Rösti bringt Spannung ins Rennen

Bei den Ständeratswahlen im Kanton Bern sind die beiden Bisherigen noch nicht am Ziel. SVP-Nationalrat Albert Rösti ist ihnen auf den Fersen.

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Auf den ersten Blick lassen die diesjährigen Ständeratswahlen im Kanton Bern wenig Spektakel erwarten. Die beiden Bisherigen, Werner Luginbühl (BDP) und Hans Stöckli (SP), schaffen die Wiederwahl. In Anbetracht des grossen Teilnehmerfelds – elf Personen treten an (siehe Text unten rechts) – wird es jedoch zwei Wahlgänge geben. «Dieses Szenario ist am wahrscheinlichsten», sagt auch der Berner Politologe Adrian Vatter. Luginbühl und Stöckli seien kaum durch Skandale oder Fehler aufgefallen. Zudem profitierten sie vom Amtsinhaberbonus. Der Vorsprung auf die Herausforderer könne 10 bis 15 Prozentpunkte betragen, wie Untersuchungen zu den Regierungsratswahlen im Kanton Bern gezeigt hätten.

Trotzdem ist das Rennen auch für Vatter noch keineswegs gelaufen. Eine «gewisse Spannung» sei durchaus vorhanden. Grund dafür ist die Kandidatur von SVP-Nationalrat Albert Rösti. Er gilt als moderater als der letzte Ständeratskandidat der SVP. Vor vier Jahren stellte die stärkste Partei im Kanton Bern Hardliner Adrian Amstutz auf. «Im Prinzip müsste Rösti besser abschneiden als Amstutz», sagt Vatter. Amstutz wurde 2011 bei der Ersatzwahl im Frühjahr zwar in die kleine Kammer gewählt und setzte sich gegen die heutige Stadtberner SP-Gemeinderätin Ursula Wyss durch. Bei der ordentlichen Wahl im Herbst hatte Amstutz dann aber im zweiten Durchgang gegenüber Stöckli das Nachsehen. Gemäss Vatter könnte das neue Profil des SVP-Kandidaten durchaus dazu führen, dass sich gerade im zweiten Wahlgang eine Eigendynamik entwickelt.

Der zweite Wahlgang findet am 15. November statt. Zu diesem Zeitpunkt werden viele Fragen, die derzeit noch offen sind, geklärt sein. So wird man dann wissen, wie die einzelnen Parteien am 18. Oktober bei den Nationalratswahlen abgeschnitten haben. Dies wiederum dürfte Auswirkungen auf den Ausgang der Ständeratswahlen im Kanton Bern haben. Wenn nämlich das bürgerliche Lager insgesamt gestärkt würde, könnte das für Rösti und gegen Stöckli sprechen. Andererseits hätte ein schweizweiter Einbruch der BDP mit Sicherheit Auswirkungen auf Luginbühls Resultat. Er würde weniger Stimmen holen als vor vier Jahren.

Klarer Sieg 2011 für Luginbühl

Allerdings siegte Luginbühl Ende 2011 mit grossem Vorsprung. Er holte im zweiten Wahlgang fast 217?000 Stimmen, rund 50?000 mehr als Stöckli und 70?000 mehr als Amstutz. Selbst wenn Luginbühl heuer kein Top-Ergebnis gelingt, muss Rösti den Rückstand erst einmal wettmachen. Mit Blick auf die 20?000 Stimmen Differenz zwischen Stöckli und Amstutz könnte Rösti schon eher für Stöckli zum Problem werden. Dennoch glaubt Vatter, dass Rösti mehr Luginbühl als Stöckli schadet. «Die beiden Bürgerlichen fischen im gleichen Teich», sagt er.

Besonders ungemütlich würde es für Stöckli, wenn Luginbühl schon im ersten Wahlgang die Bestätigung schaffte. Der SP-Ständerat müsste dann direkt gegen Rösti um den zweiten Sitz stechen. Manch ein SVPler rechnet sich bei dieser Konstellationen die grössten Chancen für den eigenen Kandidaten aus. Denn falls sich die Bürgerlichen geschlossen hinter Rösti stellten, wäre Stöcklis Abwahl praktisch besiegelt. Der umgekehrte Fall, dass Stöckli schon im ersten Wahlgang wiedergewählt würde, wäre im bürgerlich geprägten Kanton Bern eine Sensation. Die SP schaffte dies erst einmal: Die heutige Bundesrätin Simonetta Sommaruga wurde 2003 auf Anhieb und mit dem besten Resultat aller Kandidierenden in den Ständerat gewählt. Falls Stöckli diesen Coup tatsächlich wiederholen sollte, müsste sich Luginbühl indes wenig Sorgen machen. Denn die Linke würde im zweiten Durchgang sicherlich ihn unterstützen und nicht den rechts von ihm stehenden Rösti.

Und was ist mit den anderen acht Kandidierenden? Für den Politologen Vatter ist klar, dass diese nicht für einen Ständeratssitz infrage kommen: «Rösti ist der einzige ernsthafte Herausforderer.» Dies bestätigen die Resultate von 2011. Die FDP etwa trat damals einmal mit Christa Markwalder und einmal mit Christian Wasserfallen an, beide wurden klar geschlagen. (Der Bund)

Erstellt: 18.08.2015, 07:24 Uhr

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