«Ich bekomme nicht so schnell Schweissausbrüche»

Der 20-jährige Landmaschinenmechaniker liebt das Landleben und beweist morgen sein Können am Swiss-Skills-Wettbewerb.

«Landmaschinenflüsterer» Michael Fischer in der Werkstatt.

«Landmaschinenflüsterer» Michael Fischer in der Werkstatt. Bild: Alexandra Jäggi

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Michael Fischer begrüsst den Besucher mit kräftigem Händedruck. Schliesslich arbeitet er in einem Metallberuf, als Landmaschinenmechaniker. Bis letzten Freitag hat er sich an anderen Ungetümen zu schaffen gemacht. Er absolvierte die Rekrutenschule in Thun, nicht bei den «Pänzelern», den «Gelben», sondern in der Instandhaltungsschule 50, bei den Panzermechanikern. Auf dem Sitzplatz hinter dem Soldatenhaus-Chalet erzählt er vom Schützenpanzer 63. Dieser wurde, wie der Name verrät, 1963 beschafft und enthält «relativ alte Technik», wie Fischer sagt: «2-Takt-Dieselmotoren gibts ja sonst heute kaum mehr.»

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Was der 20-Jährige beim Militär macht, unterscheidet sich nicht allzu sehr von der zivilen Berufstätigkeit. Fischer arbeitet in Lanzenhäusern in der Landmaschinenwerkstatt Staudenmann, wo er auch die Lehre absolviert hat. Während Automechatroniker bei den mit Elektronik vollgepackten Autos häufiger den Diagnose-Laptop behändigen als den schweren Hammer, gehts in der Landmaschinenwerkstatt richtig zur Sache: Einachser-Zuggeräte, Ladewagen, Pflüge, Traktoren. Da werde geschweisst, geschmirgelt und gehämmert oder ein Blech zurechtgebogen. «Bei uns sprühen oft die Funken.»

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Technik ist auch im Landmaschinenbau nicht stehen geblieben. Alte Schweizer Produzenten wie Bührer stellen keine Neufahrzeuge mehr her, Hürlimann, aufgekauft von Lamborghini, wurde vor Längerem in den Grosskonzern Same eingegliedert. Die Grosshersteller bauen in ihre Traktoren ebenfalls Elektronik ein. So kommt das Diagnosegerät auch in der Werkstatt in Lanzenhäusern zum Einsatz; es sagt dem Mechaniker mittels Fehlermeldung, wo etwas nicht rund läuft.

Fischer hat an Schulungen bei diesen Herstellern teilgenommen und wird dies weiter tun, um à jour zu bleiben. Aber auch, weil man an den Kursen im In- und Ausland Kollegen aus der Branche trifft. Die handfesten Tätigkeiten bereiten ihm jedoch mehr Spass, denn er ist ein Mann, der gerne zupackt. «Meine Freundin stören die Ölspuren an meinen Händen nicht.» Sie möge seinen Beruf und begleite ihn auch zu Landwirtschaftsmessen.

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Einen Draht zum bäuerlichen Leben hatte er schon immer, auch wenn seine in Toffen lebenden Eltern keine Landwirte sind. Er habe schon als Bub auf Bauernhöfen in der Verwandtschaft ausgeholfen, gemolken, Heu geladen, Ställe geputzt, aber am besten gefallen habe ihm die Landwirtschaftstechnik. Keine Überraschung also, dass er diese Lehre absolvierte. Gab es am ersten Tag Scherze von älteren Stiften? Diese schicken die Neuen oft in die Drogerie, um «ein Päckli rote Zündfunken» zu holen, «Ersatzbläterli für die Wasserwaage» im Lager – oder «Froschhaarpinsel», wie Fischer lachend ergänzt. Nein, ihm sei solches nie widerfahren.

«Mir gefällt das Leben auf dem Land: Es ist 
ruhiger und 
gemütlicher als in der Stadt.»

Morgen in Aarberg gilt es ernst. Dann zeigt Fischer, was er in der Lehre als Landmaschinentechniker gelernt hat – an der Schweizer Ausscheidung zu den Swiss Skills (siehe Box). «Ich stelle mir das etwa so vor wie bei der Lehrabschlussprüfung.» Man müsse eine praktische Aufgabe unter Zeitdruck lösen, gut überlegen, wie man es anpacke, und dann genau so machen. Er sei einer von 16 Ausgewählten, sagt Fischer.

Der Fachverband Agrotec habe ihn angefragt, weil er an der Abschlussprüfung eine 5,3 errungen habe. Wegen der RS habe er keine Zeit gehabt, sich umfassend auf den Wettbewerb vorzubereiten. «Ich mache gerne mit, bin aber überhaupt nicht verbissen.» Gut sei, dass er über Nervenstärke verfüge: «Ich bekomme nicht so schnell Schweissausbrüche.»

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Als nächsten Schritt will Fischer den Werkstattleiterkurs belegen. Und eine eigene Wohnung beziehen, eine WG mit Kollegen. Er werde auf dem Land bleiben, «sogar noch weiter ‹im Gaggo› als jetzt» wohnen. Ihm gefalle das Leben im Dorf. Er finde dort alles, was er brauche, und fühle sich überhaupt nicht abgehängt. Die Leute in der Stadt seien oft gestresst und «hässig», das passe ihm nicht, zudem sei es dort sehr anonym.

Auf dem Land kenne man sich, «brichtet zäme», alles gehe etwas ruhiger und gemütlicher zu und her: «Und wenn man abends auf dem Balkon einmal mit Kollegen ein Bierchen trinkt, alarmieren die Nachbarn nicht gleich die Polizei.» (Der Bund)

Erstellt: 20.03.2017, 06:51 Uhr

Berufsleute fahren nach Abu Dhabi

Die 16 besten Berufsleute aus den Berufen Landmaschinen-, Baumaschinen- und Motorgerätemechaniker messen sich morgen Dienstag und am Mittwoch in Aarberg an den Swiss Skills. Sie haben vier Posten zu absolvieren: mechanische Antriebe, Motoren, Elektrik und Hydraulik. Wer einen der drei Podestplätze erreicht, erhält als Preis ein Stipendium für eine Weiterbildung.

Die Gesamtpreissumme beträgt 100'000 Franken. Die Vertreter der Schweiz mit ihrem dualen Ausbildungssystem machen an internationalen Berufswettbewerben immer wieder eine gute Figur und messen sich an den Euro Skills mit den Besten Europas. Vom 14. bis 19. Oktober 2017 finden in Abu Dhabi die World Skills statt, quasi die Berufs-Weltmeisterschaften.

Der Berner Landmaschinenmechaniker Adrian Krähenbühl wird dabei sein. Im Jahr 2018 werden die Schweizer Ausscheidungen aller Berufe, die Swiss Skills, wiederum in Bern ausgetragen werden – wie schon 2014.

Michael Fischer, Landmaschinenmechaniker aus Toffen (Haupttext), findet es toll, dass er teilnehmen kann. Doch die Konkurrenz sei gross: «Es kommt sehr auf die Tagesform an.» (mdü)

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