Doppelt bitter für die Umweltverbände

Die Grimselstaumauer darf nun doch erhöht werden. Für Umweltverbände eine böse Überraschung. Ein Kommentar von Simon Thönen

Die Grimselstaumauer im Frühling 2011.

Die Grimselstaumauer im Frühling 2011. Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Das Bundesgerichtsurteil zur Erhöhung der Grimselstaumauer ist eine bittere Überraschung für die Umweltengagierten, die teilweise seit Jahrzehnten gegen das Projekt kämpfen. Dies umso mehr, als ihnen die Vorinstanz auf der ganzen Linie recht gegeben hatte. Auch wenn das Bundesgericht dies in seiner Argumentation verneint, schwächt sein Urteil faktisch den Moorschutz in der Schweiz – und damit einen der grössten Erfolge des Naturschutzes.

Immerhin können die Gegner sich zugutehalten, dass sie das erste, wahrhaft gigantische Projekt für eine neue Grimselstaumauer verhindert haben. Es hatte vor dreissig Jahren den Zweck, möglichst viel Atom- und Kohlestrom aus dem Ausland zu Spitzenstrom zu veredeln.

Auch das aktuelle, deutlich reduzierte Projekt der KWO soll Strom quasi veredeln – weil mit der höheren Staumauer mehr Wasser zurückgehalten werden kann, ermöglicht dies eine Verlagerung der Stromproduktion in das Winterhalbjahr. Doch im gegenwärtigen Umfeld nützt dies auch der Energiewende. Denn Solarstrom fällt vor allem im Sommerhalbjahr an – es braucht einen Ausgleich. Genau aus diesem Grund haben sich auch viele bernische Grüne und Sozialdemokraten für das Projekt ausgesprochen.

Dennoch ist es zusätzlich bitter für die Umweltverbände, dass die KWO die höhere Staumauer auch mit Fördergeldern aus der Energiestrategie bauen würde – für die sie gegenwärtig einen Abstimmungskampf führen. Doch wem die Umwelt am Herzen liegt, hat keine andere Wahl als ein Ja in die Urne zu legen. Denn die Alternative sind Importe mit einem hohen Anteil Kohle- und AKW-Strom – und in ein paar Jahrzehnten erneut ein Grosskampf um neue AKW in der Schweiz.

Trotzdem sollte die KWO nun gut abwägen, ob sie die Grimselstaumauer erhöhen will. Denn sie hat mit dem Trift-Projekt eine Alternative. Es stünde ihr gut an, die Kompromissbereitschaft zu honorieren, welche die Umweltverbände beim Trift-Projekt bisher gezeigt haben. (Der Bund)

Erstellt: 05.04.2017, 20:58 Uhr

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