Kanton möchte, dass Gemeinden muslimische Grabfelder anlegen

Im Kanton Bern gibt es erst vier muslimische Gräberfelder. Das soll sich nun ändern. Der Kanton hat dazu Empfehlungen veröffentlicht.

Kennt bereits muslimische Grabfelder: der Bremgartenfriedhof.

Kennt bereits muslimische Grabfelder: der Bremgartenfriedhof. Bild: Adrian Moser

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für Muslime im Kanton Bern soll es möglich sein, ihre Toten auf speziell angelegten Gräberfeldern zu bestatten. Der Kanton hat den Gemeinden dazu Empfehlungen abgegeben, wie er am Montag mitteilte. Kernpunkt: Auf den Gemeindefriedhöfen soll ein besonderes Abteil für muslimische Gräber vorgesehen werden. Wo dies nicht möglich ist, sollen mehrere Gemeinden zusammen eine regionale Lösung anstreben. Generell sollen die Gemeinden bei einem Todesfall von Personen muslimischen Glaubens das Gespräch mit der Trauerfamilie oder dem Bestattungsinstitut suchen, «um gemeinsam gute Lösungen zu finden», heisst es in der Mitteilung.

Der Kanton sei im Zusammenhang mit der Bestattung von Muslimen zunehmend mit Anfragen von Gemeinden und Friedhofsverwaltungen konfrontiert worden, sagt Annemarie Schürch auf Anfrage. Sie ist in der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion stellvertretende Beauftragte für kirchliche Angelegenheiten.

Vor knapp einem Jahr sei deshalb eine Arbeitsgruppe eingesetzt worden, die sich mit dem Thema beschäftigte und die nun vorliegenden Empfehlungen formulierte. Diese bildeten das ab, was gelte, und zeigten Möglichkeiten und auch Grenzen auf. Die Gemeinden verfügten jedoch über einen gewissen Handlungsspielraum, da sie im Friedhofswesen weitgehend autonom seien, sagt Schürch. Bisher gibt es im Kanton Bern erst in Bern, Thun, Köniz und Biel muslimische Gräberfelder. Dort können Muslime ihre Toten so bestatten, dass ihr Gesicht nach Mekka gerichtet ist.

«Zwingend in einem Sarg»

Das Problem besteht darin, dass sich auf den bestehenden Gräberfeldern nur jene Muslime bestatten lassen können, die in den entsprechenden Gemeinden wohnhaft waren. Dazu kommt ein weiteres Problem: Auch auf solchen Gräberfeldern müssen Muslime bereit sein, Kompromisse einzugehen. So ist es ihnen nicht erlaubt, ihre Verstorbenen lediglich in Tücher gehüllt zu begraben.

Das steht auch in den Empfehlungen des Kantons. «Die Erdbestattung hat zwingend in einem Sarg zu erfolgen», heisst es da. Aufgrund der fehlenden Grabfelder und solcher Vorschriften lässt heute ein grosser Teil der bernischen Muslime die verstorbenen Angehörigen in ihre Heimat zurückführen.

In einem anderen Punkt kommt den Muslimen, denen die «ewige» Grabesruhe ein zentrales Anliegen ist, aber ein Trend entgegen: Die «ewige» Grabesruhe kann ihnen hierzulande zwar nicht gewährt werden. Da sich aber generell immer mehr Menschen nach ihrem Tod einäschern lassen, gibt es auf den Friedhöfen immer mehr Platz. Der Druck, Gräber aufzuheben, nimmt somit ab. In der Praxis bedeutet dies, dass sie sehr lange bestehen bleiben können. (Der Bund)

Erstellt: 09.02.2016, 06:53 Uhr

Artikel zum Thema

Erster Tag des Friedhofs in Bern

Friedhöfe sind nicht nur Orte der Trauer, sondern auch Orte der Ruhe, der Erholung und Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Blogs

Zum Runden Leder E HYYLGSCHICHT!
Blog Mag Höflichkeit zählt

Werbung

Kulturell interessiert?

Bizarre Musikgenres, Blick in Bücherkisten und das ganze Theater. Alles damit Sie am Puls der Zeit bleiben.

Die Welt in Bildern

Abgetaucht: In Zürich geniesst man die sommerlichen Temperaturen mit einem Bad im See. (26. Mai 2017)
(Bild: Walter Bieri) Mehr...