Wilder Westen
Im Red Grizzly Saloon, gleich hinter dem Eishockeystadion, findet sich noch ein Plätzchen. Der Name ist Programm: Im Innern wird man von einem ausgestopften Bären begrüsst, der auf der Theke aufgestellt wurde - dem Autor fehlen leider die zoologischen Kenntnisse, um zu bestimmen, ob es sich beim zähnefletschenden Tier auch wirklich um den gefürchteten Grizzly handelt. Elchkopftrophäen, an die Wand gehängte Cowboyhosen und Indianerskulpturen aus Plastik vervollständigen die - wohl nicht ganz authentische - Wild-West-Atmosphäre.
Von der ganz auf Fleisch spezialisierten Karte werden eine Portion Chicken Nuggets mit Kartoffelschnitzen geordert. Beim Warten fällt ein Schild neben dem Tisch auf: «Don’t shoot the piano player» steht da, man möge bitte den Pianisten nicht erschiessen. An diesem Abend wird das sowieso nicht nötig sein: Für einen garantiert pianolosen Sound sorgen nämlich unter anderem die Fires, eine Gruppe junger Rocker im 50er-Jahre-Outfit.
Die schöne Sheila und ihr Tequila
Besser zum Grizzly passt allerdings Doug Atkins mit seiner Country-Band. Dass der Saloon sich nur langsam füllt, tut der Stimmung beim Auftritt der US-Amerikaner keinen Abbruch. Die Zuhörer - viele davon in Jeansjacken und Lederstiefeln gewandet - klatschen und johlen begeistert mit, insbesondere als Atkins in einem Lied über die schöne Sheila und ihren Tequila singt.
Der Sänger aus Montana dreht in einer Konzertpause eine Runde durch den Saloon und schüttelt dem Publikum die Hände. Er sei mal richtig berühmt gewesen, sagt er scherzhaft dem «Bund» - und dann eben nicht mehr. Aber zum Leben reiche seine Musik immer noch aus. Von Country-Musik «keine Ahnung» hat das Ehepaar mittleren Alters am Nachbartisch. Die beiden stellen sich als Beatrice und Ueli vor. Man lasse die BEA traditionellerweise jedes Jahr im Grizzly Saloon ausklingen, sagt Ueli. Die Musik sei dabei nicht so wichtig, ergänzt Beatrice, während wieder Applaus aufbrandet. «Wir beobachten lieber ein bisschen die Leute. Hier herrscht ja immer gute Stimmung.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.05.2012, 10:59 Uhr
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