Zusätzliche Millionen für junge Asylsuchende

Für die Unterbringung von minderjährigen Asylsuchenden ohne Eltern hat der Kanton Bern nun mehr Geld zur Verfügung. Der Grosse Rat gab am Dienstag einen Zusatzkredit von je 3,3 Millionen Franken fürs laufende und fürs nächste Jahr frei

Der Grosse Rat hat einen Zusatzkredit für die Unterbringung minderjähriger Asylsuchender gesprochen.

Der Grosse Rat hat einen Zusatzkredit für die Unterbringung minderjähriger Asylsuchender gesprochen. Bild: Keystone

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Einzig die SVP widersetzte sich dem Zusatzkredit. Sie blieb aber chancenlos. Das Parlament gab das Geld mit 107 zu 38 Stimmen bei 6 Enthaltungen frei.

Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden im Kanton Bern hat sich in letzter Zeit auf 140 verdoppelt. Knapp 100 sind in speziellen Zentren in Bärau und Belp untergebracht, der Rest in Pflegefamilien.

Der im letzten September gesprochene Kredit von 3,6 Millionen Franken reiche nur für gut 70 Kinder und Juhendliche, machte der Regierungsrat geltend. Er rechnet neu mit jährlichen Kosten von 6,9 Millionen Franken.

Gegen «Luxuslösungen»

Gegen den Zusatzkredit wehrte sich die SVP. Die ältesten Minderjährigen könnten auch in ordentlichen Asylzentren leben, befand Sabina Geissbühler-Strupler. Dann habe es für die Jüngeren genug Platz in Belp und Bärau.

So sah es auch der SVP-Grossrat Thomas Knutti. Die vielen 17- und 18-jährigen Burschen seien keine Kinder mehr, für sie brauche es keine «Luxuslösungen» in eigens für sie eingerichteten Heimen. Andere Kantone hielten dies auch nicht für nötig.

Kinderschutz gewährleisten

Mit dieser Haltung blieb die SVP allein auf weiter Flur. Ohne Zusatzkredit riskiere man, dass der Kinderschutz nicht mehr gewährleistet sei, mahnte etwa Christoph Ammann namens der SP.

Die Grundsatzdiskussion über die Unterbringung von asylsuchenden Kindern habe der Rat bereits letztes Jahr geführt, ergänzte Philippe Müller für die FDP. Die Mehrkosten seien eine Tatsache, am Zusatzkredit führe kein Weg vorbei.

«Wir können keine Kriege stoppen und keine Flüchtlingsströme», sagte die BDP-Sprecherin Anita Luginbühl. «Aber wir können 140 kriegstraumatisierten Kindern unseren Schutz bieten.» Dieser Meinung waren auch die Grünen, die Grünliberalen und die EVP.

Käser: Kosten nicht zu vermeiden

Polizeidirektor Hans-Jürg Käser warb ebenfalls für den Zusatzkredit. Gebe man diesen nicht frei, könne vielleicht der eine oder andere 18-Jährige in einem normalen Asylzentrum untergebracht werden.

In vielen Fällen brauche es aber eine Lösung mit einer Pflegefamilie, was auch Kosten verursache. Es sei eine Illusion zu glauben, mit der Verweigerung des Zusatzkredits könne man Kosten vermeiden. (gbl/sda)

Erstellt: 17.03.2015, 10:55 Uhr

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