Bern

Am Bollwerk beginnt ein neues Kapitel

Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 11.03.2012 9 Kommentare

Im Lokal am Bollwerk mit bewegter Vergangenheit wirtet seit Dezember ein junges Herrenteam. Und wenn die das immer so gut machen wie beim Testbesuch, wird ihre Beiz sicher laufen.

Das Betreiberteam in ihrem Lokal: Tom Weingart, Fausto De Siena, Diego Dahinden.

Das Betreiberteam in ihrem Lokal: Tom Weingart, Fausto De Siena, Diego Dahinden.
Bild: Manu Friederich

Artikel zum Thema

Die Rechnung, bitte

Karte: Schön zusammengestellte Menüs, biologisch, saisongerecht, lokal produziert.

Preise: Menüs kosten etwas mehr als üblich.

Kundschaft: Junge Leute mit Sinn für Kultur.

Öffnungszeiten: Di-Do, 11-0.30 Uhr; Freitag, ab 11 Uhr, Sa, 16-0.30 Uhr, So/Mo geschlossen.

Adresse: Restaurant Kapitel Bollwerk, Bollwerk 41, 3011 Bern, Telefon 031 311 60 90; Internet: www.kapitel.ch.

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Zum Glück hatten wir angerufen und Plätze reserviert, denn der Laden brummt. Darum ist der Lärmpegel recht hoch, zumal die vorhanglosen Fenster den Schall reflektieren. Irgendwo steht eine rote englische Telefonkabine, ein Sofa verströmt Lounge-Gefühl und in einer Bühnenkiste lagern vielleicht Utensilien, die bei kulturellen Veranstaltungen zum Einsatz kommen.

Die jungen Kellner sind locker, aber höflich. Wir fragen nach einem Apéro. Der Kellner empfiehlt den Hauswein, einen Roero Arneis (Fr. 5.50/dl), eine willkommene Abwechslung zum Chardonnay-Einheitsbrei: ein etwas herbes Tröpfchen mit Säure, Ecken und Kanten. Die Mittagskarte beinhaltet Gemüselasagne mit Rucola (Fr. 18.-), Pasta (Fusilli quattro formaggi Fr. 18.-), ein Fisch- und ein Fleischmenü. Die Begleiterin entscheidet sich für den Pouletschenkel Coq au Vin mit Nüdeli und Marktgemüse (Fr. 24.-). Als (inbegriffene) Vorspeise wählt sie die Broccoli-Creme mit dem intensiven Gemüsegeschmack und freut sich, dass die Suppe heiss serviert wird, denn Lauwarmes ist gar nicht ihr Ding. Der Testesser nimmt den Salat, ein farbenfrohes Festival von Julienne-Gemüse, Lollo rosso und anderen Blattsalaten.

Man produziert frisch

Dann bekommt die Begleiterin den im Rotwein gekochten «Gummiadler», der keiner ist, was sie schätzt, denn glibberige Hühner mag sie nicht. Die Nudeln sehen bleich aus und haben wenig Eigengeschmack, weshalb wir auf Reisnudeln tippen. Der Testesser isst den gebratenen Zander mit gerösteten Mandeln, Schnittlauchkartoffeln und Marktgemüse (Fr. 29.-). Auch hier lässt der Koch seiner Kreativität freien Lauf. Es gibt normale Kartoffeln und violette, Kohlrabi in Würfelchen geschnitten und eine zweifarbige Rüebliart mit etwas viel Biss.

Die Dessertkarte ist klein, aber fein: Eine Nachspeise ist «vergriffen», ein gutes Zeichen, denn man produziert frisch. Die Dame weicht auf die Cashew-Caramel-Glace (Fr. 5.-) aus und ist begeistert. Er wählt die caramelisierte Apfeltarte mit Schlagrahm (Fr. 9.-) mit hauchdünn geschnittenen Scheiben: ein Traum.

Bewegte Vergangenheit

Das Lokal hat eine bewegte Vergangenheit. Von 1988 bis 1998 residierte hier das asiatische Restaurant Shoog-dee, gefolgt vom chinesischen Tao Tao. Vor fünf Jahren wagte ein Wirt einen Neustart en connaissance de cause: Das Haus ist von Reithalle, Drogenanlaufstelle und viel Verkehr umzingelt. Nach drei Jahren gab er auf. Das Gastspiel des Nachfolgers war kürzer. Seit Dezember 2011 ist ein junges Herrenteam am Drücker und vereinigt Essbeiz, Lounge und Bar mit Musik und Tanz.

Wir werden freundlich verabschiedet, ein Kellner hält die Türe auf, und der Kollege, der draussen eine Zigarette raucht, dankt ebenfalls für den Besuch. Wenn die das immer so gut machen, wird ihre Beiz sicher laufen, und das möchte man ihnen von Herzen gönnen. (Der Bund)

Erstellt: 11.03.2012, 08:25 Uhr

9

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

9 Kommentare

Daniel Lüpold

11.03.2012, 21:57 Uhr
Melden 9 Empfehlung 0

Warum meinen Sie Herr Duerig? Sind Sie Gastroprofi? Aus meiner Sicht ist die Doppelnutzung sicherlich wirtschaftlich und gewinnbringend. Ziemlich einmalig in Bern. Antworten


Jean-Pierre Stoller

12.03.2012, 13:42 Uhr
Melden 5 Empfehlung 0

@ Christian Duerig: Zu Besuch in Bern, habe ich am Freitag mit Vergnügen im Kapitel geluncht. Zum Glück verkehren hier keine Griesgrame wie Sie. Übrigens: Hat's Ihnen im ach so professionellen McDonalds, wo man noch weiss, was arbeiten heisst, geschmeckt? Antworten



Bern

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen

WERBEN SIE ONLINE

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir beraten Sie gerne.

Alles für Abonnenten und Abonnentinnen

Laden Sie sich Ihr ePaper auf Ihren Computer und blättern Sie gratis und ab 5 Uhr früh in Ihrem "Bund".

Fernstudentin an der FFHS

Award für beeindruckende Weiterbildungsbiografie

Online-Wettbewerb

Wir feiern - Sie profitieren. Einen Tag lang freie Fahrt ab CHF 25.- mit Bahn, Bus und Schiff im gesamten BLS-Gebiet.

Online-Wettbewerb

Gewinnen Sie ein tropisches Wochenende in Frutigen.

Flugpreise vergleichen

Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.

Jetzt wechseln und sparen

Finden Sie in nur fünf einfachen Schritten die optimale Fahrzeugversicherung.

Genusswelt

Besuchen Sie unsere Genusswelt und entdecken Sie die Welt des Genuss!