Bern
«Krokus» macht nun auch Prävention
Von Timo Kollbrunner. Aktualisiert am 15.08.2012 5 Kommentare
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«Die präventiv wirkende Präsenz von Fusspatrouillen der Kantonspolizei im Stadtgebiet wird im Jahr 2012 um 10'000 Stunden und ab 2013 um 20'000 Stunden jährlich erhöht» – so sah es der gemeinderätliche Gegenvorschlag zur Initiative «Für eine sichere Stadt Bern» vor, zu dem im März 2010 knapp 54 Prozent der Bernerinnen und Berner Ja sagten. Das Stimmvolk sprach sich mit diesem Votum für einen Kompromiss aus. Das bürgerliche Initiativ-Komitee hatte die Polizeipräsenz in der Stadt um 45'000 auf insgesamt 110'000 Stunden erhöhen wollen.
Gestern nun haben die Verantwortlichen vor den Medien eine erste Bilanz der erhöhten Polizeipräsenz gezogen – und vermeldet, dass sie dem Plan gar voraus sind. Bereits im September 2011 seien die ersten zusätzlichen Polizistinnen und Polizisten auf Patrouille gegangen, erklärte Manuel Willi, Chef der Regionalpolizei Bern. Und mittlerweile sind die Polizisten, die die zusätzlichen Stunden leisten sollen, bereits allesamt im Dienst. 14 Männer und Frauen sind es. Das entspricht einer bis zwei zusätzlichen Patrouillen, die rund um die Uhr in der Stadt präsent sind – oder eben den 20'000 geforderten Präsenzstunden.
Alle 14 Neuen zu Krokus
Seit gestern weiss man auch, welche Einheit die 14 Polizistinnen und Polizisten verstärken werden. Sie seien allesamt bei der Einsatzgruppe Krokus angesiedelt worden, sagte Manuel Willi. Die Hauptaufgabe von Krokus ist es, die Bildung einer offenen Drogenszene zu unterbinden.
Dass alle zusätzlichen Einsatzkräfte bei Krokus untergebracht wurden, erklärte Willi so: Er habe die 14 Leute nicht gleichmässig auf die sieben Polizei-Bezirke verteilen wollen, in die die Stadt Bern aufgeteilt ist – weil er sich so der Möglichkeit beraubt hätte, die Kräfte «gezielt und gebündelt» einzusetzen. Deshalb seien nur noch zwei Einheiten infrage gekommen: Krokus oder die mobile Polizei, die vor allem die Einhaltung der Verkehrsregeln überwacht. Und da die Präsenz im öffentlichen Raum eine Kernaufgabe von Krokus sei, habe es sich angeboten, die neuen Mitarbeiter dieser Einheit zuzuteilen.
Aufgaben klar getrennt
Werden nun also 14 zusätzliche Polizisten und Polizistinnen gegen Drogendealer und Konsumenten vorgehen? «Nein», sagte Manuel Willi. Die Einheit Krokus, die nun aus 34 Mitarbeitern besteht, werde mit neuen Aufgaben betraut. Krokus ist neu auch für präventive Aufgaben zuständig. Und alle Krokus-Mitarbeiter nehmen sowohl die bisherigen wie auch die neuen Tätigkeiten wahr. Die beiden Aufgaben werden laut Manuel Willi klar voneinander getrennt – auch optisch. Dann, wenn sie präventiv patrouillierten, seien die Krokus-Mitarbeiter nicht im Polizeianzug, sondern in «normaler Uniform» und in Leuchtwesten gekleidet.
