Bern

Thuner Seespiele wechseln die Führung

Von Anita Bachmann. Aktualisiert am 24.03.2012

Mitgründer Andreas Stucki ist krank, jetzt übernimmt Andreas W. Maurer als neuer Verwaltungsratspräsident das Ruder.

Die Thunerseespiele AG ist im Umbruch, doch die Show muss weitergehen.

Die Thunerseespiele AG ist im Umbruch, doch die Show muss weitergehen.
Bild: Valérie Chételat (Archiv)

Der Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer der Thunerseespiele AG, Andreas Stucki, ist schwer krank, deshalb zieht er sich per sofort aus dem Tagesgeschäft und als Verwaltungsratspräsident zurück. Das teilte die neue Spitze des Unternehmens gestern vor den Medien mit. Der 63-jährige Stucki, ein Mitbegründer der Thuner Seespiele, leide an Asbestkrebs, sein Gesundheitszustand sei kritisch, und man müsse mit allem rechnen, hiess es.

Als neuer Verwaltungsratspräsident stellte sich Andreas W. Maurer vor. Maurer ist Inhaber eines Wirtschaftsberatungsbüros in Thun und sei auf Wunsch und Antrag von Stucki gewählt worden. «Es ist für mich eine grosse Herausforderung, ich gehe die Aufgabe mit grossem Respekt an», sagte Maurer. Und er wolle ganz im Sinn und Geist des Mitbegründers für das hohe Niveau der Seespiele auf unbeschränkte Zeit besorgt sein. Maurer ist auch Geschäftsleiter der Parkhaus Thun AG, die die beiden Parkhäuser City West und City Nord in Thun betreibt, sowie Geschäftsführer der Selve Park AG.

Zum zehnten Mal wird diesen Sommer ein Musical auf der Seebühne beim Lachen-Areal in Thun aufgeführt. Die Arbeiten für das Musical «Titanic», das im Juli und August über die Bühne gehen soll, seien auf Kurs, sagte Ueli Schmocker, Verwaltungsrat und bis auf weiteres neuer Geschäftsleiter.

Kritik und Vorwürfe

Nebst Schmocker zieht mit Rolf Schnell auch ein ehemaliger Verwaltungsratspräsident wieder in das Gremium ein. Stucki selber wurde erst Verwaltungsratspräsident, nachdem Franziska von Weissenfluh nach nur siebenmonatiger Ausübung des Amts vor eineinhalb Jahren zurückgetreten war. Als vor einem Jahr auch der damalige Geschäftsführer Christopher Wehrli nach einem kurzen Gastspiel wieder ging, übernahm Stucki auch die operative Führung der Firma.

Im Zusammenhang mit diesen Abgängen wurde Kritik an seinem Führungsstil laut. Machtgehabe wurde Stucki zudem vorgeworfen, als sich 2006 der Regisseur Ueli Bichsel von den Thunerseespielen trennte. Bichsel gilt als Initiant der Seespiele und besass 49 Prozent der Aktien, die ihm bei der Trennung vom Unternehmen ausbezahlt wurden.

Universelle Eigenproduktionen

Hauptaktionär ist heute Andreas Stucki, der trotz seiner Krankheit im Verwaltungsrat bleibt. In Zukunft solle es aber möglich sein, ungeachtet von Stuckis Engagement finanziell gesund zu sein, sagte Urs Blaser, langjähriger Berater der Thunerseespiele und neuer Verwaltungsrat. Stucki habe die Entwicklung neuer Stücke finanziell zwar unterstützt. Indem das Musical «Dällebach Kari» nach Thun und Zürich ab September in Bern bereits zum dritten Mal aufgeführt werde, komme aber auch wieder etwas zurück, sagte Schnell.

Um dieses Konzept für die Zukunft noch zu optimieren, soll für nächstes Jahr wieder eine Eigenproduktion entwickelt werden, allerdings neu in Schriftsprache und nicht mehr in Mundart, wie bei den bisherigen beiden Eigenproduktionen «Dällebach Kari» und «Gotthelf». Dialektstücke zu realisieren, sei anspruchsvoll, alleine die Suche der Schauspieler sei schwierig, sagte Geschäftsführer Schmocker. Zudem lasse sich ein Musical in Mundart mit Lokalbezug wie «Dällebach Kari» und «Gotthelf» nur an beschränkt vielen Orten aufführen.

Das Musical, das für nächstes Jahr entwickelt werde, soll deshalb international, ja universell sein. Schmocker betonte, dass die Thunerseespiele – auch dank Stuckis Engagement – internationales Niveau erreicht hätten. Man könne sich heute mit Wien, München oder Hamburg messen. Ob die Eigenproduktionen künftig auch ins Ausland exportiert werden sollen, ist nicht klar. Allerdings betonte Schmocker, man wolle sich nicht explosionsartig weiterentwickeln.

Titanic wird nachgebaut

In den letzten Monaten habe man durch den Ausfall von Stucki viel improvisieren müssen. Es sei deshalb wichtig, die Strukturen und Abläufe zu festigen, sodass die künstlerische Weiterentwicklung der Seespiele auf einer stabilen finanziellen Basis erfolgen könne, hiess es. Und es gelte, sich mit «voller Kraft voraus», wie sich Schmocker ausdrückte, für das kommende Musical «Titanic» zu engagieren. Bereits am 10. April soll die von einer Thuner Firma nachgebaute Titanic mediengerecht getauft werden. Beim Vorverkauf der Billette sei man zudem massiv über den Zahlen des Musicals «Dällebach Kari». Das bisher erfolgreichste Musical der Thunerseespiele lockte 2010 76'000 Besucher an. (Der Bund)

Erstellt: 24.03.2012, 11:44 Uhr

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