Neuer Ort für ausländische Fahrende in Sicht

Eventuell entsteht in Wileroltigen ein neuer Transitplatz für ausländische Fahrende.

Fahrende haben auf dem Autobahnrastplatz Wileroltigen ihr Lager aufgeschlagen.

Fahrende haben auf dem Autobahnrastplatz Wileroltigen ihr Lager aufgeschlagen. Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Bei der Suche nach einem definitiven Transitplatz für ausländische Fahrende zeichnet sich für den Kanton Bern eine neue Lösung ab: Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) ist bereit, dem Kanton Bern ein Areal an der Autobahn A1 in Wileroltigen abzutreten.

Der für die Suche nach einem Transitplatz zuständige Berner Regierungsrat Christoph Neuhaus traf am Freitag die Gemeindepräsidenten von Wileroltigen, Gurbrü und Ferenbalm, um über den möglichen Standort zu sprechen. Das teilte die bernische Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK) mit.

Das fragliche Areal in Wileroltigen grenzt an den bestehenden Autobahnrastplatz an. Insofern könnte dort, am Rand der A1, eine Situation entstehen wie beim Autobahnrastplatz La Joux-des-Ponts FR.

Dort, am Rand der A12 im Greyerzerland, nahm der Kanton Freiburg am Donnerstag einen Transitplatz für ausländische Fahrende in Betrieb, der an eine bestehende Autobahnraststätte anschliesst.

Der bernische Grosse Rat hatte im vergangenen September einen Kredit zum Bau eines Transitplatzes am Rand der Autobahn A5 in Meinisberg im Seeland an den Regierungsrat zurückgewiesen. Die Berner Regierung solle auf einer anderen Parzelle und zu tieferen Kosten einen Transitplatz für ausländische Fahrende bereitstellen.

Grosser Rat entscheidet erneut

Die Parzelle in Wileroltigen hatte der Kanton Bern nach eigenen Angaben schon bei einer Untersuchung von möglichen Standorten im Jahr 2015 ins Auge gefasst. Er entschloss sich dann aber, dem bernischen Kantonsparlament den Standort Meinisberg vorzuschlagen. Dem bernischen Grossen Rat schienen aber die für den Platz veranschlagten Kosten von 9,3 Millionen Franken zu hoch.

Die bernische JGK schreibt nun in der neusten Mitteilung, auch der Platz in Wileroltigen sei geeignet. Die JGK werde in den nächsten Monaten die Grundlagen vertiefen, ein Vorprojekt und eine Kostenschätzung erstellen. Danach entscheide wiederum der bernische Grosse Rat über einen Objektkredit. Im August will Regierungsrat Neuhaus die Bevölkerung in Wileroltigen direkt informieren.

Derzeit 500 Fahrende in Wileroltigen

Die neusten Nachrichten aus Bern dürften in Wileroltigen derzeit überwiegend schlecht ankommen: Seit Anfang Juni wird das fragliche Areal bereits von Fahrenden besetzt. Seit Anfang Juli sind es rund 200 Wagen mit 500 Personen, wie die Gemeinde in einer Mitteilung an die Bevölkerung schreibt.

Zuerst sei die Situation «geregelt» gewesen, heisst es in der Mitteilung weiter. Doch seit eine Gruppe Fahrender aus Spanien angekommen sei, gebe es Probleme. Die Spanier hielten sich nicht an Abmachungen, seien uneinsichtig und die Umgebung des Platzes sei sehr stark verunreinigt. Es habe eine Krisensitzung mit verschiedenen Behörden stattgefunden.

Wileroltigens Gemeindepräsident Christian Grossenbacher sagte am Freitag auf Anfrage, derzeit sei die Situation effektiv schwierig und die Stimmung in der 380-Seelen-Gemeinde «relativ schlecht» gegenüber den Fahrenden. Allerdings sei es in den letzten Tagen gelungen, gewisse Regeln durchzusetzen. Es seien keine neuen Fahrenden hinzugekommen und einige reisten nun ab.

Die Behörden selber wüssten erst seit Freitagnachmittag von den Plänen des Kantons und hätten sich noch keine Meinung gebildet. Klar sei aber, dass es den Wileroltigern wohler sei ohne Fahrende als mit ihnen.

«Sehr gut gelegen»

Als sehr gut gelegen und «längst überfällig» bezeichnete auf Anfrage Andreas Geringer den Platz in Wileroltigen. Er ist Präsident des Vereins der Sinti und Roma in der Schweiz und ist derzeit Platzwart in Wileroltigen. Als solcher vermittelt er auch zwischen Fahrenden und Behörden.

Sehr gut gelegen sei der Platz, weil er in der Nähe der Sprachgrenze liege. So diene er sowohl französisch arbeitenden als auch deutsch arbeitenden Fahrenden. Geringer glaubt auch, dass der Platz mit relativ wenig Aufwand hergerichtet werden kann. Auch Geringer sagt, es sei gelungen, in Wileroltigen Regeln durchzusetzen. Es sei vereinbart worden, dass die Fahrenden nur noch bis zu einem bestimmten Tag dort blieben. (nj/sda)

Erstellt: 14.07.2017, 16:20 Uhr

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