Bern
Regierungsrat will eine höhere Staumauer
Von Mireille Guggenbühler. Aktualisiert am 08.06.2012 3 Kommentare
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Der Gesamtregierungsrat befürwortet den umstrittenen Ausbau der Grimsel-Staumauer. Dies teilte die Medienstelle des Kantons gestern mit. Die Erhöhung der bestehenden Grimsel-Staumauer um 23 Meter erweitert das Speichervolumen des Sees um 75 Prozent. Damit kann im Sommer mehr Wasser zurückbehalten werden, das im Winter zur Stromproduktion genutzt wird. Mit den zusätzlich erzeugten 240 Gigawattstunden könne der Winterbedarf von 90'000 Haushalten gedeckt werden, hält der Regierungsrat fest. Das grössere Seevolumen ermögliche es zudem, die unregelmässig anfallende Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen wie Sonne und Wind auszugleichen.
Ein umweltverträglicher Eingriff?
Durch die Vergrösserung des Grimselsees würden eine national bedeutende Moorlandschaft sowie ein Gletschervorfeld geflutet. Der Regierungsrat hält deshalb fest, dass die Seevergrösserung zwar «einen Eingriff in Natur und Landschaft» darstelle. Insgesamt aber, so die Beurteilung des Kantons, sei die Massnahme umweltverträglich. Umweltverträglich bedeutet in diesem Fall, dass die negativen Auswirkungen mit den vorgesehenen Ersatzmassnahmen «hinreichend kompensiert werden können», wie Regierungsrätin Barbara Egger (SP) gestern sagte. Geplant sind neue Schutzgebiete für Tiere und Pflanzen, Ersatzaufforstungen und die Renaturierung von Gewässern. Für die Kosten der vorgesehenen Massnahmen, die heute noch nicht bekannt sind, muss nicht der Kanton aufkommen, diese werden die Kraftwerke Oberhasli KWO bezahlen müssen.
In die Umweltverträglichkeitsprüfung miteinbezogen worden sind auch weiter unten liegende Gewässer wie etwa der Brienzersee. Durch die Vergrösserung des Grimselseevolumens seien keine negativen Folgen für dieses oder andere Gewässer zu erwarten, so Egger. Auch der Eingriff in die Landschaft von nationaler Bedeutung «Berner Hochalpen und Aletsch-Bietschhorn-Gebiet» ist gemäss dem Regierungsrat zulässig. «Das Interesse an der Vergrösserung des Grimselsees ist von mindestens gleichwertiger nationaler Bedeutung wie das Interesse an der ungeschmälerten Erhaltung der geschützten Landschaft», begründet Egger. Oder anders ausgedrückt: Der rot-grüne Regierungsrat gewichtet, angesichts der Debatte um den Atomausstieg, die künftige Energieversorgung gleich hoch oder, je nach Sichtweise, gar höher als den Landschaftsschutz.Der Regierungsrat beantragt nun dem Kantonsparlament die entsprechende Anpassung der Konzession für die KWO. Der Grosse Rat wird das Konzessionsgesuch für die Vergrösserung des Grimselsees voraussichtlich im Herbst behandeln.
Umweltverbände kämpfen weiter
Nach wie vor nicht einverstanden mit der Erhöhung der Staumauer sind die Umweltverbände, wie Roland Schuler, Mediensprecher von Pro Natura namens der Verbände (WWF, Greenpeace, Aqua Viva, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz) sagt. Diese haben bereits Einsprache erhoben. «Eine Bewilligung für eine Mauererhöhung ist juristisch nicht tragbar, weil sie dem verfassungsmässig garantierten Moorschutz widerspricht», so Schuler. Zudem würden durch die Seevergrösserung nicht wie von der Regierung angegeben 240 Gigawattstunden Strom mehr produziert. Dies bemängelt man auch beim Grimselverein.«Die Produktionsleistung hängt nicht von der Speichergrösse des Sees, sondern von den Produktionsanlagen ab», sagt Präsident Peter Anderegg. Durch die Seevergrösserung lasse sich nur länger, aber nicht bedeutend mehr Energie produzieren. Stimmt der Grosse Rat der Staumauererhöhung zu, wollen die Verbände bis vor Bundesgericht ziehen. (Der Bund)
Erstellt: 08.06.2012, 14:53 Uhr
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