Bern
AKW-Gegner nehmen BKW-Aktionäre in die Mangel
Von Matthias Ryffel. Aktualisiert am 11.05.2012
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Am Freitagvormittag hält die BKW Energie AG ihre Generalversammlung ab, die die Aktionäre heuer vor gewichtige Entscheide stellt: Sie sollen dem Konzern einen neuen Chef an die Spitze setzen. Die Generalversammlung findet auf dem Bernexpo-Gelände statt, am Guisanplatz wurden die Aktionäre von kritischen Stimmen begrüsst.
Rund 20 Atomkraftgegner empfangen sie lautstark und appellieren mit Slogans und Transparenten an ihre Selbstverantwortung: «Hirn anschalten, AKW abschalten», so lautet die Botschaft. Wie schon bei früheren Aktionen haben die Aktivisten Kreuze errichtet, als Mahnmal für die Gefahr der Atomkraft: 26 Kreuze für 26 Atomunfälle in der Geschichte der Kernkraftwerke.
«Bremsklotz »Mühleberg
Greenpeace und AKW Ade haben die Kundgebung gemeinsam organisiert. «Wir fordern die sofortige Stilllegung des AKW Mühleberg», sagt Florian Kasser, bei Greenpeace für Atomfragen zuständig. Man wolle, dass die Aktionäre selber diese Forderung an den Verwaltungsrat richteten. Die Chancen dafür schätzt er nicht schlecht ein: Der Einbruch der BKW-Aktien in den vergangenen Jahren sei an den Aktionären kaum spurlos vorbeigegangen. «Mühleberg ist ein Bremsklotz am Fuss der BKW.»
Ein von den Aktivisten erstellter Eingang soll den Aktionären ihre Verantwortung vor Augen führen und sie im Hinblick auf die Generalversamlung auf den «richtigen» Pfad einschwören. Den Aktionären bleibt dabei allerdings nur scheinbar die Wahl: «Ich will profitieren und schalte mein Hirn ab», so die Überschrift zu Eingang Nummer eins. «Ich trage Verantwortung und schalte das AKW ab», die zweite Option.
Umbau «nicht von heute auf morgen»
Die ersten BKW-Aktionäre zwängen sich kurz nach 9 Uhr durch den Eingang. Die wenigsten werden ihrer vermeintlichen Wahl überhaupt gewahr. Für die Kundgebung scheinen viele weder Augen noch Ohren zu haben, sie steuern direkt auf die Hallen der Bernexpo zu – manche unverbindlich lächelnd, manche mit einem geknurrten «Nein danke» auf den Lippen.
Auch BKW-Sprecher Antonio Somavilla schaut sich die Aktion an. Die Standpunkte seien sehr unterschiedlich, kommentiert er. «In unserem Fokus steht eine sichere, zuverlässige, ökologische Stromversorgung.» Das Kernkraftwerk Mühleberg spiele dabei eine wichtige Rolle. Bestünden an dessen Sicherheit Zweifel, «hätte man ja die gesetzlichen Grundlagen, um die Ausserbetriebsnahme zu vollziehen.» Mit der neuen Strategie, die sich die BKW gegeben habe, wolle man langfristig CO2-frei produzieren, sagt Somavilla. Doch der Umbau lasse sich nicht von heute auf morgen bewerkstelligen: «Für den Übergang brauchen wir Mühleberg.»
Greenpeace anerkennt BKW-Strategie
Florian Kasser sagt, Greenpeace anerkenne die neue BKW-Strategie. «Das Unternehmen zeigt sich damit fortschrittlicher als andere Schweizer Energiekonzerne.» Doch ein Ausstieg 2020, wie ihn die BKW avisiere, komme zu spät – alleine wegen der Sicherheitsbedenken. Denn dass diese berechtigt sind, habe das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes gezeigt. «Die BKW hat dies mit den angekündigten Aufrüstungsmassnahmen ja selber eingestanden. Die Aktionäre sollten nun dafür sorgen, dass der grosse Aufwand besser in nachhaltige Energiequellen gesteckt wird.»
Ob sich die Aktionäre vom Protest der Atomgegner beeindrucken lassen, wird sich heute womöglich manifestieren. Ob sie derart grundlegend ausfallen, wie die Atomgegner es zu erzwingen suchen, darf man sich fragen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.05.2012, 10:31 Uhr
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