Zwei unterschiedliche Wege, um ein AKW abzureissen

Die BKW will das AKW in einem Zug demontieren. Es gibt aber auch einen anderen Weg zurück zur grünen Wiese.

Es führen verschiedene Wege zur Abschaltung des AKW Mühleberg.

Es führen verschiedene Wege zur Abschaltung des AKW Mühleberg. Bild: Adrian Moser

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Sobald die Brennstäbe aus einem AKW entfernt sind, ist das nukleare Risiko einer Kernschmelze nicht mehr vorhanden. Im Innern bleibt die Anlage aber verstrahlt – der Rückbau ist eine Herausforderung. Grundsätzlich gibt es dafür zwei Möglichkeiten. Die BKW hat sich für die schwierigere Variante entschieden: den direkten Rückbau.

Nach der Planung der BKW werden die Brennstäbe 2024 entfernt. Unmittelbar danach sollen hoch spezialisierte Firmen gemeinsam mit einem Teil des AKW-Personals mit dem Rückbau beginnen. Dabei müssen die verstrahlten Teile des Reaktors zerlegt und so weit wie möglich von Strahlung befreit werden. So werden radioaktive Teile mit Säuren und Sandstrahlern behandelt. Wegen der noch hohen Strahlung in der Anlage ist die Arbeit schwierig und mit Risiken für die Gesundheit der eingesetzten Fachkräfte verbunden. Bis zur grünen Wiese dauert es nach der Planung der BKW knapp zehn Jahre bis 2033.

Alternative: «Sicherer Einschluss»

Die neue Richtlinie der Atomaufsicht Ensi zur Stilllegung von Kernanlagen nennt aber auch einen zweiten möglichen Weg, den sogenannten sicheren Einschluss. Dabei werden mit den nuklearen Brennstäben auch andere Gefahrenherde aus der Anlage entfernt. Das ehemalige AKW wird dann abgeschottet – im Extremfall für Jahrzehnte. Erst wenn die Strahlung im Innern stark abgeklungen ist, wird es abgerissen.

Die BKW «schliesst diese Methode nicht völlig aus», sagt Kommunikationschef Martin Schweikert, «wir bevorzugen aber einen direkten Rückbau». Dies vor allem aus zwei Gründen. «Wenn die Anlage über zehn oder zwanzig Jahre eingeschlossen würde, ginge das Wissen unseres Personals über die Anlage verloren.» Dieses sei aber «sehr nützlich für den fachgerechten Rückbau». Zudem sei es «nicht angebracht, die Aufgabe des Rückbaus auf die Schultern der nächsten Generation zu verlagern». Jürg Joss vom Komitee «Mühleberg stilllegen» fände es dagegen angebracht, den «sicheren Einschluss» zu prüfen. Im Siedewasserreaktor Mühleberg sei die Verstrahlung ohnehin deutlich höher als etwa im AKW Beznau. Dass die Strahlenbelastung beim Rückbau für das eingesetzte Personal nach einer Zeit des Abwartens viel tiefer sei, «ist ein grosser Vorteil».

Fest steht: Beide Varianten lassen sich auch kombinieren. Das schafft Flexibilität. Falls die BKW nach einer sofortigen AKW-Abschaltung mit der Planung des direkten Rückbaus überfordert wäre, dann könnte sie das AKW auch einige Jahre einmotten und den Rückbau entsprechend später starten. (st) (Der Bund)

(Erstellt: 18.04.2014, 13:24 Uhr)

Abschaltung: Die Rechtslage

Die BKW betont stets, dass sie eine Bewilligung für die Stilllegung von Mühleberg brauche. Das ist richtig und dennoch missverständlich. Für die Abschaltung des AKW braucht die BKW keine Bewilligung. Sie ist im Gegenteil sogar verpflichtet, das Werk von sich aus sofort abzuschalten, falls die Minimalbedingungen für die Sicherheit nicht mehr erfüllt sind. Dies hat die BKW im Sommer 2011 auch getan, als eine Studie zeigte, dass die Notkühlung des Reaktors bei einem Extremhochwasser verstopfen könnte.

Auch für den Nachbetrieb des AKW in den fünf Jahren nach der Abschaltung braucht ein Betreiber keine neue Bewilligung. Diese Phase fällt laut der neuen Richtlinie zur Stilllegung von Kernanlagen der Atomaufsicht Ensi noch unter das Regime der Betriebsbewilligung.

Erst für den eigentlichen Rückbau des Atomkraftwerks ist eine neue rechtliche Bewilligung nötig, eine Stilllegungsverfügung des Eidgenössischen Energiedepartements (Uvek). Ein Projekt für die Stilllegung muss ein Betreiber «spätestens zwei Jahre nach der endgültigen Ausserbetriebnahme» vorlegen. (st)

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