Die Krokus-Mitarbeiter sollten bei ihren Präventiv-Patrouillen zwar auch Personen- und Verkehrskontrollen durchführen, in erster Linie aber die Sichtbarkeit der Polizei erhöhen, mit den Bürgern oder mit Geschäftsinhabern den Kontakt pflegen oder auch Touristen den Weg weisen. Durch verstärkte Präsenz könne die Polizei nicht nur das subjektive Sicherheitsgefühl der Bernerinnen und Berner verbessern, sondern auch unerwünschte Geschehnisse verhindern oder zumindest verlagern, sagte Willi. So gebe es zum Beispiel weniger Taschendiebstähle, wo ein Polizist zugegen sei. Der zuständige Gemeinderat Reto Nause ergänzte, in der Aarbergergasse hätten die zusätzlichen Polizisten an Wochenendnächten eine Beruhigung der Lage bewirkt.
Die zusätzliche Polizeipräsenz wird zu 60 Prozent in der Innenstadt und zu 40 in den Aussenquartieren geleistet. Weil für das laufende Jahr nur 10'000 zusätzliche Einsatzstunden budgetiert sind, gehen die Mitarbeiter vorläufig auch anderen Aufgaben nach – sie werden etwa bei Fussballspielen oder für gerichtspolizeiliche Arbeiten eingesetzt. Bei ihren präventiven Diensten sind die Krokus-Mitarbeiter zu Fuss oder per Velo unterwegs. Die Velopatrouillen, die in der Stadt seit Juni unterwegs sind, sind für Bern ein Novum. Bisher hätten zwar auch schon Fahrräder zur Verfügung gestanden, sie seien aber kaum je genutzt worden, sagte Manuel Willi.
Vorbilder auf dem Velo
Daniel Aegerter, der Chef der Einsatzgruppe Krokus, lobte das Fahrrad als ein «hervorragendes Einsatzmittel». In der Innenstadt sei man damit schneller als mit dem Auto, und gleichzeitig könne man als Vorbild dienen, «wie man sich in der Stadt mit dem Velo verhalten sollte». Bisher hätten sie sehr gute Erfahrungen gemacht mit ihren Präventions-Einsätzen, sagte der Krokus-Chef. «Die Bürger nehmen uns wahr, sprechen uns an.» Positiv sei, dass sich für seine Mitarbeiter das Umfeld der Personen, mit denen sie zu tun hätten, vergrössert habe. Ihr Aufgabengebiet sei nun abwechslungsreicher. «Das tut gut.» Eine grosse Umstellung für sie sei es gewesen, dass sie nun nicht mehr immer im Kombi, sondern auch in der Uniform unterwegs seien.
Präsenz seit 2009 stetig erhöht
Die Kosten für die 20'000 zusätzlichen Stunden betragen gut 190'000 Franken pro Jahr. Und wie gestern präsentierte Zahlen auch zeigen, hat die Präsenz von uniformierten Polizisten seit 2009 stetig zugenommen. Wurden 2009 63'400 Stunden in Uniform geleistet, waren es 2010 76'600 und 2011 fast 80'000. Für das laufende Jahr sind deren 82'000 budgetiert, ab 2013 sollen es 92'000 sein. (Der Bund)
Erstellt: 14.08.2012, 14:30 Uhr
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5 Kommentare
In der Stadt Bern hat es mitlerweile an jeder Strassenecke zwei uniformierte Beamte, mehr Polizeiautos als Taxis, aber wenn man diese Institution auch wirklich mal benötigt, wartet man 2-3h bis man eine Anzeige erstatten kann. (Nur Werktags offen...) Und in diesen 2-3h erzählt man seine Geschichte ca. 3-4 Beamten... Nirgendwo ist der "Beamtengroove" heute noch so ausgeprägt wie bei der Polizei... Antworten
"Mehr Patrouillen = weniger Vorfälle" - das war unser Hauptargument im Kampf "Für eine sichere Stadt Bern". Die rot-grüne Mehrheit in Stadt- & Gemeinderat bestritt dies vehement und lehnte alle unsere Anträge ab, weshalb wir eine Initiative ergreifen mussten. Und heute zeigt sich: Wir hatten recht, die rot-grüne Mehrheit hatte Unrecht. Erinnert mich irgendwie an das Gestürm im Sozialbereich. Antworten
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