SVP-Kandidat Lars Guggisberg gerät in die Bredouille

In der FDP mehren sich die Stimmen, die sich gegen SVP-Regierungsratskandidat Lars Guggisberg aussprechen.

In der FDP mehren sich die Stimmen, die sich gegen SVP-Regierungsratskandidat Lars Guggisberg aussprechen.

In der FDP mehren sich die Stimmen, die sich gegen SVP-Regierungsratskandidat Lars Guggisberg aussprechen. Bild: Valérie Chételat

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Die Jungfreisinnigen Kanton Bern gehen auf die Barrikaden: Im Gegensatz zur FDP-Parteileitung unterstützen sie nicht beide Regierungsratskandidaten der SVP, sondern nur Pierre-Alain Schnegg. Bei der zweiten Vakanz sprechen sie sich anstelle von Lars Guggisberg für Christoph Ammann (SP) aus. «Wir sind uns bewusst, dass die Unterstützung eines SP-Kandidaten ein Tabubruch ist», sagt Thomas Berger, Präsident des Jungfreisinns. Doch Ammann sei ein gemässigter SP-Vertreter, kein Gewerkschafter. Durch ihn wäre auch das Oberland wieder in der Regierung vertreten. Guggisberg hingegen verfüge nicht über das nötige Rüstzeug. «Er mag ein guter Grossrat sein, doch es fehlt ihm an Exekutiv- und Führungserfahrung im Job», sagt Berger.

Damit gerät der Guggisberg-Support im bürgerlichen Lager immer mehr ins Bröckeln. Ex-BDP-Fraktionschef Dieter Widmer preschte im Dezember vor, indem er sich als Erster hinter Ammann stellte. Unterdessen ist er sogar Co-Präsident in dessen Komitee. Diesem gehören auch FDP-Vertreter aus dem Oberland an. Der Zweisimmer Grossrat Hans-Jörg Pfister hat sich aus regionalpolitischen Gründen für Ammann ausgesprochen, weil das Oberland seit 2008 auf einen Regierungsrat wartet.

Doch dies scheint nur die Spitze des Eisbergs zu sein. Gemäss Informationen des «Bund» wollen sogar Mitglieder der FDP-Parteileitung Ammann wählen, weil sie Guggisbergs Fähigkeiten anzweifeln. Öffentlich outen mag sich niemand, man will die bürgerliche Wende nicht unnötig gefährden. Allem Anschein nach wagt sich nur die Jungpartei das auszusprechen, was viele der «Alten» denken.

Guggisbergs Wahlchancen werden aber noch durch weitere Argumente geschmälert. In FDP und BDP gibt es Leute, die es übertrieben finden, wenn die SVP drei Sitze im Regierungsrat erhielte, zwei reichten – auch für die bürgerliche Wende. Derzeit stellt die SVP einen Regierungsrat. Wenn zudem drei bisherige SVP-Vertreter zu den nächsten Gesamterneuerungswahlen im Jahr 2018 anträten, könnte es eng für die Kandidierenden von FDP und BDP werden. Der Freisinn muss dann eine neue Person ins Rennen schicken. FDP-Regierungsrat Hans-Jörg Käser befindet sich schon jetzt im Pensionsalter.

Doch damit nicht genug: Vor ein paar Tagen wurden die Regierungsratsersatzwahl auch noch mit den Wahlen in der Stadt Bern verknüpft. Dort plant die SVP den Alleingang, was in FDP-Kreisen nicht goutiert wird. FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen nervt sich derart darüber, dass er die beiden Regierungsratskandidaten der SVP im Wahlkampf nicht mehr aktiv unterstützen will. Zu reden gibt im Weiteren, dass sich Guggisberg und Schnegg für die Durchsetzungsinitiative ausgesprochen haben.

«Fadenscheinige Argumente»

«Ich muss es akzeptieren, dass gewisse Leute aus unserer Partei nicht zwei SVP-Vertreter wählen wollen», sagt FDP-Präsident Pierre-Yves Grivel und fügt ein «leider» an. Doch selbst für ihn hat die Wahl von Schnegg höhere Priorität als diejenige von Guggisberg. «Das Wichtigste ist die Wende. Wichtig ist aber auch, dass der Sitz des Berner Juras zurück in bürgerliche Hände kommt.» Schnegg könne zudem von heute auf morgen die Gesundheitsdirektion übernehmen. Auch Guggisberg sei ein «guter und erfahrener Kandidat». Die Führungserfahrung sei jedoch ein Schwachpunkt.

SVP-Präsident Werner Salzmann ist «überrascht und erstaunt» darüber, dass sich der Jungfreisinn für Ammann ausspricht. «Wenn bürgerliche Parteien nicht bürgerliche Kandidaten unterstützen, ist das ein Verlassen des Weges der Tugend», sagt er. Ammann sei immer noch ein linker Politiker. Gegen Guggisberg würden «fadenscheinige Argumente» ins Feld geführt. Bei jedem Kandidaten gebe es Eigenschaften, die fehlten. Guggisberg sei «absolut qualifiziert für das Amt». Als Präsident der SVP Bern-Mittelland oder als Vorstandsmitglied des kantonalen Spitexverbands habe Guggisberg Führungsqualitäten an den Tag gelegt.

Ob FDP und BDP beide SVP-Kandidaten oder nur einen portieren, entscheidet sich nächste Woche. Dann halten beide Parteien ihre Delegiertenversammlung ab. (Der Bund)

(Erstellt: 29.01.2016, 10:17 Uhr)

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