Protest gegen Heliskiing im Weltnaturerbe

Umweltaktivisten protestieren gegen Heliflüge im Jungfrau-Gebiet: Aufgrund eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichtes ist die Überprüfung der Gebirgslandeplätze zurzeit auf Eis gelegt.

Protest gegen Helikopterflüge für Skitouristen: Aktivisten von Mountain Wilderness auf der Äbeni Flue.

Protest gegen Helikopterflüge für Skitouristen: Aktivisten von Mountain Wilderness auf der Äbeni Flue. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sieben der 42 Gebirgslandeplätze in der Schweiz befinden sich im Unesco-Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch. Die jährliche Anzahl Heliskiing-Flüge auf Äbeni Flue, Langgletscher, Jungfraujoch, Petersgrat, Rosenegg-West, Blümlisalp und Kanderfirn bewegt sich im vierstelligen Bereich. Dagegen haben Aktivisten der Umweltschutzorganisation Mountain Wilderness gestern Sonntag Protestaktionen auf dem Petersgrat und der Äbeni Flue durchgeführt. «Wir fordern eine vollständige Reduktion der Landeplätze in Gebieten, die im Bundesinventar der Landschaften und Kulturdenkmäler (BLN) verzeichnet sind», sagt Katharina Conradin, Geschäftsführerin von Mountain Wilderness Schweiz.

Sie verweist auf einen Entscheid des Bundesverwaltungsgerichtes vom Dezember 2011. Dieser sehe eine Priorisierung der Belange des Naturschutzes in Landschaften im BLN-Inventar vor, falls dem keine «übergeordneten nationalen Interessen» entgegenstehen würden. «Heliskiing ist gewiss nicht von übergeordnetem nationalen Interesse», sagt Conradin. In diesem Sinne sei der Entscheid der Richter in Bern «ein Schritt in die richtige Richtung».

Gutachten soll Klarheit bringen

Durch den Entscheid des Gerichtes sei die Überprüfung der Gebirgslandeplätze in der Schweiz allerdings auf Eis gelegt, sagt Daniel Göring, Sprecher des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl). Der Gerichtsentscheid richtete sich gegen eine Verfügung des Departementes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) über die Gebirgslandeplätze in der Region Wallis Südost.

Gemäss den Richtern in Bern hat das Uvek ungenügend abgeklärt, inwiefern von ihm definierte Landeplätze im Gebiet um Zermatt mit dem Schutz der im BLN verzeichneten Region Dent Blanche-Matterhorn-Monte Rosa vereinbar sind. Hierfür sei ein Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission «zwingend erforderlich», heisst es im Entscheid. Die Kommission soll insbesondere aufzeigen, «ob Ausmass und Gewicht der Beeinträchtigung minimiert werden können», halten die Richter fest. Beim Bazl wartet man nun die Ergebnisse des Gutachtens der Kommission ab.

Im Gebiet Jungfrau-Aletsch stand einst die Idee zur Debatte, zwei Gebirgslandeplätze zugunsten von neuen Plätzen in den Regionen Grassen (OW) und Spannort (UR) aufzuheben. Diese Möglichkeit hat sich aber aufgrund des Widerstandes in der Zentralschweiz als unrealistisch erwiesen. «Aufhebung und Ersatz von Gebirgslandeplätzen sind eine Ultima Ratio», sagt Bazl-Sprecher Göring. Bei umstrittenen Landeplätzen gehe es in erster Linie darum, Mindestflughöhen oder Anflugwege zu definieren oder eine zeitliche Einschränkung der Flugtätigkeit zu verfügen.

Helikopter-Lobby freut sich

Nicht nur Mountain Wilderness, sondern auch die Swiss Helicopter Association begrüsst den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichtes – wenn auch offensichtlich aus entgegengesetzten Gründen. «Unsere Gegner suchen krampfhaft nach jedem Anlass, um eine Verzögerung zu erreichen», sagt Daniel Sulzer, Koordinator für die Region Berner Oberland Ost der Swiss Helicopter Association und Geschäftsführer der Berner Oberländer Helikopter AG (Bohag). Dies sei für die Branche nur von Vorteil, weil dadurch der Status quo verlängert werde.

«Heliskiing wird kein Hype»

Sulzer ist überzeugt, dass das Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission keine Erhöhung der Anforderungen für die Einrichtung und den Betrieb von Gebirgslandeplätzen bringen wird. «Wir haben alle wichtigen Player hinter uns.» Gemeinden, Rettungs- und Tourismusorganisationen und sogar der Schweizerische Alpenclub (SAC) stünden «zu einem guten Teil» hinter dem Heliskiing. Beim SAC drohten die Walliser Sektionen wegen der kritischen Haltung des Zentralvorstandes zeitweilig gar mit einer Abspaltung. An der Abgeordnetenversammlung im letzten Sommer setzten sie sich jedoch durch und konnten die Anträge städtischer Sektionen für eine Reduktion der Gebirgsfliegerei bodigen.

Sulzer betont, dass eine Erhöhung der Anzahl Landeplätze im Unesco-Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch und im Sustengebiet für die Helikopterbranche kein Thema ist. «Heliskiing ist etwas für Liebhaber. Der Markt hierfür ist klein. Es besteht keine Gefahr, dass Heliskiing hierzulande zu einem Hype werden könnte», sagt der Bohag-Geschäftsführer.

«In der Höhle des Löwen»

Die Zukunft des Heliskiings entscheidet sich zurzeit also im Gebiet rund um Zermatt. Gemäss Bundesgericht müsste sich das Gutachten der Natur- und Heimatschutzkommission insbesondere zum umstrittenen Landeplatz im Bergmassiv mit dem höchsten Punkt der Schweiz, der 4634 Meter über Meer liegenden Dufourspitze, äussern.

Von einem Protest im Monte-Rosa-Massiv hat Mountain Wilderness gestern jedoch abgesehen. Laut Geschäftsführerin Katharina Conradin wäre dies zu heikel gewesen. «Es macht keinen Sinn, in der Höhle des Löwen zu provozieren.» (Der Bund)

(Erstellt: 02.04.2012, 09:23 Uhr)

Artikel zum Thema

SAC: Schlappe für Gegner von Heliskiing

Im SAC tobt ein Streit um die Gebirgsfliegerei. Jetzt haben die Heliski-Kritiker aus den Stadtsektionen Zürich und Bern eine Abfuhr erlitten. Mehr...

Streit um Heliskiing wird heftiger – SAC vor der Spaltung?

Im Februar kam es zu einem tätlichen Angriff auf einen Helikopter. Und nun sollen in einem unberührten Gebiet oberhalb von Engelberg zwei neue Gebirgslandeplätze für Heliskiing-Touristen entstehen. Mehr...

Werbung

Immobilien

Die Welt in Bildern

Kurz- und Langstreckenflüge: Während der Satelit GSLV Mark-III ins All geschossen wird, zeigt sich über dem indischen Sriharikota auch eine Gruppe Gänse am Himmel (18. Dezember 2014).
(Bild: Arun Sankar K) Mehr...