Kandidat Moser will die Wähler auszahlen

Die Aufregung über den zweiten Wahlgang und Kandidat Bruno Moser sind die einzigen Themen im Wahlkampf.

Die Kandidatur von Bruno Moser und der damit erzwungene zweite Wahlgang sind das Thema im Wahlkampf.

Die Kandidatur von Bruno Moser und der damit erzwungene zweite Wahlgang sind das Thema im Wahlkampf. Bild: Thomas Reufer

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Die gegenwärtige Phase «Wahlkampf» zu nennen, wirkt etwas unpassend: Zwar werden am 15. November im Kanton Bern zwei Ständeräte gewählt, aber als Kampf kommt diese politische Ausmarchung nicht rüber. Die Wahlunterlagen, die dieser Tage in die Briefkästen flatterten, sind sehr nüchterner Natur: Abgesehen vom Wahlausweis, einer Namensliste und dem amtlichen Wahlzettel findet sich im Couvert des Kantons nichts. Es ist frei von jeglichem Werbematerial der drei Kandidaten Hans Stöckli (SP), Werner Luginbühl (BDP) und des nach eigenem Bekunden «parteifreien» Bruno Moser.

Kein Versenden von Werbematerial

Der werbematerialfreie Versand ist allerdings kein Beweis für die besondere Zurückhaltung des Trios. Es ist vielmehr die bernische Staatskanzlei, die den Kandidaten gar keine Möglichkeit offeriert, mit ausseramtlichem Material für sich zu werben. Das Kantonale Gesetz über die politischen Rechte sagt es fadengerade: «Bei einem zweiten Wahlgang findet kein Versand von Werbematerial statt.»

Allerdings vertrauen die beiden Bisherigen Werner Luginbühl und Hans Stöckli auch sonst auf einen minimalistischen Wahlkampf. Luginbühl will «in den nächsten Tagen noch ein Inserat schalten» und freut sich ansonsten über das überparteiliche Komitee, das zur Wahl der beiden Bisherigen aufrufen will. Er nehme diesen Aufruf «mit Befriedigung und billigend zur Kenntnis», sagt seinerseits Stöckli. Selber wird Hans Stöckli nichts mehr unternehmen. Damit nähern sich die beiden Etablierten immerhin budgetmässig dem Kandidaten Bruno Moser an, der erneut mit einem Nullfrankenbudget agiert: «So wie auch schon im ersten Wahlgang.»

Im Fokus steht Moser vor dem zweiten Wahlgang trotzdem. Allerdings nicht seiner Wahlchancen wegen, sondern weil er seine Kandidatur aufrechterhielt und so den zweiten Wahlgang überhaupt provozierte.

Im Mittelpunkt «das A . . . aus Biel»

Quer durchs politische Establishment wird Moser vorgeworfen, als aussichtsloser Kandidat erzwinge er einen sinnlosen, 500 000 Franken teuren Urnengang. Moser sagt, er mache derzeit neue Erfahrungen als «Empfänger fantastischer Schimpfwörter». Er erhalte aber auch «sensationelle Unterstützungsbekundungen». Obwohl er sich an die gültigen Spielregeln halte, werde er aber oft reduziert «auf das A . . . aus Biel, das Mehrkosten verursacht». Er bleibe aber bei der Meinung, dass rund 62 Rappen pro Stimmberechtigten kein extravaganter Preis seien, zumal so «allen Bernerinnen eine echte Wahl geboten wird». Nur Diktatur sei billiger.

Obwohl er sich an die Spielregeln halte, wolle er jetzt versuchen, die in den Mittelpunkt der Diskussion gerückte Summe aufzubringen und «kreativ» zurückzuerstatten. Noch viel lieber würde er sich einer inhaltlichen Debatte mit den Mitbewerbern stellen. Dies dürfte ihm – erneut – versagt bleiben.

Kurioses Rückzahlungskonzept

Die Kosten zurückerstatten: Wie soll dies gehen? Moser sagt, er setze auf Crowdfunding, um die 62 Rappen pro Stimmberechtigten zusammenzubringen – und dann auszuzahlen: «Natürlich nicht dem Staat, sondern direkt den Stimmberechtigten, etwa an einem Fest auf dem Bundesplatz.» Wer wolle, werde dort seine 62 Rappen abholen können. Die nicht abgeholte Summe werde ins Fest investiert. Obs gelingt, steht definitiv in den Sternen. Gelinge es aber, müsse sich wohl auch der Staat überlegen, sich via Crowdfunding zu finanzieren statt Steuern einzuziehen, frotzelt Moser.

Ob Moser fürs Elektorat damit fassbarer wird, ist fraglich. Leicht macht er es ihm mit seinen wenig konformen Ansichten ohnehin nicht. Moser tritt insbesondere für eine Bodenwertsteuer und eine daraus finanzierte Bürgerdividende ein. Und er wagt einen komplizierten Balanceakt: Einerseits fühlt er sich im Umfeld der sogenannten Freeman-Bewegung aufgehoben, die den Staat in seiner heute bekannten Form grundsätzlich negiert. Moser selbst hat der Eidgenossenschaft 2008 mitgeteilt, er löse seinen «Vertrag» mit ihr auf, verabschiede sich also als Staatsbürger. Andererseits sucht er seine Rolle justement in den politischen Strukturen des Staatsgebildes, «aber nur, um ein viel gesünderes Verhältnis zwischen Mensch und ‹Staat› einzuführen».

Der Querkopf kann rechnen

Und was, wenns nicht gelingen sollte? Moser: «Wenn die zwei anderen gewählt werden, läuft das System halt noch eine Weile weiter wie bisher. Aber die Zeit spielt für mich.» Viele seien im Begriff aufzuwachen, also «sich von den Fesseln des Staates zu befreien». Wie gross die Zahl der «Aufwachenden» ist, kann Moser nicht abschätzen. In welchen Dimensionen er rechnet, zeigte Moser aber im «Bund»-Interview vom 22. Oktober: «Wenn all die unzufriedenen Nichtwähler und Politikverdrossenen checken, dass ich eine Alternative biete, müssten es zunächst etwa 350 000 Stimmen sein. Plus meine 4114 Stimmen aus dem ersten Wahlgang.» Die Quersumme seines «sehr symmetrischen» Ergebnisses sei übrigens exakt 10: «Schreiben Sie das, damit klar wird, dass der Querkopf durchaus Quersummen errechnen kann.» (Der Bund)

Erstellt: 05.11.2015, 10:35 Uhr

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