Rektor verärgert über Lehrer an Schülerdemo

Mehr als 500 Gymnasiasten demonstrierten am Dienstag vor dem Berner Rathaus. Auch Lehrer nahmen teil – und sorgten damit für Unmut.

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Inmitten der Jungen auf dem Rathausplatz stand auch Martin Renfer, Geschichtslehrer am Gymnasium Neufeld. Zusammen mit seinen Schülern demonstrierte er am Dienstagvormittag gegen die im Jahr 2013 beschlossenen Sparmassnahmen des Kantons (ASP).

Renfer kritisierte die «Form der Sparmassnahmen». So würde eine sinnvolle Reform wie das vierjährige Gymnasium mit dem Abbau von Schwerpunktfächern und Schulprojekten verknüpft. Auch ein Lehrerkollege am Gymnasium Neufeld war mit seiner Klasse an der Demo dabei. Er beschrieb den «Spardruck» anhand grösserer Klassen und der Abschaffung des 2010 eingeführten Lerncoaching. Kurzzeitig sei erwogen worden, die Abschlussreisen auf fünf Tage und 500 Franken pro Person zu kürzen.

Konsequenzen angedroht

Das Gymnasium Neufeld drohte an der Demonstration teilnehmenden Schülern mit einer unentschuldigten Absenz – sollten sie keinen freien Halbtag beziehen. Und auch die Lehrer seien verplichtet, den Unterricht durchzuführen. Rektor Rolf Maurer zeigte sich auf Anfrage daher «enttäuscht» darüber, dass die zwei Lehrkräfte «gegen die Weisungen verstossen» hätten. Dieses Verhalten könne er «gar nicht nachvollziehen» sagte Maurer – und kündigte «Gespräche» mit den entsprechenden Lehrpersonen an.

Geschichtslehrer Renfer sagte, er würde seinen Unterricht am Nachmittag nachholen – und sprach vom notwendigen «Druck», dass die Schulleitung die Sparmassnahmen nicht zulasten von Schülern und Lehrern umsetze.

Musikunterricht selbst bezahlen

Wegen der Sparmassnahmen in die eigene Tasche greifen muss Marcel Szopinski, Schüler am Gymnasium Kirchenfeld. Der Kanton kürzte den Einzelunterricht im Schwerpunktfach Musik von 40 auf 30 Minuten. Für Szopinski heisst das: Der Staat bezahlt jede Gesangsstunde am Konservatorium Bern eine halbe Stunde lang – die letzten zehn Minuten muss der Elftklässler aus der eigenen Tasche bezahlen. Szopinski sagte, nur Schüler mit reichen Eltern könnten sich das noch leisten. Schüler verschiedener Gymnasien drückten mit einem klassischen Konzert ihren Protest auf kreative Art und Weise aus – dumm nur, dass ihr Auftritt von einer Kirchenglocke sogleich übertönt worden war.

Einstimmig hiessen die mehr als 500 Protestierenden eine Resolution gut, welche den Grossen Rat auffordert, die Sparmassnahmen an den Gymnasien zurückzunehmen. Angesichts 212 Millionen Franken Überschuss für 2014 sei das Sparpaket ohnehin überflüssig gewesen, sagte eine Schülerin auf dem Podest.

Die demonstrierenden Schüler betonten ihre politische Unabhängigkeit – doch die Politik war auf dem Rathausplatz sehr präsent. Neben Blaise Kropf, ehemaligem Präsidenten der Grünen Kanton Bern, wetterte auch Tamara Funiciello von den Juso gegen die Sparpolitik. Und Studierendenvertreter verteilten Flyer für ein Ja zur Stipendieninitiative.

(Der Bund)

Erstellt: 24.03.2015, 19:36 Uhr

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Die Rektoren stören sich daran, haben Berner Lehrer mit ihren Schülerinnen und Schüler am Dienstag gegen die kantonalen Sparmassnahmen verstossen. Haben Sie recht damit?

Ja. Die Sparmassnahmen sind beschlossen, das Lehrpersonal sollte sich jetzt auf den Unterricht konzentrieren.

 
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Nein, demonstrieren ist das gute Recht der Lehrer.

 
92.9%

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