Kanton stoppt Hotel-Grossprojekt in Mürren

Die Baudirektion heisst Beschwerden gegen das Projekt «The Myrrhen» gut.

76 Wohnungen sollen mit dem Projekt «The Myrrhen» entstehen.

76 Wohnungen sollen mit dem Projekt «The Myrrhen» entstehen. Bild: Projektbild/zvg

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Es ist ein unerwarteter Entscheid des Kantons: Die Bau- und Verkehrsdirektion (BVE) heisst eine Beschwerde von dreizehn Einsprechern gut und verwehrt dem Hotel-Grossprojekt «The Myrrhen» in Mürren die Baubewilligung.

Damit ist das Projekt mit vier Neubauten, die 76 Wohnungen und 262 Hotelbetten enthalten sollten, vorerst gestoppt. Das Projekt ordne sich nicht genügend ins Ortsbild ein und verstosse gegen die Vorgaben des kommunalen Baureglements, wie die BVE am Dienstag in einer Mitteilung schrieb. Das Projekt sei «zu voluminös» und weise «ortsfremde Proportionen» auf.

Zudem halte das eingegebene Projekt die Baubestimmungen der Gemeinde nicht ein, wonach oberhalb einer bestimmten Höhe maximal vier Vollgeschosse und ein Dach- oder Attikageschoss zulässig sind. Noch im Frühling letzten Jahres hatte der Interlakner Regierungsstatthalter Martin Künzi die Einsprachen der dreizehn Nachbarn abgewiesen und dem Projekt die Baubewilligung erteilt. Man kommentiere keine Entscheide einer höheren Instanz, heisst es beim Regierungsstatthalteramt auf Anfrage.

Weiterzug noch unklar

Anders der Direktor der Schilthornbahnen, Christoph Egger. Das Bahnunternehmen gehört mit der Zürcher Generalunternehmung Steiner AG und der MHBD Swiss Resort Management des ehemaligen Schweiz-Tourismus-Direktors Marco Hartmann zu den Projektpartnern von «The Myrrhen». Offenbar spreche der Kanton der Denkmalpflege, dem Heimatschutz und der Projektjury die ästhetische Kompetenz ab und verlasse sich lieber auf die Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK), sagte Egger leicht sarkastisch.

Tatsächlich hatten sich im Planungsverfahren sowohl Heimatschutz als auch Denkmalpflege positiv zum Projekt geäussert. Der Entscheid des Kantons stützt sich nun auf die Beurteilung der OLK, einer kantonalen Kommission, die zu einem gegenteiligen Befund kam. Ob der Entscheid weitergezogen wird, sei Sache der Steiner AG, welche das Baugesuch eingereicht hatte, so Egger.

Die Schilthornbahnen als Grundeigentümer seien aber weiterhin sehr interessiert, das Projekt zu realisieren. Es brauche weitere Hotelbetten in Mürren, «das ist eine existenzielle Frage», sagt Egger.

Für eine definitive Stellungnahme sei es noch zu früh, sagt Edith Müller, Kommunikationschefin der Steiner AG. «Wir sind überrascht und bedauern den Entscheid.» Ob man diesen an das Verwaltungsgericht weiterziehen werde, müsse man erst analysieren. «Wir halten uns alle Optionen offen», so Müller.

Der Hotelneubau «The Myrrhen» ist bereits seit 2011 in Planung. Demnach sollen neben den 76 Wohnungen im bestehenden Gebäude der Alten Post ein Empfang, eine Lobby und ein Frühstücksraum entstehen. Der Bau ist im Dorf umstritten. So hat Martin von Allmen, einer der jetzt erfolgreichen Beschwerdeführer, im letzten Jahr 529 Unterschriften für eine Kollektiveinsprache gesammelt.

Er sei erfreut, dass die höchste Baubehörde im Kanton die Einschätzung der Beschwerdeführer teile, sagte von Allmen. Eine detaillierte Stellungnahme könne er aber erst nach Studium des Entscheids abgeben. (Der Bund)

Erstellt: 10.01.2017, 13:20 Uhr

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