Der Macher wurde ein stiller Schaffer

Bernische Ständeratskandidaten: Seit Hans Stöckli Ständerat ist, wurde es um Biels ehemaligen Stadtpräsidenten ruhig.

Er ist ein «geerdeter Realpolitiker» im Ständerat: Hans Stöckli.

Er ist ein «geerdeter Realpolitiker» im Ständerat: Hans Stöckli. Bild: Adrian Moser

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«Hans wieder ins Stöckli.» So simpel lautet sein Wahlslogan. Hans Stöckli versucht gar nicht erst, politische Ansichten hinüberzubringen. Wer ihn kennt, weiss, wofür er steht. Darauf vertraut er nach 36 Jahren in der Politik. Hans will einfach wieder ins Stöckli, dort seine Arbeit fortsetzen und auch einmal eine wichtige Kommission präsidieren.

Auf keinen Fall will der 63-Jährige seine langjährige politische Karriere mit einer Niederlage beenden. Dafür kämpft Stöckli seit Wochen mit Elan, beim Pensioniertenverein Langenthal genauso wie auf den Strassen der Bundesstadt. Und dafür nimmt er auch viel Geld in die Hand. 200?000 Franken kostet der Wahlkampf des SP-Kandidaten. So viel Geld steht höchstens noch dem SVP-Konkurrenten Nationalrat Albert Rösti zur Verfügung.

Stöckli weiss, dass es am 18. Oktober eng wird. Einen zweiten Wahlgang hat er jedenfalls bereits eingeplant. Vor vier Jahren schaffte er es zwar, das SVP-Aushängeschild Adrian Amstutz aus dem Ständerat zu drängen. Jetzt tritt neben dem bisherigen Werner Luginbühl mit Albert Rösti aber ein weiterer – zumindest im Auftritt – gemässigter bürgerlicher Herausforderer an. Dennoch sind Stöcklis Wahlchancen intakt. Er gilt als volksnaher, undogmatischer und wirtschaftsfreundlicher Linker und kann mit Stimmen bis weit in die Mitte rechnen.

Der Bisherigen-Bonus wird ihm sicher helfen, auch wenn es um Stöckli in den letzten Jahren eher ruhig geworden ist. Einst war er der König von Biel, der seine Stadt aus der kollektiven Depression geführt und ihr zu neuem Schwung verholfen hat. Doch fünf Jahre nach dem Rücktritt als Stadtpräsident verblassen seine Taten allmählich. Mit einem fulminanten Wahlkampfauftakt in «seiner» eben erst fertig gestellten Tissot-Arena in Biel musste er daran erinnern.

Heute fragen sich manche: Was tut Stöckli eigentlich in Bern? In den vergangenen vier Jahren hat der Jurist im Ständerat keinen Tag gefehlt, sich 122 Mal zu Wort gemeldet und über 20 Gesetze beeinflusst. Er arbeitet in vier Kommissionen mit und wird bald zum Präsidenten der Geschäftsprüfungskommission aufsteigen. Als Lobbyist für den Kanton Bern hat er sich zudem für den Innovationspark oder die Zweisprachigkeit eingesetzt – meist im Einklang mit seinem BDP-Kollegen Luginbühl. Im Ständerat sind aber kaum grosse Würfe möglich, es ist vielmehr die politische Kleinarbeit, welche Stöcklis Alltag prägt.

Dafür bekommt er jedoch gute Noten: «Er ist ein geerdeter Realpolitiker, der seriös und gewissenhaft und mit Freude seine politische Arbeit macht», sagt die Zürcher GLP-Ständerätin Ve­rena Diener, die mit Stöckli in zwei Kommissionen zusammenarbeitet. Und auch im gegnerischen Lager schätzt man den Bieler: «Stöckli argumentiert fundiert und kann auf viel Erfahrung aufbauen», sagt der Schwyzer SVP-Ständerat Peter Föhn, der Stöckli ebenfalls aus zwei Kommissionen näher kennt.

Stöckli ist «ein flotter Kerl»

Diener hebt auch hervor, dass Stöckli keine Berührungsängste über die Parteigrenzen hinweg kenne. Föhn teilt diese Einschätzung allerdings nur halb: Manchmal sei Stöckli durchaus offen, er könne aber auch ziemlich dogmatisch die Parteilinie vertreten. Menschlich sei er aber auf jeden Fall «ein flotter Kerl», sagt Föhn – und auch Diener schätzt Stöcklis «liebenswürdigen Schalk».

Im Ständerat, der als Kammer der besonnen und ruhig argumentierenden Politiker gilt, hat sich Stöckli auf jeden Fall besser eingelebt als vorher im lauten Nationalrat. Aus dem Macher auf lokaler Ebene ist jedoch ein stiller Schaffer im Ständerat geworden – einer unter 46. Anstatt um grosse Infrastrukturprojekte, die Neuansiedlung von Firmen oder die Expo.02 kümmert er sich nun um Facetten der Altersvorsorge, der Masseneinwanderungsinitiative, der Swiss-made-Vorlage oder der Gesundheitspolitik.

Wer mit ihm spricht, spürt immer noch sein Feuer und Engagement. Doch was treibt ihn nach den vielen Jahren in der Politik eigentlich noch an? Stöckli kann einfach nicht anders. Er ist ein Animal politique, das aus tiefer Verbundenheit zu seiner Region, seinem Kanton und seinem Land etwas bewegen will. Vier Jahre braucht er wohl noch, bis er etwas kürzer treten wird. (Der Bund)

Erstellt: 28.09.2015, 10:20 Uhr

Der breite Angriff aufs Stöckli bleibt ein Kampf der drei

Nicht weniger als elf Kandidatinnen und Kandidaten möchten den Kanton Bern in den kommenden vier Jahren im Ständerat vertreten. Reale Chancen haben dürften die Amtsinhaber Hans Stöckli (SP) und Werner Luginbühl (BDP) sowie der Herausforderer von der SVP, Albert Rösti.


Neben dem Favoritentrio stehen weitere Personen zur Auswahl: Für die Grünen tritt Nationalrätin Christine Häsler an, für die FDP Claudine Esseiva. Die GLP schickt Nationalrat Jürg Grossen ins Rennen und die EVP Nationalrätin Marianne Streiff. Sie erhoffen sich von der Ständeratskandidatur wohl nicht zuletzt auch einen Schub für die Wahl respektive Wiederwahl in den Nationalrat. Chancenlos sind wohl die Kandidaturen von Denis Simonet und Jorgo Ananiadis von der Piratenpartei und der beiden Parteilosen Josef Rothenfluh und Bruno Moser. Angesichts der vielen Bewerber ist ein zweiter Wahlgang wahrscheinlich. Der DerBund.ch/Newsnet präsentiert diese Woche alle Ständeratskandidatinnen und Ständerats­kandidaten in Porträts.

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