Titelschwindel an den UPD bestätigt

Die Kaderfrau an den Universitären Psychiatrischen Diensten, Indira Lütolf, ist weder Ärztin noch Professorin. Nach dem Bescheid der Universität Tuzla in Bosnien-Herzegowina ist ihr fristlos gekündigt worden.

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Die Leiterin des Qualitätsmanagements der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern hat geschwindelt. Sie ist seit Montag nicht nur endgültig ihre Titel «Dr. med, Prof. h. c.», sondern auch ihren Job los. Nach einem Bescheid der Universität Tuzla in Bosnien-Herzegowina, der keine Zweifel offenlässt, haben die UPD Indira Lütolf fristlos gekündigt. Ausserdem wird die interimistische Geschäftsleitung Strafanzeige einreichen, wie sie gestern bekannt gab.

Nicht von Tuzla ausgestellt

Die UPD hatten vor rund drei Monaten die angebliche Heimuniversität abklären lassen, ob tatsächlich ein Ehrenprofessor- und ein Doktortitel an Lütolf vergeben worden waren. Die Antwort zeigt: Die Diplome wurden nie an sie ausgestellt und sind nicht echt. Wie Lütolf zu den falschen Diplomen oder Bestätigungen gekommen sei, ob sie sie gekauft oder selber gefälscht habe, wisse man nicht, sagte UPD-Mediensprecherin Susanna Regli gestern auf Anfrage.

Das zu klären, könnte jetzt eine Aufgabe der Strafbehörden werden. Dass die UPD Strafanzeige gegen die frühere Kaderfrau erhöben, sei sozusagen Pflicht, sagt Regli. «Uns bleibt nichts anderes übrig. Die Mitarbeiterin hat mittels Amtsanmassung und allenfalls Urkundenfälschung die Arbeitgeberin UPD belogen.» Von Lütolf Lohn zurückzufordern, sei vorerst kein Thema. Dafür müsste auch noch ein zivilrechtliches Verfahren eröffnet werden.

Im November hatte die UPD-Interimsleitung gegen Indira Lütolf bereits ein Kündigungsverfahren eingeleitet. Obwohl noch offen war, ob sie ihre Titel tatsächlich zu Recht trug, sahen die UPD «die notwendige Basis für eine weitere Zusammenarbeit leider nicht mehr». Seither hat Lütolf zwar weiterhin Lohn bezogen, musste ihrem Arbeitsplatz aber fernbleiben. Die fristlose Kündigung bedeutet, dass sie keine Entschädigung erhält.

Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) sieht nunmehr «keinen Anlass», weitergehende Untersuchungen oder rechtliche Schritte einzuleiten, weder gegen Lütolf noch gegen die UPD-Verantwortlichen, wie Sprecher Jean-Philippe Jeannerat auf Anfrage sagt. Im November hatte die GEF dies noch offengelassen. Jeannerat sagt: «Das ist Sache des Arbeitgebers.» Aus der Direktion Philippe Perrenouds (SP) gibt es keine umfassenden Auskünfte. Als Grund wird genannt, dass sie als Beschwerdeinstanz auftritt, falls Lütolf die fristlose Kündigung nicht akzeptiert.

Dr. med. war gar nicht verlangt

Die UPD bleiben dabei, dass die falschen Titel keine Rolle bei der Vergabe der Stelle gespielt hätten. Für die Stabsstelle soll nicht einmal ein medizinischer Abschluss gefordert worden sein. Lediglich ein abgeschlossenes Studium und Berufserfahrung im medizinischen Controlling musste Lütolf vorweisen. Deshalb sei auch nicht sicher, ob Diplome für die gefälschten Titel Dr. med und Prof. h. c. überhaupt vorgelegt wurden, sagt Mediensprecherin Regli. Lütolfs Berufserfahrung bezöge sich damit auf die Tätigkeit am Universitätsspital Bern, wo sie von 2002 bis 2011 tätig war – erst als administrative Studienbegleiterin, später im Medizin-Controlling, wie das Inselspital mitteilt. «Mit Patienten hatte sie nie zu tun, daher spielte ein allfälliger Doktortitel der Medizin keine Rolle», so Insel-Mediensprecher Markus Hächler. Hat Lütolf wegen der gefälschten Titel aber mehr verdient? Dazu schweigen die UPD und verweisen aufs Personalrecht.

«Endlich Klarheit»

Die UPD zieht bis auf die fristlose Kündigung keine weiteren internen Konsequenzen. «Uns gibt das endlich einmal Klarheit», sagt Susanna Regli. Sie erinnert daran, dass der Bereich Qualitätsmanagement, E-Health und Medizin-Controlling neben der Geschäftsleitung ein weiterer Bereich unter interimistischer Leitung gewesen sei. «Die Stelle kann jetzt wieder neu besetzt werden, das gibt Sicherheit.» Nach dem Fall Lütolf werden die UPD laut Regli aber mehr Sorgfalt bei der Verwendung von Professorentiteln aus dem Ausland anstreben. «Wir haben schon eingeräumt, dass wir das in dieser Sache versäumt haben.»

(Der Bund)

(Erstellt: 22.01.2013, 06:49 Uhr)

Kantonsparlament will Klarheit

Im Kantonsparlament sind mehrere Vorstösse zu den Personalgeschäften betreffend die Leiterin des Qualitätsmanagements, Indira Lütolf, und den Leiter der Psychiatrie, Werner Strik, eingegangen. Erste werden nächste Woche beraten. SVP-Fraktionspräsident Peter Brand fordert in seinem im Oktober eingereichten Vorstoss sofortige personelle Konsequenzen. Er zielt damit vor allem auf die UPD-Vorsitzende Regula Mader. Gefordert werden auch neue Strukturen für die UPD-Leitung. Die GLP setzt sich zusammen mit SVP, FDP und BDP dafür ein, dass neben der Geschäftsleitung ein «verwaltungsratsähnliches» Gremium installiert wird. Philippe Müller (FDP) fordert ebenfalls neue Führungsstrukturen. In einer Anfrage will er ausserdem wissen, ob es stimme, dass sich der Regierungsrat mehrere Jahre lang über Werner Strik habe Bericht erstatten lassen.

Die neue Begleitgruppe für die UPD-Leitung, das sogenannte Board, hat sich am vergangenen Freitag zum ersten Mal getroffen, wie die Gesundheits- und die Erziehungsdirektion gestern mitteilten. Der «Fall Lütolf» war dabei kein Thema. Das gelte für alle bestehenden Personalfragen, sagte Robert Furrer, der Vorsitzende des Boards, auf Anfrage.

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