Bern
Reaktionen: Für Privatspitäler «ist das eine Zumutung»
Von . Aktualisiert am 21.04.2012 1 Kommentar
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Die Privatspitäler hatten letzten Herbst heftig auf den Entwurf der Spitalliste reagiert. Sie kritisierten unter anderem die Art, wie die Qualität festgestellt werden soll. In der Folge musste der Kanton peinliche Berechnungsfehler eingestehen. Auf der gestern präsentierten Liste seien die «grösseren Fehler» korrigiert worden, sagte Jean-François Andrey, Präsident des Verbands der Privatspitäler, gestern auf Anfrage. Das sei positiv. Allerdings seien seither wieder neue hinzugekommen.
Andrey kritisiert zum Beispiel, dass dem privaten Lindenhofspital, das er zusammen mit dem Sonnenhof leitet, ein wichtiger Bereich infrage gestellt wird. Die spezialisierte Neurochirurgie habe im Herbst noch uneingeschränkt auf der Liste figuriert. Jetzt unterstehe sie dem Vorbehalt, dass eine Zusammenarbeit mit dem Inselspital zustande komme – dabei sei das Lindenhofspital «eines der grössten Tumorzentren». Ein weiteres Beispiel: Den beiden Spitälern sind «grosse Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse» mit Vorbehalten belegt worden. Für Andrey ist das unverständlich – zumal solche Eingriffe bei der Spitalgruppe Biel keinen Einschränkungen unterstehen, obschon die Fallzahlen dort viel geringer seien. «Für uns besteht nun die Gefahr, dass wir gute Leute verlieren.»
Verzicht auf Mengensteuerung kommt an
Für Andrey ist es unverständlich, dass der Kanton die Liste den Spitälern nicht nochmals für eine Stellungnahme vorgelegt hat. Ob der Verband juristische Schritte einleite, konnte Andrey gestern noch nicht sagen. Die Situation der kleinen Privatspitäler Hohmad in Thun und Siloah in Gümligen beurteilte er als «lebensbedrohlich». Andrey vermisst «ordentliche Prozesse» und Übergangsbestimmungen – «das ist eine Zumutung».
Übers Ganze betrachtet fällt die Kritik an der Spitalliste erstaunlich milde aus. Gelobt wird von allen Seiten, dass der Kanton nun darauf verzichtet, eine Mengensteuerung vornehmen zu wollen. Diese Idee war letzten Herbst auf erbitterten Widerstand gestossen – auch im Grossen Rat. Ebenso positiv wird bewertet, dass die Leistungsaufträge an die Spitalunternehmen als Ganze ergehen und nicht an einzelne Standorte.
«Brauchbarer Kompromiss»
Beat Straubhaar, Präsident des Netzwerks Diespitäler.be, spricht von einem «brauchbaren Kompromiss». Mit dem System der Fallgruppen könne man relativ gut leben. Allerdings werde es aus seiner Sicht nicht die Spitalliste sein, die weitere Konzentrationen auslöse, sondern die sogenannte Basisrate. Am wichtigsten sei, dass die «unsägliche Mengensteuerung» weggefallen sei. Das Netzwerk umfasst unter anderem die Regionalen Spitalzentren, das Inselspital sowie die Universitären Psychiatrischen Dienste UPD.
Dieter Widmer, stellvertretender Direktor der Spital Region Oberaargau AG, sagt, die Spitalliste entspreche den Erwartungen. Auch für ihn steht fest, dass die Basisrate viel entscheidender sein wird für die Unternehmen als die Liste selber: «Die Basisrate wird uns auf Trab halten.» Als Grossrat (BDP) präsidiert Widmer die vorberatende Kommission, die sich mit der Umsetzung der Versorgungsplanung befasst. Es sei erfreulich, sagt er, dass der Regierungsrat die Eingaben der Kommission zu wesentlichen Teilen übernommen habe. Auch für ihn ist mit dem Verzicht auf eine Mengensteuerung ein Hauptproblem aus der Welt geschafft worden. (Der Bund)
Erstellt: 21.04.2012, 12:45 Uhr
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1 Kommentar
Der Kanton macht Rechnungsfehler? Wirklich? Ich habe immer gedacht, dass es am besten ist, wenn der Staat die Entscheide trifft. Was wissen schon die Leute, die vor Ort für ihren Betrieb Entscheide treffen? Egal, der Staat wird im nächsten Fünfjahresplan dann schon die richtigen Entscheide treffen. Er hat ja einen langen und soliden Leistungsausweis für zielgerichtete Planung! Antworten
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