Ein Stachel im Fleisch der SBB

Ein echter Wettbewerb um die Konzessionsvergabe bei den Fernverkehrslinien sollte die Bahnkunden freuen.

Wie gross wird das Netz der BLS in Zukunft sein?

Wie gross wird das Netz der BLS in Zukunft sein? Bild: Franziska Rothenbühler

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Die BLS hat grosse Ambitionen: Sie will künftig ein Netz betreiben, das vom Genfersee bis zum Bodensee reicht. 2004 wurde die BLS auf den staatlich subventionierten Regionalverkehr zurückgedrängt. Nun wird die defizitäre BLS-Linie nach La Chaux-de-Fonds aber dem Fernverkehr zugeteilt. Der Fernverkehr muss ohne Subventionen auskommen. Um unter dem Strich trotzdem Gewinn zu schreiben, will sich die BLS jetzt auch diverse rentable Fernverkehrslinien sichern.

Nachdem die Verhandlungen mit den SBB im Februar geplatzt sind, stellt die BLS nun Maximalforderungen. Sie will auch Fernverkehrslinien zwischen Brig, Basel und Romanshorn übernehmen. Dabei handelt es sich nicht um Intercity-Linien, sondern um die heutigen Interregios der SBB. Der Bund hat bereits klargemacht, dass das «Premiumnetz» der Intercitys bei den SBB bleiben wird. Doch bei den restlichen Fernverkehrslinien darf sich die BLS realistische Chancen ausrechnen, künftig die eine oder andere Strecke fahren zu können. Denn im Bundesamt für Verkehr ist man einer Mehrbahnenlösung nicht abgeneigt. Dies weil das Verhalten der Monopolistin SBB dort sauer aufstösst.

Es ist gut für die Bahnkunden, wenn der Konzessionsvergabe im Herbst ein echter Wettbewerb vorausgeht. Die kleine BLS kann mit guten Ideen und verbesserten Leistungen als Stachel im Fleisch der SBB wirken. So schlägt sie vor, verschiedene Interregio- und Regioexpress-Linien von und nach Bern aus Effizienzgründen zusammenzuhängen. Bern würde so zum echten Durchgangsbahnhof. Den Passagieren ist es egal, ob sie in einen Zug der SBB oder der BLS steigen, solange beide in das Fahrplan- und Tarifsystem integriert sind und solange das Rollmaterial gut unterhalten ist.

Die SBB behaupten, die BLS-Lösung verursache hohe Mehrkosten. Die BLS sagt hingegen, dank der zusammengehängten, längeren Linien seien die Betriebskosten deutlich tiefer als bisher. Wer die besseren Argumente hat, wird der Bund im Herbst entscheiden müssen. Doch vielleicht finden die beiden Unternehmen bis dahin doch noch eine bilaterale Lösung. (Der Bund)

Erstellt: 20.04.2017, 07:03 Uhr

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