Bern

Joder-Nachfolge: Salzmann und Brand in der Poleposition

Von Marcello Odermatt. Aktualisiert am 26.09.2012

Vier Kandidaten fürs SVP-Präsidium – Parteispitze verzichtet auf Wahlvorschlag. Die Findungskommission hat beschlossen, den Entscheid der Delegiertenversammlung vom 31. Oktober zu überlassen.

Nachfolge gesucht: Die SVP will an der Delegiertenversammlung entscheiden, wer auf Rudolf Joder folgt.

Nachfolge gesucht: Die SVP will an der Delegiertenversammlung entscheiden, wer auf Rudolf Joder folgt.
Bild: Adrian Moser

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Nun ist klar, wer sich als Nachfolger von Rudolf Joder an die Spitze der kantonalbernischen SVP setzen will. Wie die Partei gestern mitteilte, stehen vier Kandidaten zur Verfügung: Peter Brand aus Münchenbuchsee, Jolanda Brunner aus Spiez, Manfred Bühler aus Cortébert sowie Werner Salzmann aus Mülchi.

Alle Kandidaten «ausgezeichnet und ebenbürtig»

Mit der gebotenen Auswahl ist bereits klar, dass kein Nationalrat für das Amt kandidiert. Die Parteileitung und die Findungskommission hätten es begrüsst, wenn die nationalen Politiker angetreten wären. Auch Joder ist Nationalrat. Zur Diskussion standen etwa Andreas Aebi und Albert Rösti. Beide haben aber aus zeitlichen Gründen sowie aufgrund ihres Interesses, verstärkt national aktiv zu bleiben, abgesagt.

Die Findungskommission, die in den letzten Wochen intensiv nach einem Joder-Nachfolger gesucht hat, beurteilt alle Kandidaten als «ausgezeichnet und ebenbürtig». Daher verzichtet sie darauf, eine Empfehlung abzugeben. Die Delegiertenversammlung, die am 31. Oktober entscheidet, hat die freie Wahl. Das heisst, je nach Dynamik der Versammlung ist der Ausgang theoretisch offen.

Keine Doppelfunktion

Allerdings spielen Persönlichkeit und Bekanntheitsgrad bei der Ausmarchung eine wichtige Rolle. Insofern dürfte sich das Rennen am Schluss wohl zwischen Brand und Salzmann entscheiden. Brand wie auch Salzmann gelten als klare Vertreter der SVP-Linie. Insbesondere der 54-jährige Brand, beruflich Notar, hat sich als Fraktionschef im Grossen Rat diesbezüglich bereits profiliert. Als Präsident des wichtigen Hauseigentümerverbandes des Kantons ist er zudem gut vernetzt.

Selbst von FDP-Seite ist zu vernehmen, dass man mit ihm gut zusammenarbeiten könne, was im Hinblick auf die Regierungs- und Grossratswahlen vom Frühling 2014 von Bedeutung wäre. Ob aber die Partei ihren Fraktionschef verlieren will, ist fraglich. Die Doppelfunktion – Partei- und Fraktionschef – geht nicht.

Fast-Nationalrat Salzmann

Salzmann wiederum hat vorerst ein Manko: Er ist nicht im Grossen Rat vertreten, war bisher vorab regional und lokal engagiert. Als Vertreter «der Landschaft und des Geländes», wie es ein SVP-Insider sagt, ist der diplomierte Landwirt und ehemalige Gemeindepräsident von Mülchi aber dort gut verankert, wo die bernische SVP nach wie vor stark ist. Ebenso ist er im Schützenwesen gut vernetzt und spielte als Präsident des Komitees gegen die Waffeninitiative von 2009 bis 2011 bereits national eine Rolle.

Hinzu kommt, dass Salzmann ein gutes Resultat bei den Nationalratswahlen im Oktober erzielte. Er ist mit nur einer Stimme Rückstand hinter Jean-Pierre Graber zweiter Ersatzmann. Gewisse Parteiexponenten hoffen denn auch, dass Salzmann dereinst nachrutschen oder zumindest 2015 gewählt werden könnte. So käme die Partei später doch noch zu ihrem national vernetzten Kantonalpräsidenten, wie es Joder ist.

Aussenseiterin Brunner

Als valabel muss zwar auch Bühler gesehen werden. Der Fürsprecher ist Vizepräsident der Partei und Grossrat; der 33-Jährige war Vizegemeindepräsident von Cortébert. Ob die Partei aber ausgerechnet einen Vertreter des immer noch politisch umstrittenen Berner Jura als Kantonalpräsidenten installieren wird, ist fraglich, zumal Bühler wegen seiner Herkunft eine andere Rolle spielen könnte: Er wird als Kandidat für den Regierungsrat gehandelt. Will die SVP mit einem zweiten Vertreter in die Regierung, könnte sie den garantierten Sitz für den Berner Jura, den momentan SP-Mann Philippe Perrenoud innehat, angreifen.

Schlechte Karten dürfte Jolanda Brunner haben. Ihr Handicap ist wohl ihr Geschlecht. Aus dem engen SVP-Kreis war bereits vor den Nominationen zu vernehmen, dass eine Frau kaum im Vordergrund stehe. Ob dies die Delegierten der stark männlich geprägten Partei anders sehen, ist fraglich. Zudem: Die 51-jährige Mediatorin und Ausbilderin ist zwar Präsidentin der SVP Frauen Kanton Bern und sitzt für die Partei in der Gemeindeexekutive von Spiez. Im Grossen Rat sitzt sie hingegen nicht. Auf nationaler Ebene ist sie unbekannt. (Der Bund)

Erstellt: 26.09.2012, 06:44 Uhr

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