Stadt Bern stoppt Lars Guggisberg

Der Oberhasler Christoph Ammann (SP) ist Regierungsrat. Er überholte SVP-Konkurrent Lars Guggisberg auf dessen eigenem Terrain – in der Region Bern.

Lars Guggisberg (SVP) nimmt es sportlich und trägt die Niederlage mit Fassung.

Lars Guggisberg (SVP) nimmt es sportlich und trägt die Niederlage mit Fassung. Bild: Franziska Rothenbühler

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Der neue Regierungsrat kommt aus der hintersten Ecke des Kantons und hat die Wahl vor allem dank der Stadt Bern gewonnen. Christoph Ammann (SP) aus Meiringen, der 47-jährige Rektor des Gymnasiums Interlaken, erhielt am Sonntag 182'476 Stimmen und übertraf das absolute Mehr um etwas mehr als 1'000 Stimmen.

Damit gelang es den Sozialdemokraten, einen der beiden frei gewordenen Sitze zu verteidigen. Andreas Rickenbacher und Philippe Perrenoud (beide SP) hatten auf Ende Juni 2016 ihren Rücktritt erklärt – mitten in einer Legislaturperiode. Der zweite Sitz, bei dem es sich um den garantierten Jura-Sitz handelt, konnte am Sonntag noch nicht besetzt werden.

Pierre-Alain Schnegg (SVP) und Roberto Bernasconi (SP) blieben nicht ganz 20'000 Stimmen hinter dem absoluten Mehr zurück. Patrick Gsteiger (EVP), der ebenfalls den Jura-Sitz im Auge hatte, erhielt über 100'000 Stimmen weniger als seine direkten Kontrahenten. Unter ferner liefen klassierte sich Dauerkandidat Bruno Moser. Der zweite Wahlgang ist am 3. April.

«Ungünstige Begleitumstände»

Der grosse Verlierer vom Sonntag ist Lars Guggisberg (SVP). Der 38-jährige Kirchlindacher bekam 176'219 Stimmen. Um gewinnen zu können, hätte er vor dem Schlussduell im Wahlkreis Bern-Mittelland rund 25'000 Stimmen Vorsprung haben müssen, sagte er selber. Der Vorsprung lag schliesslich nur bei gut 19'000 Stimmen.

«Diese 6000 Stimmen fehlten mir am Schluss.»Lars Guggisberg, SVP-Grossrat und Kandidat

«Diese 6'000 Stimmen fehlten mir am Schluss.» Guggisberg führt seine Niederlage auf mehrere «ungünstige Begleitumstände» zurück: vor allem auf die gleichzeitig stattfindende Abstimmung über die Durchsetzungsinitiative sowie mangelnde Unterstützung aus dem bürgerlichen Lager.

Tatsächlich war die Stimmbeteiligung bei den gestrigen Ersatzwahlen massiv höher als sonst bei kantonalen Wahlen. Der Politologe Georg Lutz von der Universität Lausanne hatte nicht mit einem Sieg von Ammann im ersten Wahlgang gerechnet. «Entscheidend für die knappe Niederlage von Guggisberg dürfte die starke Mobilisierung gegen die Durchsetzungsinitiative gewesen sein, vor allem in den Städten», sagte er.

SP-Präsidentin Ursula Marti führte den Sieg dagegen mehr auf Ammanns «hervorragende Kandidatur» zurück. Er betreibe eine gemässigte Politik, sei sozial und habe ein Flair für die Wirtschaft. Die Wahl sei ein Signal der Bernerinnen und Berner an die SVP-«Abbau-Politik». Das Resultat bei den Verbilligungen der Krankenkassenprämien sei ebenfalls in diesem Kontext zu lesen.

Egger freut sich übermütig

Der Entscheid wurde kurz nach 18 Uhr von Staatsschreiber Christoph Auer verlesen. Lange vorher versammelten sich im Rathaus Parteipolitiker. Die Erfahrenen sagten früh, Guggisberg habe auf dem Land zu wenig Vorsprung herausgeholt. Eine, die das Resultat richtig voraussah, war SP-Regierungsrätin Barbara Egger. Als Auer sagte «Gewählt ist . . .», schwang sie übermütig ihre Arme.

Wer ist Christoph Ammann? Lesen Sie hier das «Bund»-Porträt von Ammann aus dem Vorfeld der Wahlen. (Der Bund)

(Erstellt: 28.02.2016, 19:20 Uhr)

Unauffälliger Oberländer

Er ist ein Sozialdemokrat, mit dem auch Bürgerliche leben können - sofern sie ihn überhaupt kennen. In der Kantonspolitik hat der 46-jährige Christoph Ammann bisher nicht viel Spuren hinterlassen. Dafür ist der neue Berner Regierungsrat im Haslital bekannt.

Schon mit 30 Jahren wurde er Gemeindepräsident von Meiringen und führte die Gemeinde durch finanziell schwierige Zeiten. Seit 2006 sitzt er für die SP im bernischen Grossen Rat. Dort hat er offenbar auch bei Mitte-Politikern und Bürgerlichen einen guten Eindruck hinterlassen; entsprechend breit war sein Wahlkomitee abgestützt.

Selbst politische Gegner halten Ammann zugute, dass die Führungserfahrung für ihn spricht und dass er ein gemässigter Sozialdemokrat ist. Das wiederum passt partei-intern nicht allen; Kritik gab es namentlich von der Juso, weil sich Ammann für die Ausschaffung krimineller Ausländer ausgesprochen hatte. Dabei beruft er sich auf ein entsprechendes Positionspapier der SP.

Amann ist Rektor am Gymnasium Interlaken. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. (sda)

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