Stöckli hat die Nase vorn, Rösti und Luginbühl liegen gleichauf

Für die Ständeratswahl im Kanton Bern ist wie vor vier Jahren ein zweiter Wahlgang wahrscheinlich. Die «Bund»-Umfrage legt nahe, dass keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang das absolute Mehr erreicht.

Wer macht in Bern das Rennen um die Ständerratssitze?

Wer macht in Bern das Rennen um die Ständerratssitze? Bild: Keystone

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Die Umfrage ergibt für die Ständeratswahlen ein überraschendes Resultat: Der Sozialdemokrat Hans Stöckli liegt vorne, vier Prozentpunkte vor Werner Luginbühl (BDP) und Albert Rösti (SVP). Stöckli erzielt im linken und grünen Lager hohe Wählerstimmenanteile. Der frühere Bieler Stadtpräsident kann aber selbst bei bürgerlichen Parteien punkten: Mehr als die Hälfte der BDP-Wählerschaft will Stöckli die Stimme geben, bei EVP und GLP ist Stöckli ebenfalls beliebt, und auch bei einem Teil der FDP-Wähler geniesst er Sympathien.

Anteil Stimmen in Prozent der gültigen Wahlzettel (Umfrage):

Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu den Resultaten von 2011. Im ersten Wahlgang führte damals Adrian Amstutz (SVP) das Feld knapp vor Werner Luginbühl und deutlich vor Hans Stöckli an. Im zweiten Wahlgang wurden dann Luginbühl und Stöckli gewählt, die SVP hatte das Nachsehen. Entscheidend war, dass der SVP-Mann Amstutz ausserhalb der SVP-Parteigänger und -Sympathisanten fast unwählbar war.

Luginbühl ist für viele wählbar

Wie sieht es in diesem Punkt bei Rösti aus, dessen Tonfall konzilianter ist und der weniger als Hardliner wahrgenommen wird als Amstutz? Support kommt am ehesten noch von der FDP, bei den weiteren grösseren Parteien ist die Unterstützung aber klein bis marginal. Nur die EDU-Wähler wollen Rösti grossmehrheitlich auf den Wahlzettel schreiben. Dieses Segment fällt aber rein mengenmässig kaum ins Gewicht.

Wahlabsicht nach Parteien:

BDP-Mann Luginbühl ist wie Stöckli für breite Kreise wählbar, ihm macht jedoch zu schaffen, dass die BDP-Wählerbasis schrumpft: Er erfährt Unterstützung von FDP-Wählern, aber auch von der EVP-Wählerschaft. Luginbühl spricht auch Kreise innerhalb der SP und der GLP an. Während kaum ein BDP-Wähler Albert Rösti die Stimme geben will, beabsichtigt rund ein Viertel der SVP-Wähler, Werner Luginbühl zu unterstützen. Es ist anzunehmen, dass die BDP-Wähler Albert Rösti in erster ­Linie als Bedrohung für Luginbühls Sitz wahrnehmen. Umgekehrt gibt es bei der SVP wohl die Hoffnung auf eine bürgerliche Doppelvertretung.

Zweiter Wahlgang wahrscheinlich

Die Befunde lassen zudem laut Umfrageleiter Thomas Milic von der Forschungsstelle Sotomo die Aussage zu, dass im ersten Wahlgang noch keine Entscheidung fallen wird. Mit 42 Prozent Nennungen auf den Wahlzetteln verpasst Stöckli das absolute Mehr, dieses läge bei 45 Prozent der gültigen Wahlzettel. Der Anteil Stimmen pro Wahlzettel bewegt sich im Schnitt der letzten Ständeratswahlen. Im Oktober 2011 verzichteten gut 70'000 von 360'000 Wählerinnen und Wähler darauf, einen zweiten Namen auf den Zettel zu schreiben. Die Wahlchancen in einer möglichen Stichwahl beurteilt Milic als offen. Für die Bisherigen spricht, dass Amtsinhaber ­eigentlich nur dann abgewählt werden, wenn sie gravierende Fehler begangen haben.

Das Szenario könnte also ähnlich ausfallen wie 2011. Da das Kandidatenfeld sich lichten dürfte, wird es tendenziell schwieriger für Rösti, der auf die Stimmen der SVP-Wählerschaft setzen kann, aber darüber hinaus wenig Popularität geniesst. Zudem kommen beim zweiten Wahlgang auch strategische Überlegungen ins Spiel: Der Wähler überlegt sich nicht nur, wen er in den Ständerat wählen will, er macht sich auch Gedanken darüber, wen er dort nicht sehen will. Damit droht Rösti ein ähnliches Schicksal wie Amstutz 2011.

Noch viele Unentschlossene

Zurück zur Gegenwart: Auffallend ist der grosse Abstand zwischen dem Spitzen­trio mit den beiden Bisherigen sowie dem SVP-Herausforderer und dem restlichen Kandidatenfeld. Christine Häsler (Grüne) und Claudine Esseiva (FDP) fallen deutlich ab. 2011 erzielten Alec von Graffenried (Grüne) und Christian Wasserfallen (FDP) bessere Resultate, wobei von Graffenried deutlich voraus lag. Die Reihenfolge zwischen der grünen und der FDP-Kandidatur ist also dieselbe wie 2011. Bei der FDP fällt auf, dass deren Wählerinnen und Wähler die eigene Kandidatin Claudine Esseiva sogar leicht weniger unterstützen als den bisherigen Ständerat Luginbühl.

Das deutet daraufhin, dass Esseiva – als Generalsekretärin der FDP Frauen Schweiz arbeitet sie eher im Hintergrund – nur wenig bekannt ist. Dass sie politisch am linken Rand der FDP steht, dürfte innerhalb der Partei polarisieren. Bei GLP und EVP zeigt sich die etwas unterschied­liche Positionierung in der Parteienlandschaft. Die EVP ist bürgerlicher ausgerichtet: Sie unterstützt in erster ­Linie die eigene Kandidatin Marianne Streiff-­Feller, auf dem zweiten Platz folgt Luginbühl. Bei der GLP geht die Tendenz mehr nach links: Nach dem eigenen Kandidaten Jürg Grossen wird vor allem Stöckli unterstützt. Kaum ins Gewicht fallen die beiden Kandidaturen der Piratenpartei und die zwei parteilosen Exoten.

Generell ist zu sagen, dass sich viele Wählerinnen und Wähler noch nicht entschieden haben, wem sie bei den Ständeratswahlen die Stimme geben wollen. Ein Fünftel der Teilnehmer gab bei der offenen Frage nach Kandidaturen die Antwort «weiss nicht». Dabei fällt auch ins Gewicht, dass die Wählerinnen und Wähler das Stimmmaterial noch nicht erhalten haben. Die Unterlagen sollten in den nächsten Tagen in die Haushaltungen versandt werden. (Der Bund)

Erstellt: 19.09.2015, 12:59 Uhr

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